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Denkmalschutz: Das konservative Dilemma

Peter | 29. Jan 2005

Ich komme eben von einer Versammlung konservativer Christen – viele nette Leute, fast alle deutlich älter als ich. Der Referent hat mir allerdings das Gefühl gegeben, ich bin im falschen Film. Wieder mal habe ich mich gefragt, ob Christsein und Konservativismus vereinbar ist. Ich glaube es nicht mehr.

Konservative wollen bewahren oder bestenfalls erneuern (nach alten Plänen – wie der Denkmalschutz). Ihr Blick ist rückwärts gewandt. Und auch wenn es natürlich stimmt, dass nicht alles Frühere schlecht war und über Bord geworfen werden darf, so ist das Reich Gottes keine vergangene, sondern allenfalls eine gegenwärtige, aber immer auch eine zukünftige, also noch offene Angelegenheit.

Wann immer wir das vergessen, werden wir konservativ. Dann friert man den Status Quo ein, indem man ihn verklärt. Oder – schlimmer – man klagt andere (die “Liberalen” oder Modernisierer) als Verräter an. So habe ich es heute gehört. Wer ungewohnte Wege einschlägt, wird der Fahnenflucht verdächtigt. Die “gerechte” Entrüstung sorgt für eine gewisse Schärfe in der Auseinandersetzung, die die Fronten zusätzlich verhärtet.

Konservativismus macht auch blind, weil er die Perspektive verengt. In den USA haben “konservative” Christen George Bush an der Macht gehalten, weil er in die zwei Reizthemen Abtreibung und Homosexualität besetzt hat. Und – natürlich nicht zu vergleichen, sondern unendlich viel schlimmer! – weil Hitler sich als Konservativer gebärdete, sind 1933 viele “Fromme” auf ihn hereingefallen und haben viel zu spät gemerkt, was sie angerichtet hatten.

Natürlich gibt es viele Dinge, die man nicht einfach über Bord werfen kann. Aber unser Heil liegt nicht im Blick zurück. Am Ende der Industriegesellschaft, der Aufklärungskultur, des Nachkriegs-Wohlstands und des christlichen Abendlands überwiegt die Diskontinuität. Wer das nicht begreift, läuft Gefahr, zur musealen subkulturellen Blase zu degenerieren. Auch so kann man wohl etliche Generationen überdauern.

Jesus – haben wir das vergessen? – wurde als Revolutionär hingerichtet. Zwar hat man das bewusst missverstanden, indem man ihn als “gewaltbereit” einstufte. Aber er war gefährlich! Und seinen Nachfolgern legte man zur Last, sie würden den Erdkreis in Aufruhr versetzen, die Welt auf den Kopf stellen.

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Christen in die Politik – wirklich?

Peter | 05. Jan 2005

In letzter Zeit mangelt es ja nicht an Aufrufen, dass Christen sich politisch interessieren und einmischen sollen. Vor ein paar Wochen erreichte mich ein Brief an den Bundeskanzler samt der Aufforderung, diesen zu unterschreiben. Ich tat es nicht, denn der Brief von Dr. Hans Penner aus Linkenheim-Hochstetten enthielt unter anderem folgenden Absatz:

„Wer Gott nicht respektiert, dessen Verstand wird unbrauchbar und verfällt hirnrissigen Ideen wie Windräder und Klimaschutz oder er begeistert sich für widernatürliche Unzucht. Vielleicht sollte man auf den Hunde-Adventskalender Ihrer Frau die verheißungsvolle Prognose von Emanuel Geibel schreiben:

“Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub’ durchs Fenster.
Habt die Gottheit ihr verjagt, kommen die Gespenster.”

Der Atheismus Ihrer Regierung läßt Deutschland in eine gespenstische Zukunft blicken.“

Am kommenden Sonntag nimmt der Kanzler an einem Gedenkgottesdienst für die Flutopfer teil, obwohl er diesen Brief erhalten hat und obwohl sicher etliche fromme Eiferer unterzeichnet haben. Natürlich ist er es gewohnt, Drohungen und Beschimpfungen zu erhalten und kann damit umgehen.

Ich schäme mich trotzdem, dass es immer noch Menschen gibt, die im Namen Christi solche Tiraden verfassen. Vermutlich denkt Jesus sogar über Windräder anders als Dr. Penner. Ganz sicher aber hat er in der Bergpredigt klar und deutlich gesagt, dass verächtliche Beschimpfungen in Gottes Augen ein Verbrechen sind. Ich habe dem lieben Mitchristen, der mir den Brief zur Weiterleitung zusandte, eine empörte Antwort geschrieben; der ließ seinerseits jedes Problembewusstsein vermissen.

Vielleicht sollten wir uns das mit den politischen Aufrufen noch einmal überlegen. Liebe ist ein großes und vielfach missbrauchtes Wort. Vielleicht sollten wir erst einmal ein paar Jahre über Achtung, Respekt, gute Umgangsformen und Toleranz (!) gegenüber Andersdenkenden sprechen – und das praktisch einüben. Macht Gerhard Schröder eigentlich auch etwas richtig – dann sollten wir ihn dafür loben. Wir sollten ihm im Zweifelsfall die denkbar besten Motive unterstellen und nicht die Sprache seiner übelsten politischen Gegner imitieren. Und wir sollten die, die sich daran nicht halten wollen, ebenso öffentlich zur Rede stellen, wie sie ihre peinlichen Statements abgeben.

Was ich hiermit tue.

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