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Verfettet, verklebt, verqualmt?

Peter | 31. Jan 2007

Gestern abend haben wir in unserer “Bibelschule” über die alttestamentlichen Propheten gesprochen. Dabei kamen wir auch auf Jesajas Berufung zu sprechen, wo es in Bubers Übersetzung heißt:

Geh, sprich zu diesem Volk: Hört nur, höret, und unterscheidet nimmer, seht nur, sehet, und erkennet nimmer! Zu verfetten ist das Herz dieses Volks, seine Ohren zu verstumpfen, seine Augen zu verkleben, sonst könnte es mit seinen Augen sehn, mit seinen Ohren hören, in seinem Herzen unterscheiden, umkehren und Genesung würde ihm! Ich sprach: Bis wann, mein Herr? Er sprach: Bis dahin, dass Städte verheert sind, kein Insasse mehr, Häuser, kein Mensch mehr darin, des Menschen Boden verheert zu Öden.

Jesaja bewirkte diese Verstockung nicht, indem er sein Volk belog, sondern indem er die Wahrheit öffentlich sagte.

Technorati Tags: Bibel, Klima, Optimismus, Politik, Prophetie, Selbsttäuschung



Nur durfte er sich keine Illusionen machen: Der königlich kontrollierte Staatsoptimismus ließ kritische Stimmen nicht zu (NB: der einzige Ort in der Bibel, wo die Öffentlichkeit tatsächlich auf Propheten hörte, ist ausgerechnet Ninive in der Geschichte von Jona).

Wenn heute im Spiegel online zu lesen ist, dass die Bush-Administration Klimaberichte systematisch frisierte und unterdrückte und aktuell die Bundesregierung sich nicht nur mit dem Rauchverbot in Europa isoliert und lächerlich macht, sondern auch “mit aller Härte” (O-Ton Merkel) gegen Klimaschutzauflagen zu Felde ziehen will, dann ist ein ganz analoger Vorgang von Verstocktheit.

Die Katastrophe wird kommen, aber vielleicht haben wir wenigstens noch die Wahl, ob es primär eine Katastrophe für deutsche Autobauer und Unionspolitiker wird, weil wir ihre dicken Schlitten nicht kaufen (Patriotismus ist hier einfach nicht angebracht!) und weil wir sie aus ihren Ämtern kippen, wann immer uns eine Wahl das erlaubt. Selbst wenn der Klimakollaps schon unabwendbar wäre, müssen wir (mit allen anderen “Propheten”) den Mund aufmachen. Wenn nämlich später einmal die Illusion platzt und der Jammer einsetzt, dann wird die Welt auf jene hören, die sie jetzt belächelt und ignoriert.

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2 Responses to “Verfettet, verklebt, verqualmt?”

  1. ebbelwain sagt:
    31. Jan 2007 um 17:05

    Im BWL-Studium hatten wir uns in Umweltökonomie mit Verhandlungen im internationalen Umweltbereich (Spieltheorie) befasst. Kurzgefasstes Ergebnis: Es gibt keinen Rahmen für solche Verhandlungen, die am Ende ein effizientes und sanktionierbares Result erbringen. Für jeden Staat – einzeln betrachtet – lohnt es sich, sich nicht an das Ergebnis zu halten oder wenn sich für alle lohnt sich daran zu halten, ist das Ergebnis nicht effizient (erreicht also nicht das gewünschte Ziel). [siehe Eberhard Feess: Umweltökonomie und Umweltpolitik]
    Tja, es ist sozusagen wissenschaftlich erwiesen, dass die Menschen – so lange sie ihr Eigeninteresse höher bewerten als das anderer – die Erde letztlich zugrunde richten… Kein schöner Ausblick…

  2. andy sagt:
    02. Feb 2007 um 11:08

    doch, es gibt eine Lösung: Verhandlungsmacht

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