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Brian McLaren: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? Teil 1: Nicht stehen bleiben

Peter | 20. Feb 2007

Mit freundlicher Genehmigung von Brian poste ich hier in mehreren Teilen seine Gedanken zum Thema Anbetung, die er als offenen Brief geschrieben und etwas erweitert in “Adventures in Missing the Point”veröffentlicht hat.  Photos Bmclaren01In den letzten Jahren hatte ich die Gelegenheit mit vielen Nachwuchsleitern an vielen verschiedenen Orten zu sprechen. Das bedeutete: ich sah, hörte und lobte Gott mit vielen Dutzenden Lobpreisbands und -leitern. Neben vielen ermutigenden Trends in der Gottesdienstgestaltung habe ich ein paar hartnäckige Bedenken, dass wir dabei am Eigentlichen vorbei gehen könnten.Als Musiker wie als Gottesdienst-Teilnehmer habe ich den großen Wunsch dass die heutige Musik neue Höhen und neuen Tiefgang erreicht, um die Gottesdienste überall auf der Welt zu bereichern – vor allem wenn wir, wie ich glaube, in eine entscheidende Zeit des theologischen, kulturellen, geistlichen Umbruchs kommen (oder schon gekommen sind), vielleicht ähnlich bedeutsam wie die Zeit der Reformation. Wenn das stimmt, sollten wir damit rechnen, wie in der Reformation eine Belebung der Theologie und Liturgie zu sehen, die uns schließlich hilft, biblischer, geistlicher und effektiver in der Erfüllung unseres Auftrags zu werden. 

Technorati Tags: Anbetung, Brian McLaren, Postmoderne, Liturgie, Zeitgeist

Aber das hier geht gegen den Strich: In der modernen Welt wurde Theologie von Gelehrten betrieben, und schlug sich in in Büchern und Vorlesungen nieder. Im Gegensatz dazu kann es in der postmodernen Welt sein, dass die Theologen ihre Bibliotheken öfter verlassen und mit dem Rest der Welt zusammen forschen und studieren. Und die besten dieser Theologen der neuen Art werden Dichtern, Musikern, Filmemachern, Schauspielern, (Innen-) Architekten, Landschaftsgärtnern, Tänzern, Bildhauern, Malern, Schriftstellern, Fotografen, Webdesignern die Hände und Herzen reichen – nicht nur, um eine authentische christliche Theologie für diese Zeiten zu vermitteln, sondern um sie zu erkennen, zu entdecken. Solch eine Ehe von Theologen und Künstlern spiegelt die Verschiebung von linker Hirnhälfte zum ganzen Hirn, vom reduktionistischen, analytischen Rationalismus zu einer theologischen Ganzheitlichkeit wider. Die kommende Theologie wird in Kopf und Herz wirken, Verstehen und Phantasie, Lehrsatz und Bild, Klarheit und Geheimnis, Erklärung und Erzählung, Abhandlung und künstlerischem Ausdruck.Unsere Songwriter könnten eine große Rolle in diesem Umbruch spielen, indem sie eine ganzheitliche Theologie artikulieren, die in ihren eigenen Leuten verwurzelt ist. Doch leider habe ich, während ich an vielen Orten saß, zuhörte und an ausgedehnten Anbetungszeiten teilnahm, das Empfinden, dass unsere Liedtexte und Lobpreisblöcke uns zu selten in neues Territorium führen. Stattdessen bringen sie uns im Endeffekt immer wieder an den gleichen alten Ort: einen guten Ort, einen Ort, den man gern besucht, aber nicht der richtige Ort, an dem Christen leben sollten.Das fängt schon hier an: Viele unsere Liedtexte sind beschämend personalistisch, alles dreht sich um Jesus und mich. Hören Sie doch einfach zu, wenn Sie das nächste Mal im Gottesdienst singen, dann erfahren Sie, wie Jesus mir vergibt, mich umarmt, mich seine Gegenwart spüren lässt, mich stärkt, mich belebt und so weiter und so fort.Nicht dass daran etwas nicht wahr wäre. Zugegeben, persönliche Intimität Gott gegenüber ist so ein wunderbarer Fortschritt gegenüber einem kalten, abstrakten, hölzernen Aufsagen des Dogmas. Aber eine innige Beziehung ist nicht die ganze Geschichte. In der entstehenden Kultur ist es nicht einmal unbedingt die Hauptsache.  Wenn uns Christen im Westen ein außerirdischer Außenstehender vom Mars beobachten würde, denke ich, er würde sagen, dass wir entweder 

• alle leicht gestört sind und jede Menge Knuddeltherapie brauchen – ironisch, weil sie zu den wohlhabendsten Menschen der Welt gehören, die in jeder Hinsicht mehr gesegnet als jede andere Gruppe in der Geschichte• uns einen Dreck um den Rest der Welt kümmern, dass unsere Religion uns geistlich selbstsüchtig macht.Wir sind nicht so, aber man könnte diesen Rückschluss ziehen, wenn man unsere Gottesdienste betrachtet. Aber ich denke, dass wir Songwriter weiter Lieder schreiben, die solche Schlüsse nahelegen, weil wir denken, dass die Leute das wollen und brauchen. 

 

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Kirche und Zukunft, Spiritualität
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« Trügerische Romantik Brian McLaren: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? Teil 2: Die Inhalte »

8 Responses to “Brian McLaren: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? Teil 1: Nicht stehen bleiben”

  1. Journeyfiles » Blog Archive » Gefunden: Anbetung am Eigentlichen vorbei sagt:
    20. Feb 2007 um 15:05

    [...] Original-Post [...]

    Antworten
  2. www.benniwolf.de » Blog Archive » Anbetung - vorbei am Eigentlichen? sagt:
    21. Feb 2007 um 12:51

    [...] Peter Aschoff hat in einer Artikel Serie die Gedaken Brian McLarens zum Thema: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? zusammengefasst. Eine sehr lohnenswerte Serie mit vielen guten Gedanken. [...]

    Antworten
  3. This-Edv.de » Anbetung - vorbei am Eigentlichen? sagt:
    22. Feb 2007 um 09:21

    [...] Da mich dieses Thema schon öfter beschäftigt hat und ich auch schon sehr interessante Gespräche mit einigen Leuten hatte, möchte ich Euch einen Artikel empfehlen den ich bei Benni W. entdeckt habe. [...]

    Antworten
  4. Jürgen sagt:
    22. Feb 2007 um 23:26

    Was?
    “Aber eine innige Beziehung ist nicht die ganze Geschichte. In der entstehenden Kultur ist es nicht einmal unbedingt die Hauptsache.”
    So?
    Da empfehle ich dringend, sich mal mit den gängigen Kultur- und Staatstheorien auseinander zu setzen vor dem Hintergrund der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen.
    Wir leben eben nicht in einer Geschichte, die sich durch Kontinuität seit der Schöpfung auszeichnet, wo die Leute nun einfach zeitgemäß wieder mit Gott bekannt werden müssen und dann paßts wieder (heutzutage halt “ganzheitlich” …). Ohne eine intime Beziehung zu Gott ist es meiner Meinung nach gar nicht möglich, den Menschen das Reich Gottes nahezubringen. Insofern erscheint mir so manche Spiritualität, Liturgie und Theologie verdächtig ein Ersatz für eine Liebesbeziehung (sic!) mit Gott zu sein, v.a. wenn dann noch der Satz kommt: “Das hilft mir zur Ruhe zu kommen und Gott zu begegnen.” Aha, und was ist dann mit dem ganz normalen Alltagsleben?

    Antworten
  5. Peter Aschoff sagt:
    22. Feb 2007 um 23:32

    Ich glaube, das ist in wesentlichen Punkten doch ganz anders gemeint, als Du es jetzt verstehst, Jürgen. Warte mal den letzten Teil ab, dann wird es klarer. Und ganz abgesehen davon sind Liturgien für viele Leute auch ein inniges Erlebnis…

    Echte Liebe, auch zwischen Menschen, hat immer intime Seiten und dann auch wieder die Erfahrung von Distanz, Anderssein und Fremdheit. Wenn die Distanz nicht auch ihren Platz hat, stirbt die Liebe bzw. sie wird zur Symbiose.

    Antworten
  6. Jürgen sagt:
    23. Feb 2007 um 10:51

    Wirklich?
    “Echte Liebe, auch zwischen Menschen…”, also auch woanders: herrscht dann echte Liebe zwischen den Personen der trinitarischen Gottheit? Wo ist da dann die Distanz? Ist es nicht das Ziel, durch Christus wieder in die dynamische Gemeinschaft der Gottheit mithinein genommen zu werden? Ist die Erfahrung von Distanz, Anderssein, Fremdheit nicht eher Ausdruck davon, daß der durch Sünde von Gott getrennte und auf sich selbst zurückgeworfene Mensch sorgsam sein Seelchen behüten muß, sich um Identität und Ich-Stabilisierung müht, was dann natürlich nur auf Kosten von Abgrenzung geht?
    Vor diesem Hintergrund stimme ich dem in Teil 4 gesagten auch voll zu, es kann nicht um die Suche nach dem Gefühl gehen, das nur benützt wird, sich zumindest eine gewisse Zeit mit Gutem zu füllen und dann zu meinen, es wäre die “Salbung”, die man da spürt.

    Antworten
  7. Suche: Links zum Thema “worship” « Read.Think.Pray.Live. sagt:
    15. Okt 2007 um 06:18

    [...] unbedingt lesenswert: Brian McLaren bei Peter Aschoff: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? (Teil I, II, III, [...]

    Antworten
  8. tobi sagt:
    14. Dez 2011 um 11:25

    danke für die übersetzung! habe das englische original vor einigen tagen zum ersten mal gelesen, und fand vieles sehr hilfreich.

    kleine anmerkung: maclaren vergleicht das ‘high’ in einer anbetungszeit mit dem verliebt-sein, dass zwar am anfang einer beziehung schön und nützlich ist, aber von dem man auf keinen fall abhängig sein darf. ich finde den vergleich gut und die kritik berechtigt, finde aber, dass man (in der beziehung mit dem ehepartner und mit gott) sogar darauf achten sollte, dass dieser teil nicht ausstirbt, GERADE weil der rest so alltäglich ist.

    habe vor ein paar wochen ebenfalls was zum thema geschrieben:
    http://soulfirecologne.wordpress.com/2011/11/03/eine-vision-fur-anbetung/

    Antworten

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