Archive für den Monat: Mai 2007

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Der Spiegel hat kürzlich berichtet, dass Physiker sich daran machen, die String-Theorie zu beweisen, nach der das Universum nicht aus den uns bekannten vier (dreimal Raum plus Zeit), sondern wenigstens zehn Dimensionen besteht, in denen kleine, eindimensionale Fäden (Strings) unterschiedlich schwingen. Damit sind die Grenzen der Vorstellungskraft erreicht, obwohl Anschaulichkeit in der Mathematik noch nie ein hgroßes Thema war. (Vor einer Weile hat Toby auf eine Predigt und ein Skript von Jens Stangenberg zum Thema “vierte Dimension” verwiesen. Vielleicht ist es für den Anfang einfacher, sich nur eine Extra-Dimension vorzustellen).

Ich frage mich manchmal, ob dieser Gedanke zusätzlicher Dimensionen nicht auch manches erhellt, was uns an den Berichten über die Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus so wundert - und über das, was Paulus in 1. Kor 15,44 über den menschlichen Körper nach der Neuschöpfung schreibt. Wenn Jesus sich in vier Dimensionen frei bewegen kann, etwa auch in der Zeit, dann kann er sich nach Belieben ein- und ausblenden in unseren drei Dimensionen; er kann zugleich unsichtbar und ganz nah sein. So wie ich, wenn ich einen zweidimensionalen Menschen auf einem Foto ansehe oder das Bild in die Hand nehme, ohne dabei zwingend in seinen zwei Dimensionen erkennbar zu erscheinen.

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Tony Campolos homiletische Visitenkarte als mp3: It's Friday, but Sunday's coming. Muss man sich geben...

Ok, ich mag ja auch ab und zu Sonnenuntergänge und Leuchttürme. Wer aber mal ein paar andere Motive mit einer denk-würdigen Botschaft sucht, wird bei Godcards fündig - als e-card wie auch gedruckt.

Dan Kimball - Fan von Pompadour-Frisuren wie Götz Alsmann - gibt ein gutes Interview auf Out of Ur zum Thema Glaube und Konsumkultur. Hier ein kleiner Auszug:

So what are you guys doing at Vintage Faith to question those underlying assumptions of consumer faith?
We are asking God to transform us into a worshiping community of missional theologians.
Whoa. Whoa. Whoa. Say that again.
We’re asking God to transform us (because it can’t be done through human effort); into a worshiping community (because we want to be worshipers first); of missional theologians (because if we’re on a mission in our culture we have to be thinkers).

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Ich hatte schon davon gehört, aber spät am Abend bei einem Glas Wein sind Martina und ich mit Peggy und Tony Campolo noch über dieses und jenes ins Gespräch gekommen und schließlich auch beim Thema Umgang mit Homosexualität in der Kirche gelandet. Martina hat die Geschichte aus Peggys Sicht erzählt bekommen, ich von Tonys Seite.

200705301412Tony vertritt die konservative Position, wie die meisten Evangelikalen. Er hält Homosexualität bestenfalls in Ausnahmefälllen für “therapierbar” und rät daher zur Enthaltsamkeit - wohl wissend, dass dies für die Betroffenen eine große Zumutung darstellt. Peggy dagegen vertritt die liberalere Position und wünscht sich, dass die Kirchen auch ernsthafte, monogame gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften unterstützen. Manchmal sind die beiden gemeinsam irgendwo eingeladen und diskutieren das strittige Thema vor Publikum.

Das Interessanteste an dem ganzen Gespräch war für mich, mit welchem Respekt Tony die Argumente seiner Frau dargestellt hat: völlig frei von jeglicher Polemik, die ja fast nicht totzukriegen ist, wenn es um Homosexualität geht.

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Gordon MacDonald und Tony Campolo sind sehr ungleiche Freunde. Gordon hat es so gesagt: Er ist der “Hirte” und Tony der “Prophet”. Gordon ist ein behutsamer und sorgfältiger Mensch, er gleicht Gegensätze aus und verbindet. Wenn er spricht, dann bringt er seine Lebensweisheit unaufdringlich an den Mann, und auch im Umgang von Mensch zu Mensch ist er bescheidener, stiller und leiser, zum Understatement neigend. Kritik nimmt er sich sehr zu Herzen. Gordon ist ein sehr reflektierter Mensch, der viel und kritisch über sich nachdenkt. Immer wieder bekommt man von ihm Checklisten zu den unterschiedlichsten Themen. Da kommt zum Hirten auch noch der Lehrer hinzu.

Tony dagegen, das soziale Gewissen und eine Art enfant terrible der Rechtsevangelikalen, liebt die Provokation um der Sache willen.

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Wie versprochen kommen hier aus Gordon MacDonalds Vortrag zehn Arten, wie Freunde unser Leben bereichern, positiv beeinflussen, und voranbringen. Es sind also nicht zehn verschiedene Arten von Freunden - manche Freundschaften enthalten mehrere dieser Aspekte. Der Punkt ist eher der, dass all diese Einflüsse gut für uns sind und wir nicht ohne Not auf einen oder mehrere verzichten sollten.

  1. Ein Coach (oder besser vielleicht: Mentor) - ein Freund, der mehr Erfahrung hat als ich und an mich glaubt.
  2. Ein Freund, der die guten Dinge in meinem Leben sieht und mit mir feiert
  3. Ein Freund, der mich zum Nachdenken bringt und meinen geistigen Horizont erweitert
  4. Ein Freund, der mich zum Träumen ermuntert
  5. Ein Freund, der barmherzig ist und mich schützt
  6. Ein Freund, der mir bei Entscheidungen mit seinem Urteilsvermögen zur Seite steht
  7. Ein Freund, der Seite an Seite mit mir in einem Team arbeitet und kämpft
  8. Ein Freund, der mir den Kopf wäscht und meinen Charakter schleift
  9. Ein Freund, der mit mir lacht und Spaß hat
  10. Ein Freund, der mit mir gemeinsam betet und Gott sucht

Ich muss mir die zehn Punkte mal nehmen und zu jedem Namen dazu schreiben. Und wenn irgendwo eine Lücke ist, kann ich hier ja eine Stellenausschreibung posten :-)

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Das Dünenhof-Festival war ein gutes Erlebnis. Die WegGemeinschaft hatte ihren alten Freund Gordon MacDonald eingeladen und der hatte dann auch noch seinen alten Freund Tony Campolo mitgebracht; beide kamen mit ihren Frauen, das hat es noch einmal schöner gemacht. Als Tonys Übersetzer hatte ich die Gelegenheit, sie alle wenigstens kurz aus nächster Nähe zu erleben. Sie sind wirklich liebenswerte Leute und Martina und ich fanden, wenn wir in diesem alter noch so aktiv, fröhlich und wach daherkommen, kann das nur ein Ansporn sein, ihnen nachzueifern.

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Ich habe wieder einiges über Freundschaft gelernt: Tony vertrat - nachdem wir die Diskussion hier ja eben erst hatten - auch den Standpunkt, dass Freundschaft, auch wenn es explizit keine Arbeitsbeziehung ist, ein gemeinsames Interesse bzw. die Verpflichtung gegenüber einer gemeinsamen Sache voraussetzt. Und ich würde das nach allen meinen Erfahrungen bestätigen. Leute mit einem völlig anderen Lebensinhalt finde ich oft nett oder interessant, aber wenn sie das nicht verstehen (und teilen!), was mich im Innersten antreibt, dann bleibt doch sehr vieles an der Oberfläche. Und die verschiedenen Prioritäten im Leben führen nur allzu oft dazu, dass sich die Wege wieder trennen.

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Es ist schon erstaunlich und auch bewegend, diese Welle der Selbstoffenbarungen im deutschen Radsport mit zu erleben. Ich hatte letzte Woche fast aus Versehen in das Interview von Bert Dietz bei Beckmann reingezappt und blieb erstaunt dabei. Nun ist der Dominoeffekt in vollem Gang.

Schon etwas länger purzelten die Dominosteinchen bei Siemens, und heute äußert sich der Siemens Aufsichtsrat und Deutsche Bank Chef Josef Ackermann in einem Interview gegenüber der Zeit wie folgt:

ZEITmagazin LEBEN: Ist es mit der Korruption und der Wirtschaft nicht ein bisschen wie mit der Tour de France und dem Doping: Wer in der globalisierten Welt mithalten will, muss mitmachen?

Ackermann: Lassen Sie mich das auf die Deutsche Bank beziehen. Es gibt kein Geschäft, das es wert ist, den eigenen Ruf zu ruinieren. Da gibt es überhaupt keine Grauzone, da gilt: null Toleranz. (...) Wenn wir nur ansatzweise Grauzonen zulassen, ist das nicht mehr kontrollierbar.

In den letzten Wochen war dieses Statement, man müsse mitmachen, wenn man mithalten wolle, auch hier von vielen Leuten im Siemens-Umfeld zu hören. Und je öfter man den Satz hört, desto leichter glaubt man ihn. Nur: Wer das glaubt, der hat seine Integrität wohl schon so gut wie verloren. Diese Lektion scheint nicht nur für Siemens und Team Telekom zu gelten, sondern universal übertragbar.

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Jason hat einen interessanten Post zum Buch “Utopian Dreams” von Tobias Jones geschrieben. Jones befasst sich mit dem Thema Gemeinschaft, vor dem Hintergrund verschiedener Besuche und den damit verbundenen Erfahrungen.

Jason greift acht Punkte auf, die ich hier nicht alle darstellen kann. Aber schon der erste hat es in sich, wenn er schreibt, dass Gemeinschaft ein “Abfallprodukt” davon ist, dass man gemeinsam etwas Sinnvolles unternimmt. Es gibt also keine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen. Von daher wäre bei einer Krise in den Beziehungen auch immer zu fragen, ob man den Blick über den Tellerrand hinaus denn noch konsequent pflegt. Und es wäre keine clevere Strategie, wenn es hart auf hart kommt alle Aufmerksamkeit nach innen zu richten.

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Ich ackere gerade mal wieder N.T. Wright (Jesus and the Victory of God) durch. In einer Lesepause bin ich auf diesen Satz gestoßen:

A lot of theology is seen as boring. It doesn’t seem to intersect with the way we think and talk. To do theology today you have to begin with the films people have seen, the books they have read, the songs they listen to.

Timothy Radcliffe bei der Verleihung des Michael Ramsey Prize

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Die letzten beiden Tage hatten mich gleich zwei Sachen befallen: Ich hatte mir einen Muskel unter dem Schulterblatt gezerrt, so dass ich vor allem schlecht liegen konnte bzw. mich nicht richtig umdrehen (und das tue ich ständig in der Nacht...). Dazu gesellte sich spontan eine Magen-Darm Infektion (Ob das damit zu tun hatte, dass ich letzte Woche in Fulda war?).

Das Grummeln im Bauch machte mich gestern ziemlich müde. Aber Liegen war schwierig wegen der Schmerzen im Rücken. Für sich genommen kann man das eine wie das andere ja ganz gut aushalten. So war es ein bisschen vertrackt. Aber heute geht's zum Glück schon besser :-)

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Schock beim Zeitunglesen: Oliver Pocher findet, dass sein Einstieg als Juniorpartner bei Harald Schmidt im Herbst Manuel Andrack als Sidekick überflüssig macht. Madame Natalie hat er (noch) nicht erwähnt.

Ist das der Anfang vom Ende, oder gar schon das fortgeschrittene Endstadium des TV-Klassikers? Bevor die ARD entscheidet - hier die Chance, Eure Meinung kund zu tun. Ich schicke das Resultat dann an den WDR:

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The Church needs the Poor war das verheißungsvolle Thema einer Predigt, die ich mir vor einiger Zeit in Auszügen anhörte. Ich kam allerdings nur bis zu der Aussage, dass die Armen eigentlich gar nicht Sache des Staates, sondern die Aufgabe der Kirche seien.

An dem Punkt bin ich dann irritiert ausgestiegen (die amerikanische Trennung von Staat und Religion treibt schon komische Blüten - in Europa höre ich solche Töne zum Glück selten). Denn praktisch läuft das doch darauf hinaus, dass die Kirche die Opfer der Gesellschaft aufpäppelt, aber nichts dagegen unternimmt, dass es immer weitere Opfer gibt. Im Bild gesprochen: Wir verarzten die Unfallopfer, aber wir ändern die Verkehrsregeln nicht, beziehungsweise die Straßenbeschilderung. Etwas weniger bildhaft: Wir behandeln unsere Sklaven besser, aber wir schaffen Sklaverei nicht ab. Vor lauter Barmherzigkeit bleibt so die Gerechtigkeit auf der Strecke. Und Recht ist nun mal auch und vor allem Sache des Staates, in der Demokratie heißt das also: auch unsere Aufgabe.

Da war ich dann schon froh, bei David Bosch (Transforming Missions, S. 394) zu lesen, wie Gerechtigkeit inzwischen von vielen als integraler Teil christlicher Mission verstanden wird. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber einem einseitig auf Verkündigung “ewiger Heilstatsachen” ausgerichteten Ansatz, der sich auf kirchliches Handeln in einem verengten Sinne beschränkte, den Bosch so beschreibt:

Obwohl also - durch alle Jahrhunderte christlicher Missionsgeschichte - immer ein bemerkenswerter Dienst stattfand im Hinblick auf die Fürsorge für die Kranken, die Armen, die Waisen, und andere Opfer der Gesellschaft, wie auch im Hinblick auf Bildung, landwirtschaftliche Unterweisung und dergleichen, wurden diese Dienste fast immer als “Hilfsdienste” betrachtet, nicht als missionarisch an sich. Ihr Zweck war es, Menschen dem Evangelium gewogen zu machen, sie zu “erweichen”, und damit den Weg zu ebnen für das Werk des wirklichen Missionars, dessen nämlich, der Gottes Wort über das ewige Heil verkündet. In den meisten Fällen wurde daher eine strikte Unterscheidung beibehalten zwischen “horizontalen” oder “äußeren” Schwerpunkten (Nächstenliebe, Bildung, medizinische Hilfe) auf einerseits und den “vertikalen” oder “geistlichen” Elementen auf der Tagesordnung der Mission (etwa Verkündigung, die Sakramente, Gottesdienstbesuch) andererseits. Nur die letztere wirkte sich aus auf die Vermittlung des Heils.

Es gibt also nicht erst Mission und dann Barmherzigkeit, sondern Gerechtigkeit ist ein unverzichtbares praktisches Element des Evangeliums vom kommenden Reich Gottes. Und nichts macht das Evangelium unglaubwürdiger als eine Kirche, die sich um Gerechtigkeit nicht kümmert.

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Christsein in einem zunehmend pluralistischen Umfeld stellt einzelne und Gemeinden vor die Aufgabe, sich ständig zu erklären, zu definieren und zu positionieren. Ein paar Freunde haben von Begegnungen bei Miteinander für Europa berichtet, die sie als bereichernd, aber auch als herausfordernd und (freilich eher in Kleinigkeiten) auch verunsichernd empfanden.

Man kann nun den Ansatz wählen, dass man jeden, der sich nicht ausdrücklich distanziert, als potenziellen Partner betrachtet oder aber jeden, der sich nicht ausdrücklich zum eigenen Anliegen bekennt, als Konkurrenten. Je nach Prägung und Persönlichkeitstyp fällt der eine eher auf der inklusiven und der andere eher auf der exklusiven Seite vom Pferd. Im Lukasevangelium finden wir die beiden Pole ganz nah beisammen:

Lukas 9,50: Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch
Lukas 11,23 Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich

Ich muss gestehen, im Kontext habe ich keine situative Aufschlüsselung gefunden. Wenn Lukas geahnt hätte, für welche Verwirrung das noch sorgen würde, hätte er vielleicht noch ein paar Notizen eingefügt. So müssen wir uns nun den Kopf zerbrechen:

  • Ist das also eine unauflösliche Grundspannung? Und wie werden wir dem dann praktisch gerecht?
  • Können wir zum Beispiel Bono und Grönemeyer im Kampf gegen globale Armut folgen oder brauchen wir eine eigene, “fromme” Initiative? Brauchen wir vielleicht beides und vernetzen es dann irgendwie?
  • Ist nur der Christ, der die entsprechenden rituellen Stationen absolviert hat und das “richtige” Bekenntnis aufsagt? Oder ist Glaube so eine mystische, undefinierbare und Herzenssache, dass man das nie genau wissen kann und schon gar nicht beurteilen darf?

Kleine aktuelle Fußnote: Die französischen Sozialisten fanden es gar nicht lustig, dass Präsident Sarkozy einen der ihren zum Außenminister machte und streben nun den Parteiausschluss von Bernard Kouchner an. Ein Glück, dass es solche Engstirnigkeit nur in der Politik gibt...

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