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Das machen doch alle…

Peter | 24. Mai 2007

Es ist schon erstaunlich und auch bewegend, diese Welle der Selbstoffenbarungen im deutschen Radsport mit zu erleben. Ich hatte letzte Woche fast aus Versehen in das Interview von Bert Dietz bei Beckmann reingezappt und blieb erstaunt dabei. Nun ist der Dominoeffekt in vollem Gang.

Schon etwas länger purzelten die Dominosteinchen bei Siemens, und heute äußert sich der Siemens Aufsichtsrat und Deutsche Bank Chef Josef Ackermann in einem Interview gegenüber der Zeit wie folgt:

ZEITmagazin LEBEN: Ist es mit der Korruption und der Wirtschaft nicht ein bisschen wie mit der Tour de France und dem Doping: Wer in der globalisierten Welt mithalten will, muss mitmachen?

Ackermann: Lassen Sie mich das auf die Deutsche Bank beziehen. Es gibt kein Geschäft, das es wert ist, den eigenen Ruf zu ruinieren. Da gibt es überhaupt keine Grauzone, da gilt: null Toleranz. (…) Wenn wir nur ansatzweise Grauzonen zulassen, ist das nicht mehr kontrollierbar.

In den letzten Wochen war dieses Statement, man müsse mitmachen, wenn man mithalten wolle, auch hier von vielen Leuten im Siemens-Umfeld zu hören. Und je öfter man den Satz hört, desto leichter glaubt man ihn. Nur: Wer das glaubt, der hat seine Integrität wohl schon so gut wie verloren. Diese Lektion scheint nicht nur für Siemens und Team Telekom zu gelten, sondern universal übertragbar.

Technorati Tags: Doping, Korruption, Radsport, Siemens

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3 Responses to “Das machen doch alle…”

  1. Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II | Wissenswerkstatt sagt:
    24. Mai 2007 um 15:58

    [...] aber kommt Bewegung in die Szene. Die bislang so schweigsamen Jungs werden plötzlich redselig und die Chronisten [...]

  2. Jan sagt:
    24. Mai 2007 um 16:08

    Tolles Statement von Herrn Ackermann, ehrlich. Die Frage ist nur, ob man diese Einstellung wirklich durchziehen kann, sobald die Konkurrenz anfängt zu Dopen bzw. irgendwelche Leute mit Zuwendungen zu schmieren.

    Die Sache wird in der Sekunde unkontrollierbar, sobald ein Beteiligter anfängt, mit unlauteren Mitteln zu arbeiten. Das kann auch einer der Konkurrenten sein. Dann sind Wettbewerbshüter gefragt, die besonnen, aber mit aller Härte korrigierend eingreifen.

  3. Immo sagt:
    27. Mai 2007 um 14:10

    Ich kann mich an Schulungskommentare von Führungskräften der Deutschen Bank erinnern:
    “Der Kunde muss beim Wertpapierkauf nur das wissen was er wissen will.”
    Der Reiz des Geldes ist im Bereich der Finanzdienstleistungen schon immer die Abschluss- bzw. Bestandsprovision gewesen bzw. die Gewinnmarge. Nicht jede Führungskraft weiß, ab einer bestimmten Ebene, was in seinem Betrieb passiert. Oder will die Führungskraft das nicht wissen? Die Eigenschaften der Nachhaltigkeit des Anbieters/Trainers/Sportlers sind heute noch sehr schwammig wahrzunehmen. Wir können leider nicht in die Herzen der Menschen schauen. Es zählt nicht die kontinuierliche Leistung (im Sport in der Arbeit ja sogar der Beziehung), sondern eine punktuell geforderte (Höchst)Leistung. Was nützt es einem Sportler wenn er/sie immer nur der vierte war?

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