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Glaube vs. Versicherungen (3): rückhaltlos vertrauen?

Peter | 20. Jun 2007

Gott garantiert uns kein Leben ohne Leid. Bei allem Vertrauen wäre das eine irrige Erwartung, dass Unfälle, Krankheiten oder Verbrechen immer nur die anderen treffen. Unsere Versicherungen können Leid nicht verhindern, aber die Folgen etwas lindern – so lange es um finanzielle Folgen geht. Wir brauchen sie, weil unser Beziehungsnetz im hoch individualisierten Westen das in der Regel nicht mehr leistet.

Die Suche nach einer Alternative zu kommerziellen Versicherungen (die, das hatte ich beim letzten Post vergessen, unser Geld möglichst gewinnbringend, aber eben nicht immer möglichst segensreich im Sinne von Mitmenschen und Schöpfung anlegen) stößt uns auf die Frage, wie belastbar und tragfähig Beziehungen unter Christen sind – ob sie uns menschlich wie materiell so viel Halt geben, dass wir aus anderen Versicherungen guten Gewissens aussteigen können. Aber welche Gemeinde hat einen Topf für unerwartete Nöte und Schicksalsschläge, und wo wäre Kranke, Alte und Behinderte über viele Jahre gut aufgehoben? Und schränkt die Zugehörigkeit zu einer solchen Gemeinschaft, wenn es sie denn gäbe, unsere Mobilität nicht gravierend ein, weil es uns an einen Ort dauerhaft bindet?

Gibt es Vorbilder? Shane Claiborne berichtet in Ich muss verrückt sein, so zu leben. Kompromisslose Experimente in Sachen Nächstenliebe davon, dass sie bei The Simple Way ein Art Geldpool statt der üblichen (aber in den USA nicht sebstverständlichen) Krankenversicherung eingerichtet haben. Das wäre zum Beispiel so ein Schritt. Aber wem wird eigentlich nicht mulmig dabei, sich anderen so rückhaltlos anzuvertrauen, dass man am Ende tatsächlich auf sie angewiesen wäre?

Technorati Tags: Leiden, Vertrauen, Shane Claiborne, Versicherungen

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2 Responses to “Glaube vs. Versicherungen (3): rückhaltlos vertrauen?”

  1. ebbelwain sagt:
    20. Jun 2007 um 13:38

    Zwiespältige Gefühle überfallen mich.

    Einerseits will ich mich gern auf Gott und meine Mitchristen verlassen, andererseits verfüge ich über genügend (Geld-)Mittel um ihnen nicht zur Last fallen zu wollen/müssen.

    Meine Kinder haben angeborene Krankheiten (nix schlimmes, aber es könnte schlimmer werden). Wäre, sich rückhaltslos den anderen anzuvertrauen, nicht rücksichtslos?

  2. Simple Way Brand at soomah sagt:
    21. Jun 2007 um 16:10

    [...] Peter Aschoff schrieb vor einigen Tagen über Shane usw. Gibt es Vorbilder? Shane Claiborne berichtet in Ich muss verrückt sein, so zu leben. Kompromisslose Experimente in Sachen Nächstenliebe davon, dass sie bei The Simple Way ein Art Geldpool statt der üblichen (aber in den USA nicht sebstverständlichen) Krankenversicherung eingerichtet haben. Das wäre zum Beispiel so ein Schritt. Aber wem wird eigentlich nicht mulmig dabei, sich anderen so rückhaltlos anzuvertrauen, dass man am Ende tatsächlich auf sie angewiesen wäre? [...]

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