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Angenehm überrascht

Peter | 24. Dez 2007

David Hart rehabilitiert Anselm von Canterbury gegen den notorischen Vorwurf, seinetwegen dominiere in der westlichen Theologie das Strafleiden Christi und damit verbunden ein zumindest ambivalentes, im Grunde aber gewalttätiges Gottesbild und ein juristisches Verständnis von Rechtfertigung (vgl. die verbreiteten erbaulichen Phrasen wie Blut geflossen, Preis bezahlt, Genüge getan, Zorn besänftigt, Schuld getilgt…). Für Hart stellt sich die Sache anders da:

Christus nimmt die menschliche Geschichte (“human story”) auf und erzählt sie richtig, indem er auf Gottes Aufruf die richtige Antwort gibt; in seinem Leben und Sterben erzählt er die Menschheit neu (“renarrates humanity”) nach ihrem wahren Muster von liebendem Gehorsam, Demut und Nächstenliebe, und zeigt so, dass alle menschlichen Geschichten von Gerechtigkeit, Ehre und Recht Erzählungen von Gewalt, Falschheit und Tod sind; und indem er es zulässt, dass die ganze Menschheit durch seinen Tod innerhalb dieser neu erzählten Geschichte ihren Ort findet, stellt Christus sie wieder her zur Gemeinschaft mit dem Gott unendlicher Liebe, der sie zu seinem Wohlgefallen geschaffen hatte.

The Beauty of the Infinite, S. 371

 Wikipedia Commons 5 59 Anselm Of Canterbury

Technorati Tags: Anselm v. Canterbury, Satisfaktion

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3 Responses to “Angenehm überrascht”

  1. beisasse sagt:
    24. Dez 2007 um 13:13

    schönes zitat von hart. wo ist aber der bezug zu anselm? – es ist ausserdem egal, wem wir die satisfaktionslehre verdanken. ihr deutungsmuster scheint verheerende wirkungen zu haben. jedenfalls in meinem leben.

  2. Peter sagt:
    24. Dez 2007 um 13:59

    Das ist Harts Zusammenfassung seiner ca. zehnseitigen Diskussion von Cur Deus Homo. Ist doch schön, wenn Anselm besser ist als sein Ruf. Für die Mängel sind andere verantwortlich – nur wer?

  3. beisasse sagt:
    25. Dez 2007 um 09:57

    dass ein genugtuung verlangender gott nur durch strafe befriedigt werden kann – das tradieren wir leider immer noch weiter, selbst durch so “harmlose” dinge wie weihnachtslieder. da singt man als kehrvers beim quempas: “gottes sohn ist mensch geborn, ist mensch geborn – hat versöhnt des vaters zorn, des vaters zorn.”

    vielleicht ist die satisfaktionslehre immer schnell einsichtig, weil sie eine der menschlichsten züge auf gott projiziert: rachebedürfnis.

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