peregrinatio

  • rss
  • Home

Glaubensspiralen (2): Orange

Peter | 29. Dez 2007

Sünde ist im hedonistischen orangen Mem viel schwerer zu fassen, denn es hat sich von blauer Moral weitgehend verabschiedet. Richtig ist, was mir nützt und mich voranbringt. Postmoralisch muss man hier also fragen: Wo liegt das Problem in dieser Welt? Und würde von Vertretern des orangen Mems zu hören bekommen: Wir machen zu wenig aus unseren Möglichkeiten. Wir trauen uns zu wenig zu, gehen zu wenig Risiken ein und sind zu träge darin, unser Potenzial wirklich kreativ auszureizen. Wir verstecken uns hinter Traditionen und Ordnungen, die unser Versagen kaschieren und meiden die Verantwortung für uns selbst. Wir sind unfähig, unser Glück richtig zu genießen und den psychologischen (oder auch institutionellen) Ballast abzuwerfen, der uns daran hindert, voran zu kommen. Von den sieben Todsünden bleibt hier im Grunde nur die Trägheit übrig. Spiritualität ist ein Weg, das eigene Leistungsvermögen und Wohlbefinden zu steigern. Dafür lässt man sich zumindest oberflächlich auf Religion ein, bevorzugt aber unverbindlich-individualistische Richtungen.

Orange Versionen von “Kreuzestheologie” werden folglich das “pro nobis” der Erlösungstat betonen, den Erfolg Christi gegen alle Kräfte, die Freiheit beschränken und erfülltes Leben mindern, hervorheben, seine übermenschliche Leistung hervorheben, von der wir nun profitieren – und umgekehrt das Leid wie auch den Gedanken des Scheiterns in den Augen der Welt herunterspielen. Das wird am einfachsten dadurch erreicht, dass man den unmittelbaren Nutzen des Kreuzestodes herausstellt: In Christus sind wir körperlich geheilt, der Weg zum guten Leben (Wohlstand) ist uns geebnet, als Kinder Gottes haben wir einen begründeten Anspruch (!) auf Glück, gute Energien werden freigesetzt.

Bekehrung bedeutet den Aufbruch zu neuen, größeren Abenteuern, die Verwirklichung der individuellen Berufung und geistlichen Begabung, oft auch die Gründung neuer Gemeinschaften und Projekte. Die Aufgabe des Christen ist nun, ein entsprechendes Bewusstsein zu entwickeln, das das gute Leben antizipiert (Glaube) und ihm so den Weg ebnet. Prinzipiell sind dem, der mit Gott im Bunde ist, keine Grenzen des Erfolgs gesetzt.

Stark (aber nicht immer ausschließlich) orange gefärbtes Christentum findet man im undogmatischen Individualismus der charismatischen Bewegung, bei den pragmatischen Evangelikalen wie Hybels und Warren, im evangelischen Münchenprogramm (das überholte Hierarchien verflüssigt), deutlich problematischer und unangenehmer in den verschiedenen (in ihrem Grundimpuls asozialen) Versionen des Wohlstandsevangeliums.

Technorati Tags: Bekehrung, Evangelium, Hedonismus, Individualismus, Kreuz, Sünde, Werte

Share
Kategorien
Kirche und Zukunft, Theologie
RSS Kommentare
RSS Kommentare
Trackback
Trackback

« Kurz vor Schluss Seltene Einmütigkeit »

Leave a Reply

Hier klicken, um die Antwort abzubrechen.

 

Dezember 2007
S M D M D F S
« Nov   Jan »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

vernetzt mit Emergent Deutschland

Letzte Artikel

  • Wenn Worte meine Sprache wären…
  • Neue deutsche Coolness?
  • Himmlische Alpha-Männchen?
  • Ein kostspieliges Ja
  • Altes Lied, neue Strophen

Letzte Kommentare

  • Peter bei Himmlische Alpha-Männchen?
  • Peter bei Wenn Worte meine Sprache wären…
  • Ein anderer Simon bei Wenn Worte meine Sprache wären…
  • karola bei Himmlische Alpha-Männchen?
  • Peter bei Himmlische Alpha-Männchen?

Kategorien

  • (post)moderne Zeiten
  • Artefakte
  • Auf-Gelesen
  • Aus dem Netz gefischt
  • emerging church
  • Erlebt
  • Infos zum Blog
  • keltisches Christentum
  • Kirche und Zukunft
  • Klima und Umwelt
  • Konsumgesellschaft
  • Männer, Frauen und Kinder
  • Mit Gott im Job
  • nsfj
  • Peters Gedanken
  • Philosophisches
  • Spiritualität
  • Theologie
  • Totaaal ernst gemeint…
  • Uncategorized

Dieses und jenes…

  • Bahn bittet mal wieder um Verständnis... 1 week ago
  • … Null: 126.867 Wörter, 869.914 Zeichen, 1.049 Absätze, 323 Seiten 2 weeks ago
  • Zurück von innocreek und vielen guten, wenn auch zu kurzen Begegnungen 2 weeks ago
  • More updates...

Posting tweet...

Blogroll

  • Alan Roxburgh
  • Alex Kupsch
  • Andrew Perriman
  • Ben Myers
  • BioLogos Foundation
  • Björn Wagner
  • Brian McLaren
  • Dan Kimball
  • Daniel Hufeisen
  • Daniel Renz/Schlunkfunk
  • Depone
  • Diakonisch.de
  • Dosi – Der Sämann
  • ELIA – quer gedacht
  • fxneumann
  • Generous Orthodoxy
  • Gofi Müller
  • Hasos Tafel
  • Jason Clark
  • LeRon Shults
  • Marlin Watling
  • Mike Bischoff
  • Nadja Bolz-Weber
  • Natur des Glaubens
  • Olaf Radicke
  • Pastorbuddy
  • Pete Rollins, Belfast
  • Rolf Krüger
  • Scot McKnight
  • Simon de Vries
  • Steve Taylor
  • the church and postmodern culture
  • Thomas Glörfeld
  • Tobias Künkler
  • Toby Faix
  • Wittenburg Door

emerging church

  • emergentvillage
  • Postmoderne Theologie
  • The Gospel and Our Culture Network
  • The Ooze

Ideen & Inspiration

  • Artikel von N.T. Wright
  • Coaching verleiht Flügel
  • Patrick Dixon: Global Change
  • Rich Mullins
  • Sacred Space
  • täglich Beten mit der Northumbria Community
  • Tony Campolo

was ich noch mache

  • ELIA Podcast
  • Lausanner Bewegung
  • Licht der Sonne, Glanz des Himmels
  • Mein aktuelles Buch: "Kaum zu fassen"
  • Meine Gemeinde

Archiv

StatPress

Visits today: 181

kostenloser Counter

Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 2.0 Germany License

Das “Original” für den Tag:

Meta

  • Anmelden
  • Artikel-Feed (RSS)
  • Kommentare als RSS
  • WordPress.org
rss RSS Kommentare valid xhtml 1.1 design by jide powered by Wordpress get firefox