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Kurz und knackig

Peter | 06. Sep 2008

Dieses kleine, aber sehr feine Buch hat mich wirklich begeistert. Cavanaugh, katholischer Theologe aus St. Paul, beleuchtet die innere Logik der Konsumgesellschaft in drei Schritten: Erstens stellt er dem Wirtschaftsliberalismus von Milton Friedman den christlichen Freiheitsbegriff des Augustinus entgegen und zeigt die Konsequenzen auf, wenn man wie Friedman Freiheit rein negativ als Abwesenheit äußerer Zwänge (d.h. vor allem staatlicher Intervention) definiert.

Im zweiten Teil (“Detachment and Attachment”) zeigt er, wie die Konsumgesellschaft zu einer Veroberflächlichung von Beziehungen aller Art führt, in der Menschen und Gegenstände austauschbar werden und rastlos immer das Neue ersehnt wird. In dem Moment, wo man etwas hat, ist es schon uninteressant. Das ist zwar auch eine Form von Überwindung des Materialismus, aber doch eine für den einzelnen auf Dauer unbefriedigende und für die Gesellschaft hat es fatale Folgen.

Im dritten Teil geht er der Logik der Globalisierung nach, die die Spannung zwischen dem Einzelnen und dem Universalen nur scheinbar hält. Mit Hans Urs von Balthasar stellt er dar, dass das Problem des einen und der vielen in Christus (und sinnlich erfahrbar in der Eucharistie) ganz anders gelöst ist. Hier wird der “Konsument” von seiner Speise verzehrt und aus seinem Kreisen um die eigenen Bedürfnisse befreit, hier werden Arme und Reiche nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret zu einem Leib verbunden und vor die Aufgabe gestellt, das auch in den ökonomischen Beziehungen umzusetzen.

Ein heißer Kandidat für die Edition Emergent Deutschland, finde ich.


“Being Consumed: Economics and Christian Desire” (William T. Cavanaugh)

Augustinus, Eucharistie, Freiheit, globaler Kapitalismus, Milton Friedman, William Cavanaugh
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Konsumgesellschaft, Theologie
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One Response to “Kurz und knackig”

  1. Arnachie sagt:
    08. Sep 2008 um 13:47

    Hey Peter,
    ich beschäftige mich kaum mit der Konsumkritik und kenne mich da auch kaum aus. Irgendwas an dem Thema stört mich. Vielleicht weil ich mich so wenig darin wiederfinde. Ich weiß nicht, ob man tatsächlich den Akt des Konsums kritisieren sollte. Die Alternative wäre ja das Asketentum. Ich selbst bin sicher kein neokonservativer, trendverseuchter Materialist, noch fühle ichmich in der Lage ein barfüßig durch die Straßen laufender Neuhippie zu werden. Ich fühle mich als Idealist, der das Schöne, Wahre und Gute geniessen will und in dem Sinne auch “konsumiert”; aber gleichzeitig wieder neues Schöne, Wahre und Gute hervorbringen möchte also quasi “produzieren will”. Ich finde nicht der Vorgangs des Geniessens ist verdächtig, wie es vielleicht puritanische Gemüter sehen würden, sondern eine Gesellschaft, die die Sehnsucht und den Wunsch auf Genuss möglichst groß und den Genuss und die Verbindung mit dem Schönen, Wahren und Guten möglichst gering halten möchte.

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