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Evangelisation: bitte mehr – und besser…

Peter | 10. Okt 2008

Neulich saß ich in einer Gesprächsrunde über christliches Engagement in der Gesellschaft. Mehrere Leute hatten Ideen und Wünsche, und ab und zu kam zwischen den Zeilen oder auch ganz explizit durch, dass man diese oder jene Sache nicht als “Evangelisation” (meine Worte) verstanden wissen wollte. In dem Kontext dieses Gesprächs war das auch richtig: Freundschaften sind keine Mittel zum missionarischen Zweck, sonst sind sie keine echten Freundschaften. Dasselbe gilt für praktische Nächstenliebe und Diakonie in allen ihren Formen.

Trotzdem war ich am Ende sehr nachdenklich. Hat Evangelisation allgemein (also nicht einfach die peinlichen Karikaturen, die wir auch alle kennen und gerne vermeiden) bei diesen Überlegungen auf der Strecke, weil wir es gar nicht mehr wagen, uns zu wünschen (Karl Valentin lässt grüßen), dass Menschen zum Glauben finden? Keiner aus unserer Runde hat das so verstanden. Aber es ist nötig, dass wir neu bestimmen, was genau wir meinen.

Brian McLaren nennt in Finding Our Way Again vier Ansätze, Gottes Absichten mit uns zu verstehen:

A. Gott geht es darum, die Welt zu heilen. Er sucht dafür Mitarbeiter, die gesund sind (und nicht noch mehr Krankheiten verbreiten) und Krankenpfleger, die ihre Gesundheit nicht als Selbstzweck verstehen. Leider gibt es das nicht in Reinkultur, also fängt Gott mit Kranken an, die allmählich genesen, um dann anderen (und damit der Welt) zu besserer Gesundheit zu verhelfen.

B. Gott geht es primär darum, einzelne zu heilen. Je mehr einzelne sich heilen lassen, desto heiler wird auch die Welt

C. Gott interessiert sich nur für die Welt, einzelne sind ihm egal. Mein “Privatleben” spielt keine Rolle, so lange ich mich nur für soziale Gerechtigkeit einsetze, je nach System oder Ideologie sieht das anders aus.

D. Gott geht es nur um einzelne, die Welt geht irgendwann bald zugrunde.

Die beiden letzten Standpunkte sind natürlich indiskutabel, kommen aber vor. Die Positionen A und B verbinden die Gegensätze von C und D, allerdings mit verschiedener Akzentuierung. A ist für mein Empfinden die bessere Lösung, weil es deutlich macht, dass Evangelisation und Diakonie, persönliche Transformation und Gesellschaftstransformation von Anfang an zusammen gehören.

Also brauchen wir Evangelisten, die Leute davon überzeugen, dass es auch für sie höchste Zeit ist, ein Teil der Lösung der Probleme unserer Welt zu werden, weil genesende Heiler gesucht werden und mehr als unsere eigene Kraft und unser wankelmütiger guter Wille nötig sein wird, um tatsächlich etwas zu bewegen und damit gute Nachricht zu sein. Dazu fehlt vielen die Hoffnung, dass ihr Beitrag mehr ist als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und wäre wir nur isolierte Individuen und hätten wir nicht Gott auf unserer Seite (besser noch: wir auf seiner Seite), dann wäre vielleicht wirklich der Fall. Die gute Nachricht ist also auch die: Du kannst etwas bewegen, zusammen mit Gott und vielen anderen. Lass Dir nichts anderes einreden!

Leute wie Nicky Gumbel und Bill Hybels haben diesen Ansatz längst übernommen. Nun müssen wir alle dafür sorgen, dass er sich auch überall an der Gemeindebasis und in der Verkündigung durchsetzt.

Diakonie, Evangelisation, Gesellschaftstransformation
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Peters Gedanken
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Mehr Fehler, bitte!

Peter | 10. Okt 2008

Ich hatte diese Woche ein Telefoninterview mit idea, das irgendwann demnächst im Druck erscheint. Eine Frage war, wie ich zu der Kritik an “der” emerging church (die es selbstverständlich als einheitliche Größe gar nicht gibt) stehe, man könne den herkömmlichen Formen von Kirche kein schlüssiges neues Konzept entgegensetzen und stelle viele Fragen, ohne Antworten zu wissen.

Ich halte das für einen wichtigen Punkt in der Diskussion: Fragen kommen vor Antworten, gute Antworten findet nur der, der gute Fragen stellt, und oft genug braucht man Zeit und eine ganze Reihe von Fehlversuchen, um Lösungen zu finden. Wer versucht, diesen Prozess abzukürzen und meint, er könne es sich und anderen nicht zumuten, eine Weile lang auf wichtige Fragen keine Antworten mehr zu wissen (oder nur Bruchstücke zu haben), wird sich in der gegenwärtigen Situation schwer tun.

Google spuckt ganz unterschiedliche Zahlen aus, wenn es um Edisons Fehlversuche bei der Erfindung der Glühbirne geht – zwischen 250 und 9.000 auf den ersten drei Trefferseiten. Die Legendenbildung treibt offenbar ihre Blüten, es waren eben ziemlich viele. Natürlich verkraftet keine Gemeinde so viel Scheitern, aber es wäre ja schon ein Gewinn, wenn wir die Fehlertoleranz moderat anheben könnten. Was mir an der emerging conversation gefällt, ist die Freiheit, Sachen mal ins Unreine zu sagen, unkonventionelle Dinge möglichst unvoreingenommen zu betrachten und schließlich auf die Fähigkeit zur Selbstkritik, die man in dieser Intensität nicht in vielen Bewegungen findet. In diesem Netzwerk von Entwicklern lernt also einer aus den Fehlern des anderen, und zwar doppelt: Er vermeidet ähnliche Fehler – oder er entdeckt, dass Dinge, die an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit nicht passen, in einem anderen Kontext zum Renner werden können.

Natürlich kann man auf Nummer sicher gehen und die Microsoft-Strategie fahren: Lass andere riskante Innovationen entwickeln (Apple, Netscape, Sony, Google) und warte ab, um dann den Markt mit Imitaten zu fluten. Keine Frage, das kann auch funktionieren. Vielleicht aber hat Gerhard Scheucher doch Recht, wenn er im Spiegel sagt, und wir tun nicht nur unseren Gemeinden, sondern auch den Christen allgemein einen Gefallen, wenn wir etwas riskofreudiger werden:

… es sollte viel hemmungsloser gescheitert werden! Wir müssen es immer wieder zum Thema machen, eine kleine Scheiterrevolution vom Zaun brechen! Rückschläge sind doch Teil der Erfolgsgeschichte. Es gibt nicht nur den geraden Weg. In allen Lebenssituationen ist es so, dass der Weg zum Erfolg ein mühevoller mit vielen Rückschlägen ist. Der gelassene Umgang mit Unebenheiten im beruflichen Werdegang gehört eindeutig zu den Kompetenzen, die man im 21. Jahrhundert besitzen muss.

Fehler, Scheitern
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Entschlossene Reformpolitik

Peter | 10. Okt 2008

In Zeiten allgemeiner Börsenpanik ist es tröstlich, dass sich die gebeutelte CSU so uneigennützig der Wirtschaftspolitik zuwendet. Sie lockert das Rauchverbot für Bayerns Gastronomie und setzt damit lang ersehnte Wachstumsimpulse für die heimischen Wirtschaften. Die FDP packt tatkräftig mit an. Super – darauf hat die Welt gewartet.

Bankenkrise, Rauchverbot
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Willowmergent

Peter | 10. Okt 2008

Bill Hybels erklärt im aktuellen Willow Audio-Journal “Mutig Führen”, dass er Brian McLarens Everything Must Change” (das in Kürze auf Deutsch erscheint unter dem Titel Höchste Zeit, Umzudenken!) gleich paketeweise gekauft hat und sagt:

Dieses Buch hat mich begeistert. Ich habe 50 oder 60 Exemplare gekauft und es als Pflichtlektüre eingeführt für leitende haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, Vorstandsmitglieder und Älteste. Außerdem habe ich es überall empfohlen. Ich sehe es als wichtigen Beitrag für den Denkprozess von Christen und christlichen Leitern, die die Sache wirklich ernst nehmen.

Natürlich kommt der übliche McLaren Disclaimer – “ich glaube nicht alles, was er schreibt” – aber dann entwickelt sich ein gutes Gespräch zwischen Hybels, Beach und McLaren, das zeigt, wie breit die Front des Umdenkens inzwischen geworden ist und dass Emerging Church keine Spielwiese für Exoten mehr ist, sondern tatsächlich den evangelikalen Mainstream erreicht und durchdringt. Wie das mit Bewegungen eben so ist.

Wenn jetzt alle möglichen Leute das emergent/emerging Label in dieser oder jeder Schattierung für entbehrlich halten, dann doch auch deshalb, weil man inzwischen außerhalb dieser kleinen Brutkästen für Querdenker über die Themen reden kann, vor die uns der gesellschaftlichen Wandel stellt. Und darüber kann man sich eigentlich nur freuen!

Kleiner Nachtrag: Ich finde, es ist auch ein Kompliment, wenn man es als Autor schafft, mehr zu sagen, als viele andere auf Anhieb glauben können. Das bedeutet doch auch, dass wir noch ein paar Jahre mit – im guten Sinne – provozierenden Gedanken versorgt werden.

Brian McLaren, Gerechtigkeit, globale Krisen
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emerging church, Kirche und Zukunft
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