Paulus und die Philosophen
Peter | 21. Dez 2008Rolf Spinnler geht in der Zeit der Frage nach, was führende Philosophen Europas an Paulus fasziniert. Sie finden bei ihm Lösungsansätze für die Aporien des Relativismus, Skeptizismus und Pragmatismus der Postmoderne. Spannende Lektüre für alle, die Paulus auch mal unter ganz anderen Gesichtspunkten lesen wollen:
Alain Badiou entdeckt in Paulus den Repräsentanten einer “Politik der Wahrheit”. Er lässt sich vom Ereignis der Todes und der Auferstehung, das die symbolische Ordnung der Welt sprengt, so radikal bestimmen, dass er darin die Grundlage einer neuen Gemeinschaft findet, die nicht mehr durch Voraussetzungen wie gemeinsame Abstammung oder kulturelle Wurzeln definiert wird, sondern durch das Bekenntnis des einzelnen zu Christus und damit wahrhaft universal ist.
Giorgio Agamben betrachtet die Überwindung des Rechts durch die Liebe und sieht eine Antwort auf die Frage nach Konsum und Eigentum im Rat des Apostels, Dinge zu nutzen, ohne sie besitzen zu müssen. Das Instrument der Rettung der Welt ist der messianische Rest der Ausgeschlossenen – ein jüdischer Gedanke, den Paulus radikalisiert – die wahre Allgemeinheit jenseits partikularer kultureller Identität verkörpern.
Slavoj Žižek schließlich sieht in der kenotischen Christologie des Paulus die Lösung eines Problems, das den jüdischen und islamischen Monotheismus plagt, nämlich der absoluten Vollkommenheit Gottes, dem ohne die Erfahrung des Todes möglicherweise auch die Erfahrung echter Liebe fehlt. Im Unterschied zu Plato, bei dem Liebe sich weg vom Konkreten hin zum Allgemeinen vervollkommnet, ist im Christentum des Paulus diese Richtung umgekehrt. Liebe stellt nicht das Ewige und Erhabene, sondern das Niedrige und Endliche in den Mittelpunkt. In seinem Scheitern erringt Christus zudem den Sieg über das Gesetz dieser Welt, über das Siegen selbst.











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