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Der Irrtum mit der Irrtumslosigkeit

Peter | 05. Feb 2009

Ich bin kürzlich auf einen älteren Post angesprochen worden, der das Postulat der Irrtumslosigkeit bzw. Unfehlbarkeit der Bibel kritisch beleuchtete. Das war wohlgemerkt keine Kritik an, sondern ein Plädoyer für die Glaubwürdigkeit der Schrift. Aus folgenden Gründen:

Erstens ist es immer eine Behauptung, und zwar eine, die nicht positiv beweisbar ist. Denn nur jemand, der selbst unfehlbar und irrtumslos ist, könnte die Irrtumslosigkeit irgendeiner Instanz bestätigen. Da wir Menschen das aber in der Regel nicht sind (und Grund zu der Annahme besteht, dass sich gerade jene, die sich für fehlerlos halten, am heftigsten irren), kann der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung gar nicht bestimmt werden, sie ist logisch und praktisch sinnlos.

Zusätzlich ad absurdum geführt wird sie durch die Streitereien und Spaltungen derer, die die Schrift für irrtumslos halten und dann in ihrer jeweiligen Interpretation zu derart verschiedenen Ergebnissen kommen, dass die Gräben unüberwindlich sind – was wiederum den Eindruck bestätigt, dass nicht einfach nur die Bibel, sondern das jeweilige Subjekt der Aussage (sie sei unfehlbar) sich nolens volens für unfehlbar halten muss.

Die darin enthaltene Anmaßung (also Unfehlbarkeit bzw. jede Art von Irrtum erkennen und beurteilen zu können) fordert auch noch derart zum Widerspruch heraus, dass man sich in der Suche nach (beziehungsweise der Abwehr von) echten und vermeintlichen Widersprüchen und Fehlern verzettelt und vergisst, schlicht einmal das ernst zu nehmen und umzusetzen, was man verstanden hat.

Und schließlich führt die damit verbundene Alles-oder-Nichts-Mentalität dazu, dass das Boot des Glaubens mit nur einem Leck schon sinkt. Man mag diese Überzeugungen verbissen verteidigen, aber wenn nur an einer Stelle der Damm bricht, dann ist auch unwiderruflich alles verloren, wie in diesem Fall, der exemplarisch für viele steht.

Ich beschränke mich lieber darauf zu sagen, dass ich die Bibel in dem, was sie über Gott und sein Verhältnis zu uns Menschen erzählt, für glaubwürdig halte. Das ist ein positives Attribut – unfehlbar bzw. irrtumslos sind ja doppelt negative Formulierungen. Positiv beschrieben habe ich das in aller Ausführlichkeit hier.

Wer gern Englisch liest: Eine gelungene theologische Auseinandersetzung bietet Chris Tilling, für den es auch ein intensives persönliches Ringen war, sich von allzu starren Bibeldogmen zu befreien: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Kleiner Nachtrag: Es tut sich was in der Evangelikalen Szene. Christoph Morgner vom Gnadauer Verband hat sich jüngst sehr deutlich gegen ein derart enges Bibelverständnis ausgesprochen. Und laut Wissenschaftsrat hat selbst die FTA in Gießen die Irrtumslosigkeit aus dem Bekenntnis gestrichen.

Biblizismus, Irrtumslosigkeit
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5 Responses to “Der Irrtum mit der Irrtumslosigkeit”

  1. Hartmut Geuder sagt:
    05. Feb 2009 um 23:44

    Ich halte die Bibel für unfehlbar. In naturwissenschaftlichen Aussagen und in sittlichen Aussagen sowie natürlich wie Peters Art. es ausdrückt in dem, was sie über das Verhältnis Gott – Mensch aussagt. Positiv ausgedrückt: auf die Bibel ist absoluter Verlass – ohne jede Abstriche.

  2. Hans-Adam Tiefensteiner sagt:
    03. Apr 2009 um 11:36

    Lieber Hartmut,

    du irrst, wenn du glaubst, die Wahrheit der Bibel beschränke sich auf die von dir genannten, nicht im Ansatz umfassenden Bereiche menschlicher Existenz. Wie allgemein bekannt ist, hat schon der frühe Bebastonic auf die teleologischen Wurzeln der hermeutischen Fundamentalontologie als Analytik der Existenzialität des Denkens, des Wesens vom Sein, in all seinen Facetten hingewiesen.
    Dies nur zum Geleit.

    Dies festos bene agatis et prosit vobis!!

  3. Peter sagt:
    03. Apr 2009 um 11:39

    :-)

  4. Hartmut sagt:
    05. Apr 2009 um 19:45

    Das Verhältnis Gott-Mensch umfasst alle Bereiche menschlichen Existierens. die Irrtumslosigkeit aus einem theologischen Bekenntnis zu entfernen halte ich für ein Mitlaufen mit dem Zeitgeist. Schade, dass Präses Morgner dies nicht erkennt! Stellt Euch nicht dieser Welt gleich. So der Apostel. Da gibt es nichts zu deuteln. Wer der frühe Bebastonic war, entzieht sich meiner Kenntnis. Könntest Du ihn in diesem Zusammenhang wörtlich zitieren oder zumindest paraphrasieren? Wäre ja super. Das Wort ist doch keine Instanz, sondern Gott hat hierin seinen Willen bekundet für alle Menschen, Generationen und Zeiten.
    Apropos: Es muss heißen prosint vobis, da dies festos glasklar Plural ist. Ich erwidere mit “Der Herr ist wahrhaftig auferstanden”, mein lieber Hans-Adam und mein lieber Peter.

  5. Peter sagt:
    05. Apr 2009 um 21:36

    Lieber Hartmut, ich fürchte, Hans-Adams Kommentar war nicht ernst gemeint. Daher auch meine Reaktion oben. Im Verhältnis Gott-Mensch mag es Irrtumslosigkeit geben, im Verhältnis Mensch-Gott halte ich sie für eine Fiktion. Und in Römer 12 bezog sich Paulus wohl kaum auf das fundamentalistische Bibelverständnis im o.g. Sinne

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