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Es lebe der Konflikt…

Peter | 01. Mrz 2009

Beim Nachdenken über Daniels inspirierende Predigt heute zu Matthäus 18,15-17 fiel ein, dass ich neulich irgendwo gelesen hatte, es sei ein Papyrusschnipsel mit einer textkritischen Variante aufgetaucht. Meiner Erinnerung nach lautete das im Urtext dann so (oder so ähnlich?):

Wenn dein Bruder sich einer Verfehlung schuldig macht, dann lass dir auf keinen Fall etwas anmerken und sprich es nicht an. Nicht direkt jedenfalls, denn er könnte sich ja entschuldigen oder das Missverständnis zwischen euch beiden aufklären. Am Ende hat er sich sogar richtig verhalten, aber du hast es nicht kapiert. Du könntest erstens nicht mehr sauer sein und zweitens müsstest du dir selbst auch noch unangenehme Fragen stellen.

Wenn er jegliches prophetisches Gespür vermissen lässt und nicht von selbst und zerknirscht auf dich zugekommen ist, dann zieh andere zu Rate. Aber bitte nicht irgendwen! Achte darauf, dass die Person dich versteht. Das wird erstens dann der Fall sein, wenn sie – egal warum! – auch noch ein Hühnchen zu rupfen hat mit deinem Konfliktpartner oder ihn noch nie leiden konnte, zweitens hilft es, wenn sie den Anlass des Streites nicht mitbekommen hat und ihn daher ausschließlich aus deiner Warte sieht. Beschreibe das beanstandete Verhalten möglichst so, dass deutlich wird: Er war schon immer so und wird auch so bleiben. Entdeckt ähnliche Verhaltensmuster dieser Person in möglichst vielen anderen Zusammenhängen. Auch das Unscheinbare zählt! Nehmt euch ausreichend Zeit um Euch auszumalen, wohin das noch alles führt.

Wenn er trotz deines eifrigen Getuschels immer noch nicht ahnt, dass er der Grund für deine ständige Leidensmiene ist, und in Sack und Asche vor dir auftaucht, finde einen guten Anlass, den Konflikt öffentlich zu machen. Am besten sollte einer deiner verständnisvollen Freunde dein Leid schildern, und weil das ein selbstloser Akt ist, darf man beim Anprangern untragbaren, gemeinschaftsschädigenden Verhaltens auch keinesfalls etwas beschönigen. Vergesst nicht, diskret (also ohne Nennung von Namen und konkreten Details) darauf hinzuweisen, dass auch viele (Definition: n>1) andere Leute ein Problem haben mit diesem Menschen. Wenn dein Gegner von den Vorwürfen total überrascht ist, werte das als Bestätigung dafür, dass er herzlos und unsensibel ist. Wenn es ihn verletzt, sieh es als Beweis dafür an, dass er nur seinen eigenen Schmerz sieht, aber nicht deinen. Wenn er scheinbar fassungslos schweigt, geh zur Sicherheit mal davon aus, dass er schon die nächste Untat plant.

Mach dir bei allem bewusst, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder hast du in allem Recht, oder dein Gegner. Dann suche so lange, bis du irgendeinen Aspekt eures Streites findest, den du ganz sicher richtig einschätzt (oder, alternativ, irgendein Missverständnis des Gegners). Nun hast du den Beweis, dass du hundertprozentig richtig liegst. Bedenke, welch hohes Gut die Wahrheit ist. Du darfst keinen Millimeter von deiner Position abrücken, wenn du dich nicht schuldig machen willst vor Gott – und du tust dem anderen einen wirklichen Dienst, wenn du ihn mit seinen Lügen und Verdrehungen konfrontierst.

Wenn du diesen Rat beherzigst, wird die Gemeinde immer genug Anlass haben, sich mit sich selbst zu befassen. Eine blühende Landschaft von aktiven Freundeskreisen und Parteien wird entstehen und niemand käme vor lauter Langeweile auf die Idee, sich um fremde Menschen zu kümmern. Und hier liegt das eigentliche Ziel: Nur wenn kein Fremder in die Gemeinde kommt, können wir ganz sicher sein, dass sie moralisch und geistlich rein bleibt. Und darauf kommt es Gott schließlich an. Oder?

Achtung: Ironie!, Gemeinde, Konflikt, Wahrheit
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Peter | 01. Mrz 2009

Die angekündigte Frühlingssonne bohrt sich noch immer nicht ganz durch den Nebel. Zeit, ein paar interessante Links zum Besten zu geben:

Die SZ über Wirtschafts- und Sinnkrisen: Wie schlecht geht’s Dir?

Ein interessantes Portrait von Erzbischof Rowan Williams: The Velvet Reformation

Die Zeit spöttelt über das kultige Markenimage von Saab: Das Querdenker-Auto

Die Welt über die ganz konkrete CO2-Bilanz eines ganz normalen Tages: Und zum Frühstück ein paar Klimakiller

Was kein Regierungspolitiker sich im Wahljahr unumwunden zu sagen traut, sagt Michael Kuntz: Für Opel gibt es keine Chance

Die Oskar-Verleihung war letzte Woche, hier kommt der WebFish Award 2009 und Simon de Vries ist mit PastorBuddy in der Endauswahl gelandet!

PS: Beim Klima-Artikel bitte nicht in die Kommentare gucken. Habe ich mich je über das Niveau von idea-Leserbriefen beklagt? Das wird hier spielend unterboten…

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