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Taufe missional gedacht

Peter | 06. Jun 2009

Ich sitze über einer Taufpredigt und habe mich eben wieder daran erinnert, dass man immer wieder einmal zu hören bekommt, die Säuglingstaufe sei die im Grunde reinste Form der Taufe, weil sie alle Werkgerechtigkeit ausschließe und die zuvorkommende Gnade Gottes in ihrer vollen Größe zur Geltung kommen lasse. Das ist typisch für ein bestimmtes Verständnis des Evangeliums und es ist zugleich ein Reflex auf eine Tauftheologie, die Taufe als eine bewusste Entscheidung des mündigen Subjekts begreift und die Säuglingstaufe ablehnt.

Der antipelagianische Impetus der ersten Position ist heute überflüssig – als wäre die eigentliche Ursünde des Menschen der Versuch, sich das verlorene Heil zu verdienen. Mag sein, dass im Spätmittelalter noch jemand daran gedacht hat, heute spielt das keine Rolle mehr. Zugleich ist es aber schon ein starkes Stück gegenüber den Menschen, die nicht auf Wunsch der Eltern getauft wurden, wenn man deren Entschluss zur Taufe (indirekt natürlich nur) unter den Verdacht stellt, hier mit Gott ein Geschäft abschließen zu wollen. Als ob die Logik mancher Eltern (wenn man denn mal fragen würde…) nicht auf denselben Nenner hinausliefe, nämlich auf eine Art himmlische Staatsbürgerschaft mit entsprechenden Privilegien.

In der Taufe geht es darum, dass wir uns von Gott mit hineingenommen (das ist die zuvorkommende Gnade!) werden in seine Bewegung zur Rettung und Neuschöpfung der Welt. Wir werden zugleich beschenkt und berufen. Das ist ja gerade der Sinn der Aussage, dass in der Taufe nicht etwa nur etwas “abgewaschen” wird, sondern wir Anteil am Geist Gottes bekommen. Damit werden wir direkt in die Spannung gestellt zwischen der alten und der neuen Weltzeit – die eine vergeht und die andere bricht herein – überraschend, unplanbar, auf unterschiedlichste Weise. Als Geistträger leiden wir und sind doch getröstet. Oder weil heute D-Day ist: Wir kämpfen mit destruktiven Kräften in uns und um uns her, und feiern doch schon fröhlich den entscheidenden Durchbruch. Der Gegensatz von aktiv und passiv löst sich hier völlig auf.

Sich zur Taufe bewusst zu entscheiden, ändert also nichts daran, dass wir beschenkt werden. Aber es nimmt dem Geschenk auch nichts weg, wenn wir es mit aller Entschlossenheit ergreifen. Ob Kind oder Erwachsener: Was zählt, ist Teil dieser Bewegung Gottes zu sein. Und Heilsgewissheit nicht mit Selbstzufriedenheit zu verwechseln.

Taufe
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