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Leitung einer missionalen Gemeinde (5): Das “Missional Change Model”

Peter | 08. Aug 2009

Für alle, die erst hier einsteigen, der Link zu den Kapiteln 1, 2, 3 und 4 aus The Missional Leader: Equipping Your Church to Reach a Changing World

Missionale Veränderungsprozesse in Situationen abrupten, nichtlinearen Wandels haben drei Schwierigkeiten: Wir wissen erstens noch nicht genau, wo das angestrebte Ziel liegt, zweitens werden wir auf dem Weg dahin Fehler machen, drittens bewegt sich das Ziel auch noch. Das “Missional Change Model” soll dem gerecht werden und besteht aus fünf Schritten/Stufen/Phasen:

  1. Bewusstes Wahrnehmen: Oft ahnt eine Gemeinde schon längst, dass etwas nicht mehr stimmt. Dennoch fällt es den meisten schwer, was hinter den Gefühlen von Verwirrung und Beunruhigung steckt. Anstatt nun neue, allgemein verbindliche Ziele auszurufen und so “Klarheit” zu schaffen, muss ein Raum geschaffen und müssen Begriffe gefunden werden, die das zur Sprache bringen.
  2. Verstehen: Denken und Fühlen muss zusammenfinden. In der Regel setzt das voraus, dass man beginnt, andere Fragen zu stellen. Woraus bestehen die Veränderungen, die wir erleben? Was hat sich in unserem Umfeld verändert? Welche gewohnten Denkmuster helfen nicht mehr weiter?
  3. Bewerten: Jetzt erst (nach 6-12 Monaten) kommt die Zeit, die Haltungen, Werte und Aktivitäten daraufhin zu überprüfen, ob sie den Veränderungen der Gemeinde und ihres Kontextes gerecht werden, warum manche Veränderungen so schwer fallen, wo man von anderen lernen und mit ihnen zusammenarbeiten könnte, und wo Strukturen und Prozesse überarbeitet werden müssen und vieles mehr. Das Gemeindeleben geht vorläufig ohne dramatische Veränderungen weiter, aber es werden sehr bewusst
  4. Experimente unternommen: Eine Gemeinde, die lange in der Performativen Zone war, wird sich vielen groß angelegten Veränderungen widersetzen, weil man sich das Neue so schlecht vorstellen kann. In den Köpfen dominiert immer noch das Bild dessen, was früher war und ja auch bis eben noch (scheinbar) gut funktionierte. Wenn an einem Auto immer wieder derselbe Defekt auftritt, kann es nötig sein, die Gewohnheiten der verschiedenen Autofahrer in der Familie zu untersuchen, statt immer wieder in die Werkstatt zu fahren. Kleine Experimente verhindern, dass Neues pauschal abgelehnt wird und schaffen Raum für Neues Denken und Verhalten. Dem scheinbar so bedrohlichen Chaos des Experimentierens wird begrenzt Raum gegeben.
  5. Sich Festlegen: Je länge die Experimente andauern und je besser sie verlaufen, desto mehr wird es tatsächlich vorstellbar, dass die Gemeinde anders leben könnte.

Die Offenheit für Neues ist unterschiedlich groß: Wenn man den Veränderungsprozess in Phase 1 mit 50% der Gemeindeglieder beginnt, werden nach rund 18 Monaten etwa 10% an diesen Punkt gelangt sein. Wenn die ersten 10% (“innovators”) dann die nächsten 15% (“responders”) mit auf die Reise nehmen, sind es nach 3 Jahren etwa 25%. Dann setzt allmählich eine Eigendynamik ein und in den nächsten 18 Monaten wird sich gut die Hälfte auf den neuen Kurs einlassen. Am Ende (und damit muss man auch rechnen) werden noch 10-25% übrig bleiben (oder eben nicht bleiben…), die das Neue nach wie vor ablehnen.

Für Leiter ist dieser Prozess ungemein anstrengend. Das regelmäßige Gebet und das offene Gespräch müssen tiefsitzende Gewohnheiten sein, wenn man nicht den Boden unter den Füßen verlieren will. Zudem geben Roxburgh und Romanuk noch diese Ratschläge:

  1. Eine Bestandsaufnahme des eigenen Wissens
  2. Ein 360 Grad Feedback zu Stärken und Schwächen als Leiter
  3. Zuhören
  4. Neue Schlüsselthemen und -gebiete erschließen
  5. Einen persönlichen Aktionsplan zur Weiterentwicklung
  6. Sich Einlassen

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Alan Roxburgh, Führung, Gemeinde, missional, Veränderung
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One Response to “Leitung einer missionalen Gemeinde (5): Das “Missional Change Model””

  1. lady m sagt:
    31. Aug 2009 um 12:04

    Gerade der Punkt, den Sie als letzten unter den Leiter”bedingungen” benannt haben ist in meinen Augen der allerwichtigste!

    Besonders in Landeskirchen habe ich es wieder und wieder erlebt, dass dort konzeptionelle Änderungen (z.B. um jüngere Christen zu gewinnen) einfach nicht anerkannt werden. ” Wieso auch etwas ändern? Ist doch so wunderbar- und die jungen stören hier doch eh…”- das waren Aussagen, die ich als Ende 20jährige oft zu hören bekommen habe.
    Manchmal wünschte ich mir, manch eine Gemeinde würde einfach…mutiger sein. Sie kann doch nur gewinnen- selbst wenn es “nur” Erfahrung ist.

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