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Kontrastlektüre

Peter | 30. Aug 2009

Ich habe im Urlaub endlich The Shack (dt.: Die Hütte) zuende gelesen und war underwhelmed, wie es eine Freundin in England ausdrückte, als ich davon sprach. Nun weiß ich auch, dass das Buch viele tief berührt und begeistert hat. Nur wirklich nachempfinden kann ich es nicht.

Richtig begriffen, was mich an der Hütte denn immer so genervt hat, habe ich allerdings, als ich gleich danach von Franz Jalicz Miteinander im Glauben wachsen zur Hand nahm und gar nicht mehr aufhören konnte. Natürlich vergleiche ich hier nun Äpfel mit Birnen, das Genre ist gänzlich verschieden. Das Thema der geistlichen Begleitung dagegen ist es nicht, selbst wenn im einen Fall ein realer Mensch und im anderen Fall drei imaginäre – und hier fehlt mir schon das passende Wort – Gestalten auftreten.

Jaliczs erläutert die Grundzüge geistlicher Begleitung, einfach praktisch und motivierend. Er schreibt hundert Seiten über das Interesse am Gegenüber und das konzentrierte Zuhören. Der arme Mack von William P. Young dagegen dient für mein Empfinden eher als Stichwortgeber für einen weiteren mehr oder weniger spannenden Monolog “Gottes”, manchmal reagieren die allwissenden drei – die mit (sorry…) kitschigen innertrinitarischen Liebesbezeugungen ständig um sich werfen – sogar ausgesprochen amüsiert auf seine Fragen und kurzen Einwürfe (obwohl das Buch sonst komplett frei von Humor in jeder Form ist).

Während sich Youngs “Gott” seinem “Bodenpersonal” und jeglicher Form von kirchlicher Institution gegenüber seltsam distanziert zeigt, arbeitet Jaliczs daran, einen Raum zu schaffen, in dem Kritik und Verletzungen ausgesprochen werden können, ohne seine Zugehörigkeit zur Kirche damit in Frage zu stellen oder Missstände dabei zu rechtfertigen. Dem Leidenden lässt er vor allem Zeit – auch das habe ich bei Macks Turbo-Therapie vermisst. Freilich kann Gottes Geist seelische Prozesse auch beschleunigen, im Alltag ist das aber meiner Erfahrung nach eher die Ausnahme. Da werde ich eher nervös, wenn jemand allzu schnell über etwas hinweg zu sein glaubt.

Natürlich ist das weder ein fairer Vergleich noch eine umfassende Rezension der beiden Bücher. Mein total subjektives Fazit der Urlaubslektüre ist daher eher dieses: Über meine Probleme würde ich doch lieber mit Pater Jalics reden. Und ich denke (nur dass kein falscher Gegensatz entsteht): selbst wenn jemand The Shack richtig gut fand, wird er von Jalics’ Weisheit noch profitieren.

Franz Jalics, Die Hütte, geistliche Begleitung
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7 Responses to “Kontrastlektüre”

  1. Ruth Gatz sagt:
    30. Aug 2009 um 06:20

    “The Shack” – ich habe den Eindruck, Christen steigen bei der Beurteilung gleich sehr tief ein. Mich zwingt die Diskussion darüber oft spontan zur Verteidigung. Es ist ein amerikanisches Buch und bedient als solches vorzugsweise die Emotionen (die bei uns deutschen Christen tiefer liegen bezw. eher unterentwickelt sind).
    Nach der Lektüre dieses und eines ähnlichen Buches werde ich mich nun Franz Jalics widmen. Danke,Peter, für diesen Tipp.

  2. Alex sagt:
    30. Aug 2009 um 14:44

    Mir ging’s bei “The Shack” ja ganz ähnlich. Freue mich trotzdem (und bin ehrlich erstaunt), dass sich das Teil auch in D so gut verkauft. Bis eben auf die platte Bestätigung aller anti-institutionalistischen Reflexe, das bräuchte man wirklich nicht noch mal…
    Danke auch für den Tipp, der Jalics wird bestellt.

  3. Susi sagt:
    30. Aug 2009 um 16:24

    Ich habe auch keinen rechten Zugang zu dem Buch gefunden. Literarisch ist es (bis auf wenige einzelne Sätze und Worte) kein Highlight. Doch um fair zu bleiben: Es war ja zunächst gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern die persönliche reale Geschichte des Autors, verpackt in einen fiktiven Roman, bestimmt für seine erwachsen werdenden Kinder. Was er da ausdrückt (“kitschige innertrinitarische Liebesbezeugungen”), ist wohl in der Hauptsache die Liebessprache des Autors selber, die ihn berührt und die er in seiner Jugend so schmerzlich vermisst hat.
    Und wenn Gott eine solche Geschichte nutzt, um viele Menschen zu berühren und verquere Gottesbilder zu vertreiben, kann ich mich nur darüber freuen!

  4. Kerstin sagt:
    31. Aug 2009 um 08:38

    Da äußer ich mich doch nochmal mit einer anderen Erfahrung.. meinem Herz hat das Buch sehr gut getan – und da rede ich nicht von “Theologie” (über die man in dem Buch durchaus diskutieren kann..), sondern von “Begegung” mit Gott. Am spannendsten war dabei eigentlich, was mir Gott durch das Buch in meinem Leben gezeigt hat bzw. wie meine Hütte/ Garten/.. aussieht und was sich in den Woche, wo ich das Buch Stück für Stück gelesen hab, verändert hat.
    Ich wünsche mir, dass sich viele von den gegeisterten Menschen auf die Suche machen, wer und was und wie Gott noch ist.. und nicht bei dem Roman stehen bleiben…
    Danke für den Jalics-Tip. Kommt auf die Buchliste.. :-)

  5. Peter sagt:
    31. Aug 2009 um 14:48

    Die Erfahrungen mit der Hütte sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie lesen, und es ist offenkundig, dass viele gute Erfahrungen darunter sind. Aber vielleicht ist das auch eher eine Aussage über die Güte Gottes als über die Inhalte in einzelnen…?

  6. Second Attempt sagt:
    31. Aug 2009 um 15:00

    Ich habe dies Buch gelesen und es hat mich sehr bewegt. Ich habe allerdings dabei nicht aus den Augen verloren, dass es sich um einen Roman handelt, nicht um eine theologische Abhandlung, eine Glaubensanleitung oder gar ein Lehrbuch.

  7. Michael sagt:
    15. Sep 2009 um 09:45

    Mich hat dieses Buch aufgewühlt und herumgetrieben wie schon lange keines mehr. Als du, Peter, davon erzählt hast, wie mühsam du das Lesen findest, war das für mich ein “Aha-Erlebnis”, denn bis zu dem Zeitpunkt war ich stillschweigend davon ausgegangen, dass es jedem so gehen müsste wie mir ;-) . Im Nachdenken darüber, warum es mich in ungeahnten Tiefen angesprochen hat (-und das meine ich jetzt ganz ernst-) ist mir bewusst geworden, dass eben meine Lebensgeschichte und -wunden sich ganz stark mit den Erfahrungen und Dialogen decken. Die Erzählung hat mich so heftig “erwischt”, weil ich selbst zu stark darin vorkomme. Erklärt auch, warum Viele so überhaupt keinen Zugang dazu finden können.

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