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Weisheit der Woche: Eine Maus bringt die Erleuchtung

Peter | 10. Dez 2009

Einer der Reichen, die ich interviewt habe, hatte eine Maus in seinem Haus. Früher hätte er einen Eimer genommen, sie gefangen und in den Garten gebracht. Jetzt arbeitete viel Personal für ihn. Also schrieb er seinem Hausmanager eine E-Mail vom Blackberry, der rief einen Kammerjäger an, der mit einem Kollegen die Maus fing. Der Butler rief dann die beiden Gärtner an, damit sie die Maus aussetzen konnten, und informierte den Hausherrn. Es brauchte zwei E-Mails, drei Telefonate und sechs Leute, um das Tier aus dem Haus zu bekommen. Der Mann sagte: Eine Maus hat mir gezeigt, wie absurd mein Leben geworden war.

Robert Frank, Autor von Richistan in einem sehr lesenswerten Interview mit der FTD

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Postilberale Theologie (3): Glauben lernen

Peter | 10. Dez 2009

Religiöswerden bedeutet, so verstanden, sich eine bestimmte „Sprache“ anzueignen und die Welt in ihrer Begrifflichkeit und ihren Kategorien zu interpretieren. Eine Religion ist damit ein „verbum externum“ und nicht der Ausdruck eines vorgängigen „verbum internum“, das eher dem geistlichen Vermögen zum Hören entspricht, aber eben die “Grammatik” schon als gegeben voraussetzt. Oder noch anders gesagt: Man lernt das Evangelium nicht im eigenen Seelengrund kennen, man kann es sich nicht selber sagen, es kommt immer von außen, vermittelt, durch andere, in Gemeinschaft.

Wir haben es hier mit einem hylomorphen Modell zu tun, das heißt, die Form hat Vorrang vor der Substanz, die es nicht ungeformt gibt – das ist eher aristotelisch gedacht, aber auch hebräisch-konkret. Der Gegensatz dazu ist das idealistische Modell: die Erfahrung, der immaterielle Geist ist vor aller sichtbaren Gestalt da, das Allgemeine vor dem Besonderen.

In der Betonung der externen Dimension (Code/Syntax) ist das sprachlich-kulturelle Verstehen dem Propositionalismus nahe, ohne dessen intellektualistische Tendenz (Betonung des Inhalts des Gesagten) zu übernehmen.

Religion kann nicht auf kognitivistische (oder voluntaristische) Weise vorrangig als Angelegenheit der bewusst freien Wahl und Befolgung explizit gewusster Sachverhalte oder Direktiven betrachtet werden. Religiöswerden heißt vielmehr – nicht weniger als sprachlich oder kulturell kompetent zu werden – die Internalisierung eines Bestandes an Fertigkeiten durch Übung und Ausbildung. (S. 60)

Lernen ist komplexer und unaufdringlicher, als man erklären kann. Nicht das Wissen über Religion oder Kenntnis der Inhalte, sondern wie man auf eine bestimmte Art religiös ist, ist das Entscheidende. Lehraussagen und Verhaltensnormen können (!) auf diesem Weg hilfreich sein, aber Gebet, Ritus und Vorbild sind in der Regel wichtiger: es geht um das “gewusst wie”.

Zugleich bleibt Raum für die expressiven Aspekte. Symbole sind aber nicht äußerliche “Dekoration” des harten Kerns der Glaubenssätze (das argwöhnt der propositionale Kognitivismus), sondern sie vermitteln das Grundmuster der Religion, also das Eigentliche effektiv. Die Richtung – und hier trifft sich Lindbeck mit vielen emergenten Denkern – geht von außen nach innen: Von einer neuen Praxis zu einem neuen Empfinden und Verstehen.

Etwa so: Man lernt zu beten, indem man Gebete nach- und mitspricht, und egal wie unbeholfen das geschieht und wie beschränkt man den Inhalt versteht, es ist echtes Beten von Anfang an. Von daher gewinnen aktuelle Begrifflichkeiten wie belonging before believing eine ganz neue Plausibilität.

George Lindbeck, Glaube, postliberal, unbekannt, Lernen
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