peregrinatio

  • rss
  • Home

Deutsch zum Abgewöhnen: “Lohnenswert”

Peter | 12. Dez 2009

Vor allem im noch jungen Genre der (vorweihnachtlich häufig konsultierten) Amateur-Testberichte in Online-Foren taucht immer häufiger der absurde Begriff “lohnenswert” auf. Google hat dazu 301.000 Treffer angezeigt, damit ist das unsinnige Attribut dudenfähig, denn wenn die Mehrheit Quatsch redet, wird Quatsch “richtig” – jedenfalls so lange man meint, Durchschnitt und normal sei dasselbe.

Aber entweder ist etwas lohnend, oder es hat einen Wert. Der Einwand, das Wort würde nur falsch gebraucht (da hat jemand zur Rechtfertigung sogar einen Wikipedia-Eintrag produziert!), geht ins Leere. Es wird praktisch immer irreführend und gedankenlos gebraucht: als Doppelmoppelei und umständliches Synonym von lohnend eben.

Schlampige Sprache finde ich ärgerlich und traurig. Wir haben nur die eine, und die sollten wir gut behandeln. Lohnenswert im – theoretisch gesprochen – “korrekten” Sinn des Wortes, also verdienstvoll (ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gäbe) wäre es, den kruden Ausdruck aus dem aktiven Vokabular zu streichen. Und wenn andere ihn verwenden, kann man sich ja dumm stellen und nachfragen, was sie damit nun sagen wollten.

Share
Kategorien
Peters Gedanken
RSS Kommentare
RSS Kommentare

« Weihnachten: Der ewige Zweite Die Mitte – wovon? »

13 Responses to “Deutsch zum Abgewöhnen: “Lohnenswert””

  1. Alexander sagt:
    12. Dez 2009 um 11:56

    Sick trifft den Nagel mal wieder auf den Punkt: “Reichlich vermurkstes Deutsch”. Mein erster Gedanke – den ich dann bei Sick wiederfand – war auch, dass es wohl parallel zu “lobenswert” entstanden ist.
    Deinen Einsatz gegen Sprachschlamperei finde ich jedenfalls sehr dankenswert. :-)

  2. JtheLo sagt:
    12. Dez 2009 um 13:28

    @Alexander
    Gar nichts gegen Dich, lieber Alexander, aber die Vorlage ist einfach zu schön: Das Idiom mit dem Nagel funktioniert nur, wenn man ihn auf den Kopf und nicht auf den Punkt trifft. :-D
    Gesegnete Adventszeit und frohe Weihnachten!

    (warum habe ich nur diesen, meinen Miniartikel zwei Mal auf Rechtschreib- und Sinnfehler durch gelesen?)

  3. Joela sagt:
    12. Dez 2009 um 13:30

    Was heisst hier Schlamperei? Die Schreiber von von unverständlichem Deutsch sehen sich als gebildet.
    Das Volk schlägt zurück, was man ihm vorgeschlagen hat.

  4. Alexander sagt:
    12. Dez 2009 um 13:41

    @JtheLo
    Das schlägt dem Fass nun wirklich die Krone ins Gesicht!
    (wird ‘durchlesen’ nicht zusammengeschrieben?)

  5. mar. sagt:
    12. Dez 2009 um 13:55

    Ich muss mich ausklinken, mein “Dechiffrierapparat” hat Rauchzeichen gegeben und wird wohl bald seinen Geist aushauchen.

    Ich schau mich mal bei “Schönheit des Simplexen” um ;-)

    Eure Sissi (dechiffriert: Simplicia Simplicissima, “die-die-Selbstironie-übt”)

    Aber: Ich komm’ wieder – keine Frage, bleibt mir bitte derweil gewogen.

  6. theolounge sagt:
    12. Dez 2009 um 16:46

    Demnach wäre das Wort abgewöhnenswert…

  7. Peter sagt:
    12. Dez 2009 um 16:51

    @Sissi: Gute Erholung für die gestressten Synapsen!

    @theolounge/Alexander: Wenn man statt lobenswert auch “löblich” sagen kann, dann wäre die Analogiebildung “löhnlich” noch denkbar. Das klingt dann auch so doof, wie es ist…

  8. Alexander sagt:
    12. Dez 2009 um 17:13

    Klingt echt abgewöhnlich.

  9. Volker sagt:
    13. Dez 2009 um 21:24

    Wenn Du keine anderen Sorgen hast, gratuliere ich Dir. Sprache verändert sich nun einmal, ob Dir und mir das gefällt oder nicht. So wie der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, so ist auch wenig lohnenswert, sich darüber zu erregen. Da kannst Du auch mit don Quichotte gegen Windmühlenflügel kämpfen.
    Andernsfalls würden wir heute noch ein sauberes althochdeutsch zelebrieren mit hochwohledlen Sprachverrenkungen – wäre das besser?

  10. Peter sagt:
    13. Dez 2009 um 23:01

    @Volker: Immerhin erscheint es Dir auch lohnend (oder nötig) diesen Post zu kommentieren. Falsche Alternativen (entweder Althochdeutsch oder Dödel-Deutsch) helfen hier nicht weiter, fürchte ich. Wenn man seine Sprache liebt, dann ist einem die Verwahrlosung nicht egal.

  11. Ilona sagt:
    12. Jan 2010 um 12:01

    Was ich auch kolossal nervig finde: “Ich erinnere das…” ARGH!

  12. Peter sagt:
    12. Jan 2010 um 12:56

    @Ilona: Ja, schrecklich. Und das krass inflationäre “lecker”, am besten ohne passende Endung: “lecker Schokolade”…

  13. Peter sagt:
    18. Jan 2010 um 16:44

    muss noch eins draufsetzen: “in 2010″ – niemals. “In Stuttgart” vielleicht…

Leave a Reply

Hier klicken, um die Antwort abzubrechen.

 

Dezember 2009
S M D M D F S
« Nov   Jan »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

vernetzt mit Emergent Deutschland

Letzte Artikel

  • Wenn Worte meine Sprache wären…
  • Neue deutsche Coolness?
  • Himmlische Alpha-Männchen?
  • Ein kostspieliges Ja
  • Altes Lied, neue Strophen

Letzte Kommentare

  • Peter bei Himmlische Alpha-Männchen?
  • Peter bei Wenn Worte meine Sprache wären…
  • Ein anderer Simon bei Wenn Worte meine Sprache wären…
  • karola bei Himmlische Alpha-Männchen?
  • Peter bei Himmlische Alpha-Männchen?

Kategorien

  • (post)moderne Zeiten
  • Artefakte
  • Auf-Gelesen
  • Aus dem Netz gefischt
  • emerging church
  • Erlebt
  • Infos zum Blog
  • keltisches Christentum
  • Kirche und Zukunft
  • Klima und Umwelt
  • Konsumgesellschaft
  • Männer, Frauen und Kinder
  • Mit Gott im Job
  • nsfj
  • Peters Gedanken
  • Philosophisches
  • Spiritualität
  • Theologie
  • Totaaal ernst gemeint…
  • Uncategorized

Dieses und jenes…

  • Bahn bittet mal wieder um Verständnis... 1 week ago
  • … Null: 126.867 Wörter, 869.914 Zeichen, 1.049 Absätze, 323 Seiten 2 weeks ago
  • Zurück von innocreek und vielen guten, wenn auch zu kurzen Begegnungen 2 weeks ago
  • More updates...

Posting tweet...

Blogroll

  • Alan Roxburgh
  • Alex Kupsch
  • Andrew Perriman
  • Ben Myers
  • BioLogos Foundation
  • Björn Wagner
  • Brian McLaren
  • Dan Kimball
  • Daniel Hufeisen
  • Daniel Renz/Schlunkfunk
  • Depone
  • Diakonisch.de
  • Dosi – Der Sämann
  • ELIA – quer gedacht
  • fxneumann
  • Generous Orthodoxy
  • Gofi Müller
  • Hasos Tafel
  • Jason Clark
  • LeRon Shults
  • Marlin Watling
  • Mike Bischoff
  • Nadja Bolz-Weber
  • Natur des Glaubens
  • Olaf Radicke
  • Pastorbuddy
  • Pete Rollins, Belfast
  • Rolf Krüger
  • Scot McKnight
  • Simon de Vries
  • Steve Taylor
  • the church and postmodern culture
  • Thomas Glörfeld
  • Tobias Künkler
  • Toby Faix
  • Wittenburg Door

emerging church

  • emergentvillage
  • Postmoderne Theologie
  • The Gospel and Our Culture Network
  • The Ooze

Ideen & Inspiration

  • Artikel von N.T. Wright
  • Coaching verleiht Flügel
  • Patrick Dixon: Global Change
  • Rich Mullins
  • Sacred Space
  • täglich Beten mit der Northumbria Community
  • Tony Campolo

was ich noch mache

  • ELIA Podcast
  • Lausanner Bewegung
  • Licht der Sonne, Glanz des Himmels
  • Mein aktuelles Buch: "Kaum zu fassen"
  • Meine Gemeinde

Archiv

StatPress

Visits today: 172

kostenloser Counter

Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 2.0 Germany License

Das “Original” für den Tag:

Meta

  • Anmelden
  • Artikel-Feed (RSS)
  • Kommentare als RSS
  • WordPress.org
rss RSS Kommentare valid xhtml 1.1 design by jide powered by Wordpress get firefox