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Ehe ohne Trauschein?

Peter | 31. Jul 2010

Ich schreibe gerade an einem Artikel über das Abendmahl und habe dabei neben der Frage der Symbole unter anderem auch die Position der Heilsarmee studiert. Wegen der konfessionellen Grabenkriege verzichtet die Heilsarmee ganz auf Sakramente. Auf der Website heißt es dazu:

Nach Auffassung der Heilsarmee haben rituelle Handlungen nur dann einen Sinn, wenn auch ihr geistlicher Sinn erfasst und verwirklicht wird. Daher verzichtet sie auf die Sakramente als symbolische und äußerliche Handlung. Die geistliche Bedeutung jedoch, die hinter dem symbolischen Akt (Wassertaufe und Abendmahl) steht, wird von der Heilsarmee ausdrücklich vertreten.

Die Argumentation – wir wollen den Inhalt, aber verzichten auf die Form – hat mich an die Debatte um die Ehe erinnert. Da wird völlig analog beklagt, dass in der Ehe und um die Ehe gestritten wird, dass es Pro-Forma-Ehen gibt, die den Namen nicht verdienen, und dass ein Trauschein keine Liebe erzwingt. Folglich lässt sich die “geistliche” (oder eigentliche) Sache vielleicht ohne solche Äußerlichkeiten besser und einfacher haben. Sie liegt ja sowieso “hinter dem symbolischen Akt” – auf einer ganz anderen Ebene.

Damit bürdet man natürlich dem einzelnen noch viel größere Lasten auf, weil man die Erwartung an Authentizität erhöht. Nun muss man sich zumindest theoretisch in jedem Augenblick neu entscheiden und ständig kritisch beäugen. Ein Tief oder eine Durststrecke werden schnell zum existenziellen Fragezeichen, wenn jede äußere Klammer fehlt.

Man kann diese Logik pflegen und diese Position vertreten. Wenn man das aber beim Abendmahl tut, müsste man das bei der Ehe dann nicht auch machen? Oder es umgekehrt bleiben lassen? Dass diese Symbolkritik von der einzigen protestantischen Kirche stammt, die Uniform trägt und “Blut und Feuer” im Wappen führt, entbehrt jedenfalls nicht einer gewissen Ironie…

Abendmahl, Ehe, Symbole, Form, Heilsarmee, Sakramente
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Theologie
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5 Responses to “Ehe ohne Trauschein?”

  1. Olaf Radicke sagt:
    31. Jul 2010 um 15:00

    Die Quaker sehen es auch so wie die HA. Und ja, es braucht auch keine Rituale oder Liturgie bei der Heirat. Und ich glaube nicht das seid 350 Jahren die Quaker-Ehen unglüglicher sind, als die anderer Christen oder Nichtchristen. (Zum Thema “Quaker und Ehe” siehe auch “Ohne Kreuz keine Krone”, Seite 139, Kp. 9, Abs. 17. und Kp. 11 Abs. 9. S.181)

    Es gibt auch nichts in der Bibel, woraus man eine Liturgie für eine Eheschließung ableiten könnte. Im Gegenteil. Es finden sich Stellen die die Bedeutung der selben relativieren, als allein auf das Diesseits beschränkt. Was sich aber nicht auf das Himmelreich erstreckt, wie kann es dann Heilig sein? Heiliger als andere Verpflichtungen die man eingeht? (Vg. Lukas 20,34)

    Was die Uniform angeht, sind Quaker fast 200 Jahre in grauen Quasi-Uniform herumgelaufen. Möglicherweise gerade in Ermangelung an identitätsstiftenden Ritualen. Aber dies graue Quasi-Uniform war von Anfang an sehr umstritten unter Quakern.

    Gruß

    Olaf

  2. Peter sagt:
    31. Jul 2010 um 16:50

    Das war anders gemeint, Olaf. Christentum ohne Sakramente ist wie Liebe ohne Ehe. Ehe hat immer den formalen und rechtlichen Aspekt, die Eheschließung ist immer ein Ritus.

  3. Olaf Radicke sagt:
    31. Jul 2010 um 17:12

    @Peter 31. Jul 2010 um 16:50

    …Äh? Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Ich fürchte jetzt müssen wir bei “Adam und Eva, und der Schöpfungsgeschichte” noch mal anfangen. Und Da zu “Ehe”, “Ritus”, “Form/Formale”, “Symbol/Symbolik”, “Sakrament” und “Liturgie” aus definieren, um sicher zu stellen das wir nicht an einander vorbeireden.

    Hier wird übrigens erklärt, was “Blut und Feuer” im Wappen zu bedeuten hat:
    Wappen-Erklärung

    …Das Kreuz und die Krone ist interessanter weise auch im Wappen zu finden.

    Grüße

    Olaf

  4. Peter sagt:
    31. Jul 2010 um 19:52

    na, ich hatte mich doch eben klar ausgedrückt: es ist halt der im Grunde gnostische Dualismus geistlich/symbolisch bzw. innerlich/äußerlich und entsprechend eigentlich/uneigentlich – offenbar bei Heilsarmee wie Quäkern, der aus der Sicht der anderen Konfessionen falscher Gegensatz und eine unnötige Polarisierung ist. Mit Liturgie hat das an dieser Stelle erst einmal gar nichts zu tun.

  5. Olaf Radicke sagt:
    01. Aug 2010 um 16:43

    Das Wort “gnostische” taucht jetzt zum ersten mal auf. “Dualistisch” auf das (konservative) Quakertum bezogen: ja. “Gnostisch” definitiv: nein. Wenn das licht Christi in jedem Menschen scheint gibt es nichts verborgenes. Wenn ein Mensch (aus quakerischer Sicht) verblendet ist und in Finsternis lebt, dann nicht, weil das Licht Christi für ihn vergoren ist, sondern weil er sich entschlossen hat sein Kopf in die Güllegrube (Sünde) zu stecken.

    Ich vermute mal das die HA sich selbst überhaupt nicht gnostische versteht. Wie könnte sie auch! Die HA will ja das Reich Gottes und damit das Evangelium durch tätige Nächstenliebe für alle Welt sichtbar machen. Also das genaue Gegenteil von geheimer Heilslehre.

    Oder habe ich dich jetzt wieder falsch verstanden, und du meinst das das Abendmal als Ritual/Liturgie ein gnostische Verständnis beinhaltet, weil ihm eine verborgene Macht zugeschrieben wird, die es nicht hat? Mit der Position machst du die schlag artig bei 99,9% der Christen ungemein unbeliebt, weil natürlich keiner gnostisch sein oder genannt werden will, dafür das sie das Abendmal feiern.

    Gruß

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