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Peter | 26. Feb 2011

Was haben Christen im Laufe der Jahrhunderte nicht alles zusammenphantasiert, wenn es um den Antichristen und falsche Messiasse geht. Der rechte Rand der Republikaner in den USA versucht mit Verdächtigungen und Verleumdungen immer noch, Barack Obama dieses Stigma zu verpassen und sieht den Weltuntergang nahe. Nebenbei hatte man dort noch nie Probleme damit, die Welt noch näher an den Rand des erwarteten Untergangs zu bringen durch lockere Waffengesetze, globales Säbelgerassel und achselzuckendes Hinnehmen ökologischer Apokalypsen, um den “American Way of Life” zu retten.

Sollte man das Thema aus dem kirchlichen Diskurs also besser ganz streichen? Ich glaube nicht. Alles läuft nämlich viel normaler, viel unapokalyptischer, als es oft dargestellt wurde. Falsche Messiasse kommen und gehen, hier und anderswo. Wir sehen den Unterschied zwischen Original und Plagiat, wenn wir Matthäus 16 lesen. Dort antwortet Jesus auf das Bekenntnis des Petrus (16,16) mit einem Lob, das zugleich zur (echten…) Demut mahnt, weil es auf Gottes Konto geht, dass Petrus etwas richtig erkannt hat.

Zweitens verbietet Jesus den Anwesenden, diese Einsicht an die große Glocke zu hängen. Jürgen Moltmann kommentierte einmal, dass Jesus das Bekenntnis des Petrus suspendiert hat. Der Grund ist, dass Jesus sich schon zu Beginn seines öffentlichen Wirkens entschieden hatte, die damit verbundenen Erwartungen zu enttäuschen (vgl. 4,1ff). Er kannte das öffentliche StimmungsBILD gut genug, um die Gefahr des Jubels und Beifalls aus zweifelhaften Motiven zu unterschätzen. Das letzte, was er brauchen konnte, waren grelle, polarisierende Schlagzeilen und Anhänger, denen es nur darum ging, ihre Auflage zu steigern und die eigene Macht über andere zu sichern (vgl. 20,28).

Drittens nämlich kündigt Jesus seine Hinrichtung und seinen Tod an. Die Wende im Geschick Israels und der Welt wird nicht durch einen vordergründigen Erweis seiner Überlegenheit und Dominanz, nicht durch eine Reform “von oben” erreicht, sondern darin, dass er der Gewalt, dem Hass und dem Wunsch der Masse nach einem Sündenbock unterliegt – und sich Gott dann trotzdem, nein: genau deswegen, zu ihm stellt.

Petrus hat den letzten Gedanken wohl schon gar nicht mehr richtig gehört, als er ansetzt, Jesus zu erklären, dass der als Hoffnungsträger und Lichtgestalt sich alles, nur keine Kapitulation leisten darf. Mit dem Tipp ist er bei Jesus jedoch an der falschen Adresse. Er fängt sich den schärfsten Tadel ein, den wir in den Evangelien überhaupt finden: “Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen” (16,23). So schnell kann man also zum “Antichristen” mutieren…

Die Passionszeit ist nicht mehr weit entfernt. Vielleicht eine gute Gelegenheit, sich zu fragen, zur Entourage welches Messias’ wir eigentlich gehören wollen. Petrus hat die Kurve in der Messiasfrage noch rechtzeitig gekriegt, und wieder war das nicht sein Verdienst. DIe BILD-Umfrage zu dem Thema aber hätte vermutlich Barabbas mit 75% gewonnen.

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