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Auf den “Bauch” gehört

Peter | 28. Nov 2011

Neulich las ich einen Artikel, der die Rolle des Bauchgefühls oder der Intuition bei Entscheidungen beschrieb. Manchmal, hieß es dort, weiß unser Unterbewusstsein mehr als unser Verstand. Und wir tun dann auch gut daran, das zu beachten.

Vor längerer Zeit traf ich eine Person, die (und das passiert mir nicht so oft) unwillkürlich einen inneren Alarmzustand bei mir auslöste, ohne dass es irgendeinen äußeren Anlass dafür gegeben hätte. Es waren nur punktuelle Begegnungen in einer größeren Gruppe, aber ich war trotzdem ganz froh, dass wir keinen näheren Kontakt hatten. Ich hätte nicht sagen können, was genau das Gefühl auslöste, aber es war ziemlich ausgeprägt: Vorsicht, Machtmensch!

Inzwischen sind mir mehrere Leute begegnet, die von unschönen Auseinandersetzungen mit der/dem Betreffenden berichtet haben (NB: Ich bin sehr sicher, dass er/sie nicht zu den Lesern dieses Blogs gehört, also muss sich bitte, bitte auch niemand, der das liest, fragen, ob er selbst gemeint ist!!). Nun verstehe ich besser, was ich da empfunden hatte. Irgendeine Antenne hatte kleine, unterschwellige Signale aufgefangen – vielleicht Mimik, Ton oder Körpersprache – und mein Gefühl hatte darauf reagiert.

Freilich kann Intuition auch unscharf sein und ein emotionales Unwohlsein mehr über meine eigenen Ängste und Vorurteile aussagen als über den anderen. So oder so: Das mulmige Gefühl im Bauch lohnt einen zweiten, aufmerksamen Blick.

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Tag 3: Der “ewige Reis”

Peter | 12. Okt 2011


Zwei Tage mit je einer Schale Reis liegen hinter mir. Körperlich geht es mir gut, ich schlafe weniger mit dem relativ leeren Magen, aber gestern habe ich mich 15 km aufs Rad gesetzt und das ging ohne Probleme. Manchmal meine ich zu merken, dass ein Pölsterchen hier und da schwindet, was für mich erst mal nett wäre, weil ich ja nicht wie über 2 Milliarden andere Menschen damit rechnen muss, dass dieses Essen nun mein täglich Brot auf Jahre hinaus sein wird. Dann wäre nämlich jeder Substanzverlust beunruhigend.


Der andere Faktor ist die Monotonie. Unglaublich, wie viele verschiedene Sachen meine Familie in diesen beiden Tagen schon gefuttert hat! Wenn hier auch nur drei Tage dasselbe Essen auf den Tisch käme, gäbe es sehr lange Gesichter. Ich habe zur Abwechslung gegenüber dem Vortag ein paar Spritzer Sojasauce verwendet und mich bei dem Gedanken ertappt, ob nicht Jamie Oliver nicht mal ein peppiges Kochbuch mit tollen Ideen zu kleinen, einfachen Reisgerichten schreiben könnte. Aber im Ernst: Viele würden vielleicht sagen “ich kann den ewigen Reis nicht mehr sehen”, aber es gibt schlicht keine Alternative…


Die Beiträge auf der Website zu “Eine Schale Reis” fielen anders aus, als ich das erwartet hatte. Ich hätte mir ein paar eher meditative Impulse gewünscht, die mein Erleben vertiefen und erschließen helfen. Stattdessen stehen da längere Aufsätze, die sicher ganz gut sind, aber meinem Hirn fehlt derzeit vielleicht doch auch der nötige Zucker, um die textlastigen Erläuterungen zu “verdauen”.



Spannend fand ich dagegen, dass gerade der Welthungerindex 2011 erschienen ist. Vor allem die Weltkarte, auf der man verfolgen kann, wo die Lage prekär ist, wo schlecht, und wo sie akzeptabel bis gut ist wie bei uns. Wer will, kann einfach mal reinklicken:





Open publication – Free publishing – More hunger
PS: Heute Abend muss ich für Gäste kochen, das gemeinsame Essen unterbricht dann das Experiment für einen Moment.
Konsumgesellschaft
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Die Legende vom iGod

Peter | 07. Okt 2011

Meinen ersten Mac kaufte ich 1990, als Steve Jobs bei Apple längst rausgeflogen war und sich um Pixar und Next kümmerte. Es war ein Macintosh LC, auf dem meine Dissertation dann Schritt für Schritt entstand – das legendäre Pizzaschachtel-Design. Der Bildschirm war noch farblos, aber scharf und man konnte Texte schon im echten WYSIWYG erstellen – das Kürzel kennen meine Kinder gar nicht mehr. Steve Jobs hat einen Kurs in Kalligrafie am Reed College als einen wesentlichen Anstoß bezeichnet, der bei der Entwicklung des ersten Macintosh 1984 zehn Jahre später stilbildend wurde. Und genau das war es, was mich für Apple einnahm. Jemand hatte mich verstanden und mein Bedürfnis nach schlichter, menschenfreundlicher und funktionaler Ästhetik begriffen.

Die Schachtel mit 40 MB Festplatte wurde dann ein paar Jahre später erst mit einem Farbmonitor versehen und dann von einem Performa 630 und später 6400 verdrängt, der inzwischen CDs lesen konnte und viel zu groß war für den Schreibtisch. Statt einem 68020-Chip rechnete eine PowerPC 603e CPU. Apple wurde in dieser Zeit in dem Medien ständig mit dem Attribut “angeschlagen” versehen. Erinnert sich noch jemand an Gil Amelio? Niemand wusste, wie lange die Firma noch durchhält. Man wurde von den Windows-Benutzern mal bemitleidet, mal verspottet. Die pragmatische Navy schien die sentimentalen Piraten mit ihrem ästhetischen Spleen bald erledigt zu haben.

Ich hatte sogar einen Newton für eine Weile, der aber umständlich, schwer und damit unbrauchbar war – kein Vergleich zum iPad. Dann kam Steve Jobs zurück. Ich war mir erst gar nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Doch innerhalb kurzer Zeit kamen iMacs (Schock: ohne Diskette!) und iBooks aus buntem Plastik heraus (hatte ich nie), dann der Schwenk ins Weiß zum Schreibtischlampen-iMac (hatte ich, steht heute noch im Haus) und den weißen Notebooks.

Wie die Produktgeschichte weiter lief, kann man überall nachlesen in diesen Tagen. Apple verdiente plötzlich Geld, es wurde immer mehr und seit 2004 wurde die Marke so hip, dass sie ernsthafte Marktanteile im Mainstream ergatterte. Meine Söhne brachten ihre Freunde mit und mit einem Mal entschuldigten sie sich nicht mehr dafür, dass bei uns ein Mac herumstand, es brachte ihnen Bewunderung und Respekt ein – und ich musste mir keine Klagen mehr anhören, wann wir endlich Windows kriegen.

Seither gibt es überall begeisterte Neu-Macianer oder iPodPhonePad-Nutzer. Für mich war Apple nie ein Hype. Freilich hat mich gefreut, dass sich der ästhetische und kreative Ansatz durchgesetzt hat gegen die übermächtige Mentalität der Schrauber und Zahlenkolonnen. Ich glaube, dass das mit dem Kult ein Missverständnis ist. Unsere Mediengesellschaft veranstaltet um alles Mögliche einen Kult, Elvis und Michael Jackson waren Kultfiguren, in Italien sogar zeitweise Diego Maradona. Steve Jobs nicht – der hat das Echo der Medien sicher auch genutzt, im Letzten denke ich aber, dass er “seine” Produkte nicht primär als Waren, sondern als Kunstwerke und irgendwie auch Geschöpfe verstanden hat, so wie ein Regisseur oder Autor das mit den Protagonisten seiner Geschichten vielleicht auch tut. Er hat seine eigene Begeisterung für sie so unwiderstehlich versprüht, wie es selbst der cleverste Verkäufer nie könnte, der darin eben nicht einen Teil von sich selbst erkennt.

Wenn es eine wirklich legitime Rede vom quasi-mythischen, süffisant so genannten “iGod” gibt, dann ist das vielleicht die Geschichte eines begeisterten, leidenschaftlich kreativen und kompromisslos auf Vollkommenheit zielenden Schöpfers, der sich an seinem Universum kindlich freuen kann – und nicht die des jähzornigen Autokraten, selbst wenn es solche Momente sicher auch gab. In diesem ersten Sinne zeichnen auch Walter Isaacson und Walt Mossberg den Menschen Steve Jobs. Ihre Berichte heben sich wohltuend ab vom Mainstream, der über grobe Klischees nicht hinauskommt. In diesem Sinne spiegelt er den wahren Schöpfer von unser aller Welt wider.

Steve Jobs war kein Messias. Gerettet hat er nur Apple, aber er hat vielleicht doch auch geahnt, dass “Schönheit die Welt retten wird”, wie Dostijewski sagte. Die Welt ist ein bisschen ärmer geworden ohne ihn. Aber wenn viele sein Vermächtnis nicht nur in Form von Geräten kaufen, sondern die Philosophie verstehen und die Haltung verinnerlichen, die Jobs an den Tag gelegt hat, und dabei ihrem Herzen folgen, dann könnte daraus auch weiter Gutes entstehen.

Apple, Steve Jobs, Ästhetik
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Gefahr am rechten Rand

Peter | 01. Okt 2011

Gestern bin ich im schönsten Sonnenschein ein Stück Landstraße geradelt und habe dabei eine interessante Beobachtung gemacht. Es gibt eine unmittelbare Korrelation zwischen dem Abstand eines Radfahrers zu rechten Fahrbahnrand und dem Abstand, mit dem er von Autofahrern passiert wird:

Fahre ich nag am Fahrbahnrand, sagen wir 30 cm neben der Linie, rasen die PKWs mit 30 cm Abstand an mir vorbei. Ich werde auch bei Gegenverkehr überholt, weil man ja die Mittellinie gar nicht überschreiten muss, um an mir vorbeizukommen. Bei solchen Manövern genügt ein kleiner Wackler mit dem Lenker, und ich bin Matsch.

Fahre ich dagegen einen guten Meter links von der Linie, dann werde ich mit einem Abstand von mindestens einem Meter überholt. Nun ist dem Autofahrer bewusst, dass er die Gegenfahrbahn nutzen und mich als vollwertigen Verkehrsteilnehmer behandeln muss, nicht etwa als Randerscheinung.

Wer also meint, er tue Autofahrern einen Gefallen, wenn er sich möglichst eng an den rechten Rand schmiegt, der irrt. Er verleitet sie vielmehr zu einem Verhalten, mit dem sie sich und andere gefährden (hier ließen sich nun nette politische Analogien ziehen…!) und vor allem gefährdet er sich selbst, weil er durch seine Ausnutzung des Raumes die Botschaft vermittelt, dass er sich selbst nicht ganz “für voll nimmt”.

Also, liebe Pedalritter: Nehmt Euch ernst, gönnt Euch den Raum, und seid Euch bewusst, dass es sogar denen dient, die Euretwegen (leise fluchend, aber das hört Ihr ja nicht) auf die Bremse treten müssen.

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Unüberwindlich

Peter | 23. Aug 2011

Reinhard Mey hat in einem seiner legendären Songs einmal drüber philosophiert, dass sein Hund in vieler Hinsicht das bessere Leben hat, nur die Kühlschranktüre kriegt er nicht auf…

Man sagt ja, dass Hunde in etwa die Intelligenz eines Kleinkinds erreichen können. Den Kühlschrank bekommen meine Kinder in der Tat schon lange auf, aber eine andere Tür hat sich im Laufe der Jahre als unüberwindliches Hindernis herausgestellt: Die der Spülmaschine.

Benutztes Geschirr, wenn es nicht wider alle Gesetze der Physik trotz verzehrten Inhalts bleischwer auf der Tischplatte lastet, schafft es eigentlich immer nur dank elterlicher Hilfe in den Geschirrkorb. Und gespültes Geschirr wird auch erst wieder angetastet, wenn es jemand in den Schrank geräumt hat.

Ich werde das zu nutzen wissen: Demnächst bewahren wir die Süßigkeiten in einer Box im Geschirrspüler auf. Da sind sie vor allen nichtautorisierten Zugriffen absolut sicher.

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Frietes und Fietsen

Peter | 22. Aug 2011

Ich war eine Woche in den Niederlanden. Meine Frieten-Ration für die nächsten vier Jahre habe ich in dieser Zeit verdrückt und dabei ein paar neue Worte der sympathischen Sprache gelernt: Bromfietsen etwa, die im anarchischen Straßenverkehr von Amsterdam ähnlich wie in Rom hunderte von atemberaubenden Beinahe-Unfällen produzieren – jedenfalls sieht es für den unbedarften Beobachter so aus. Inzwischen habe ich auch den Unterschied zum Snorfiets gelernt: Das eine ist ein Moped, das andere ein Mofa (bis 25 km/h).

Der Erlanger fühlt sich im Fietsengewimmel der Grachtenstadt schnell zuhause und freut sich, dass man nun jedem Nürnberger, der sich über das Fahrradaufkommen und die laxe Interpretation der StVO in der Hugenottenstadt mokiert, nun sagen kann, er solle mal ein Wochenende am Ij verbringen, dann würde ihn hier nichts mehr aufregen. Verschrottet werden Räder dort erst, wenn die Klingel kaputt ist. Die braucht man nämlich ständig.

Sehr entspannt ist dagegen der Autoverkehr in Holland. Dicke Premium-Karossen finden sich dort deutlich seltener als bei uns, was beweist, dass Audi, BMW und Mercedes allen Grund haben, sich vor einem Tempolimit auf heimischen Autobahnen zu fürchten. Gleichwohl fährt es sich so viel stressfreier und spritsparender, dass man der Regierungskoalition den Mut wünscht, sich von der Autolobby möglichst flott zu emanzipieren und etwa für Dienstwagen Steuervorteile zu streichen und scharfe Grenzwerte in Leistung und Verbrauch durchzusetzen.

Von einer Mediamarkt-Tüte habe ich gelernt, dass deren Slogan auf Niederländisch “ik ben toch niet gek” heißt. Und bin in der Folge auf Buurtal von Alexandra Kleijn gestoßen – ein Blog, der sich um die Verständigung zwischen Deutschen und Niederländern kümmert. Dabei spielt auch das Essen eine wichtige Rolle. Wer demnächst im Nordwesten Urlaub machen will, kann sich da schon mal schlau machen in Sachen Sprache, Küche und Kultur.

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“Wir können auch anders”

Peter | 27. Jul 2011

Ich kam gestern an einer Ampel zu stehen, neben der ein Plakat zur “FSK 49″ Party einlud (vielleicht fiel es mir auch deshalb auf, weil die 49 nicht mehr soo weit ist). “Die Party für Menschen im besten Alter “, stand da. Und drunter ganz keck: “Wir können auch anders!”

Mag sein, dachte ich, aber nicht mehr lange…

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Die “Kirche ohne Kopf”

Peter | 18. Jul 2011

Beim wegen herannahenden Regens dann doch indoor abgehaltenen “OpenER Gottesdienst” gestern habe ich von einem Jungen gehört, der das Gemeindehaus am Bohlenplatz sehr treffend als die “Kirche ohne Kopf” bezeichnet hat.

Bin ich froh, dass wir nur ein Nutzer unter anderen sind – weder der Eigentümer (das ist die Kirchengemeinde Erlangen-Neustadt), noch der mit dem größten Raumbedarf (das ist die Erlanger Universitätsmusik). Insofern treffen wir uns zwar in der Kirche ohne Kopf, ohne uns im “verkopften” Erlangen den Vorwurf der Kopflosigkeit einzuhandeln.

“Kopflos” ist die ehemals deutsch-reformierte Kirche immer geblieben, weil das Geld für einen Weiterbau des Turmes 1779 ausging. Immerhin hat das Haus unter seinem Pfarrer Christian Krafft (1784-1845) eine wichtige Rolle in der bayerischen Erweckungsbewegung gespielt. Ohne Köpfchen wäre das schwer möglich gewesen. :)

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Spammer geht’s nicht

Peter | 05. Jul 2011

Ein Spammer hat meine Phantasie beflügelt. Er hatte ein “klassisches Zeitmesser” im Angebot. Manchmal ergeben die Google-Translate Fehler ja einen unerwartet neuen Sinn, wie in diesem Fall.

Mit einem Zeitmesser könnte man schöne Tage längs zerschneiden und aneinander hängen, damit sie doppelt so lange dauern. Oder aus trüben Tagen die besonders düsteren Momente herausschnippeln. Und was für ein Effekt würde wohl bei diagonalen Schnittmustern eintreten?

Man könnte vielleicht auch den einen oder anderen Moment von früher ausschneiden und irgendwo wieder einsetzen, wo er besser hinpasst.

Tja, so ein Zeitmesser könnte wirklich nützlich sein.

Aber leider vertickt der Spammer bloß Ramschuhren.

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Wer was so sieht…

Peter | 01. Jul 2011

Neulich – es ist schon eine Weile her – kam das Gespräch auf Person x, die ich kannte. Person y sagte, man sehe x seine Schwierigkeiten ja schon von weitem an und sie frage sich, was dahinterstecke und warum sich da eigentlich nichts spürbar verändere. Das mit dem deutlich sichtbaren Problem war ein zutreffende Beobachtung. Allerdings galt sie auch für y, das hatte ein paar Wochen zuvor Person z einmal besorgt angemerkt.

Ich musste mir deshalb kurz auf die Zunge beißen. Dann fiel mir ein: Bestimmt sind sich sowohl x als auch y der Tatsache bewusst, dass sie keine problemlosen Persönlichkeiten sind. Andererseits haben beide ihre guten Seiten und ausgesprochene Stärken. Wie wir alle.

Manchmal wüsste ich zwar auch gern, wie es ihnen im Einzelnen so geht mit diesen Baustellen, die man von außen sehen kann. Und dann denke ich: Vermutlich auch nicht sehr viel anders als mir mit den Baustellen, die ich bei mir mit einigem Unbehagen sehe – wenn ich sie sehe… Vielleicht gibt es bei ihnen aber auch noch ganz andere Themen, von denen ich nichts weiß, die jedoch mehr Kraft kosten und Vorrang haben.

Gut also, wenn man sich in einer Umgebung befindet, in der Probleme weder ignoriert oder totgeschwiegen werden, noch großes Gerede (oder gar Geschrei) entsteht, wenn sie hier und da zum Vorschein kommen, wo aber vielleicht mal ein freundlicher Hinweis kommt, ob man sich dieser oder jener Sache auch selbst bewusst ist.

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Unanständige Werbung

Peter | 24. Mai 2011

Heute flatterte mir mal wieder ein Flyer für ein christliches Trainingsprogramm ins Haus, der rhetorisch nicht gerade bescheiden daherkam. Dinge, an denen manche Leute, die ich lange kenne und deren geistliche Reife ich wirklich schätze, Jahre arbeiten (und auch dann mit recht unterschiedlichem “Erfolg”) erschienen da als Resultate eines recht überschaubaren (aber nicht ganz billigen) Prozesses.

Und ich fragte mich beim Durchlesen: Darf man so etwas eigentlich versprechen, wenn dass zum Teil doch eher Dinge sind, die nur Gott tun kann? Gibt es eine Art freiwiliige Selbstkontrolle christlicher Einrichtungen, die solche Dokumente prüft und gegebenenfalls beanstandet, oder kann jeder schreiben und versprechen (beziehungsweise mehr oder weniger unverblümt in Aussicht stellen), was er will?

Um nicht falsch verstanden zu werden: Manche Dinge können wir tatsächlich “machen” und das darf man auch gern versprechen. Gute pädagogische Konzepte zum Beispiel oder professionelle Musik. Andere Dinge können wir nicht machen: Ob jemand die professionelle Musik schön findet oder davon emotional tief berührt wird, ob Gemeinschaft tatsächlich als authentisch empfunden wird, das liegt nicht in unserer Hand. Noch viel schwieriger ist es, wenn wir mit göttlichen Offenbarungen und Einblicken winken.

Wir dürfen uns gern vor Gottes Karren spannen lassen. Aber umgekehrt geht das eben nicht. Wie bei dem unsäglichen “die Bibel garantiert es” zum inzwischen sang- und klanglos verstrichenen Weltuntergangstermin am letzten Wochenende. Die Leute, die darauf hereingefallen sind, haben vielleicht schon lang zu viel fromme Propaganda konsumiert, die mit nicht gerade bescheidenen sprachlichen Mitteln ihre von keinem Zweifel angenagten Gewissheiten von sich gab.

Auch deswegen wäre eine Selbstkontrolle gut. Sie hilft, unnötigen Frust zu verhindern.

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Nachrichtenkater

Peter | 05. Apr 2011

Die letzten dreieinhalb Wochen hatten Nachrichten Hochkonjunktur. Eigentlich ging es schon etwas länger, die Revolutionen in Tunesien und Ägypten markierten den Anfang. Ich konnte morgens aufstehen und nach den Nachrichten sehen und es war immer aufregend, wichtig und neu; zuletzt noch die spannende Wahl in Baden-Württemberg.

Am ersten April brach dann die große Verlegenheit aus. Welchen Bären konnte man den Lesern/Zuschauern denn nun noch aufbinden? So viel war eingetreten, das niemand für möglich gehalten hätte. Und seither zieht sich alles gefühlt in endlose Länge: Fukushima leckt Wasser und sucht die undichte Stelle, die FDP leckt ihren Wunden und diskutiert, wer im Präsidium nicht ganz dicht sein könnte. In Libyen geht es zäh hin und her, aber nicht mehr vorwärts in eine klare Richtung. Nicht einmal ein Trainerwechsel in der Bundesliga bahnt sich noch an – gibt es womöglich ein Moratorium in der DFL?

Als hätte jemand den Gang herausgenommen. Aber das mörderische Tempo von Hiobsbotschaften kann ja kein Mensch durchhalten. Manches von dem, was sich in den letzten Tagen ereignet hat, wird uns noch viele Monate und Jahre beschäftigen. Der Faktor Nervenkitzel wird schwinden. In Nordafrika wird es ein langer und anstrengender Aufbau stabiler Demokratien, in Japan wird es ein langes Aufräumen der Erdbebenschäden und ein noch viel längeres Leiden an den bereits eingetretenen nuklearen Folgen geben. Und das sind ja nicht die einzigen komplizierten Krisen, die es auf der Welt gibt.

Für etwas Zerstreuung sorgen inzwischen Prinz William und die FDP. Gönnen wir es ihnen. Vielleicht sollten wir die abflauende Katastrophenfrequenz auch dazu nutzen, über grundlegende Dinge nachzudenken: Was zählt langfristig und macht – ohne schädliche Nebenwirkungen für andere – nachhaltig glücklich? Was bedeutet das für unsere Energieversorgung, für unsere Menschenrechtspolitik und Geschäftspartnerschaften? Was hält mich, wenn meine Welt erschüttert wird, meine Überzeugungen, meine Identität? Wie kann ich meine Wurzeln festigen?

Zeit, den Rechner zuzuklappen und mal wieder ein paar Klassiker aus dem Regal zu holen.

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Weisheit: Kann weniger mehr sein?

Peter | 26. Mrz 2011

Im Laufe der letzten Jahre habe ich zwei Dinge beobachtet. Manche Details oder einzelne “Fakten”, die ich mal wusste, habe ich vergessen. Die Mathe-Hausaufgaben meiner Jungs erinnern mich schmerzlich daran, dass ich das in grauer Vorzeit mal richtig gut konnte. Gut, es ist auch neues Wissen dazugekommen (mein Englisch ist heute viel besser). Quantitativ gesehen könnte es aber trotzdem sein, dass ich tatsächlich “weniger” weiß. Zum Glück kann man die Informationsdichte des internen Arbeitsspeichers nicht in Bytes messen.

Auf der anderen Seite gelingt es mit der Zeit aber besser, das vorhandene Wissen miteinander zu verknüpfen. Aus Fäden werden Netze, die etwas halten können und in denen Neues einen Platz finden kann. Dadurch wird es leichter, Dinge zu beurteilen und dabei zugleich differenziert zu bleiben. Qualitativ nützt mir mein Wissen mehr, oder ich weiß mehr damit anzufangen.

Weisheit, so gesehen, liegt nicht in der absoluten Anzahl der gespeicherten “Informationen”, sondern in der Fähigkeit, möglichst viele und möglichst vielfältige Beziehungen zwischen ihnen herzustellen. Oder wie Bernhard von Mutius in Die andere Intelligenz schreibt: “Nachzugehen wäre den dynamischen Relationen der Dinge, aufzuspüren wäre das »Dazwischen«, neu zu lernen wäre das In-Beziehungen-Denken.”

Manchmal merke ich, wie ich mit einem Kopf voller Fragmente durch die Gegend laufe und darauf warte, dass ich in dem scheinbaren Wirrwarr, von dem ich ahne, dass eine Ordnung existiert, ein Muster erkennen kann. Ab und zu gelingt das inzwischen auch.

Das sind freilich subjektive Empfindungen, und mancher treue Kritiker dieses Blogs wird jetzt mit der Versuchung ringen, mich vom Gegenteil zu überzeugen… :)

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Arme, reiche Stadt

Peter | 23. Mrz 2011

In meiner Nachbarschaft soll demnächst das Max-Planck-Insitut für die Physik des Lichts entstehen. Stadt und Uni (letztere jüngst gescheitert im Wettbewerb um Elite-Status) sind begeistert über das Vorzeigeprojekt. Der Pferdefuß: Eine der schönsten Freiflächen, die nahtlos in ein Naturschutzgebiet übergeht, wird dafür zerstört. Erst 1,5 Hektar, aber die Planer lassen keinen Zweifel daran, dass sie die ausgewiesenen 13 ha komplett nutzen werden. Der Standort sei alternativlos, wird immer wieder gesagt, wobei in den Diskussionen, die ich mitbekommen habe, nie so ganz klar war, welche Alternativen man überhaupt je ernsthaft in Betracht gezogen hat. Nun wird darauf verwiesen, dass Einwände, die zu einer Verzögerung des Baubeginns führen, die Max-Plack-Gesellschaft vergraulen könnten. Die sei schließlich überall heiß begehrt, nur hier würden ökologische Bedenkenträger und verwöhnte Anwohner Stimmung machen.

Am letzten Sonntag haben wir uns dort zu einem Open-Air-Gottesdienst getroffen, über ein paar Texte aus der Bibel nachgedacht. Mich hat dabei das Seufzen der Schöpfung in Römer 8,22ff beschäftigt. War das eigentlich Zufall, dass Paulus diesen Gedanken ausgerechnet nach Rom schrieb, in eine Stadt, die ihre Steinwüste aus Straßen und Häusern stetig weiter ins Umland hinaus schob? Es ist ja nicht einfach nur die Vergänglichkeit zu beklagen, die darin liegt, dass die die Natur ständig erneuert, sondern ihre Verletzlichkeit, die auch irreparable Schäden hinnehmen muss. Die gab es bereits in der Antike (etwa die Abholzung der Wälder zum Flottenbau), und sie wirkten sich auf den Menschen schon damals aus.

Die Argumente für die Zerstörung wertvoller Natur sind immer dieselben: Wir dürfen im Wettbewerb nicht zurückfallen, Wirtschaft und Arbeitsplätze haben im Zweifel Vorrang, selbst in einer Stadt, die eine so exorbitant hohe Arbeitsplatzdichte hat wie Erlangen. Wenn wir nicht bauen, verbauen wir uns die Zukunft.

Im Sinne von Römer 8 ist wenigstens die Klage angebracht über die Wunden, die der Natur hier geschlagen werden, und vor allem auch die versteckte, aber gravierende Armut, die damit einhergeht: Die Armut an kreativen Einfällen und Lösungen in diesem Interessenkonflikt und wie man mit den vermeintlichen Wachstumszwängen umzugehen hat. Und die Armut an ehrlicher Sprache, wenn man nun den amputierten “Exerzierplatz” ökologisch “aufwerten” möchte, als handele es sich um eines der vielen innerstädtischen Wohngebiete, das gerade “verdichtet” wird – schöner ist dadurch noch keines geworden.

In Römer 8,24 heißt es, dass man nicht hoffen kann auf das, was man sieht. Das muss natürlich zuerst eschatologisch verstanden werden im Blick auf das “ewige Leben” und die verheißene, aber eben noch ausstehende Neuschöpfung der Welt. Aber vielleicht gilt das dennoch nicht exklusiv in dem Sinne, dass wir bis zur Wiederkehr Christi halt mitmachen müssen und uns den genannten Sachzwängen zu beugen hätten, sondern dass wir schon jetzt widersprechen dürfen, wo die immer weiter fortschreitende Ökonomisierung von Natur, Mensch und Gesellschaft als alternativlos hingestellt wird. Wissen und Forschung sind ein hohes Gut, aber der technische Fortschritt hat – das sehen wir in diesen Tagen – ähnlich viele Probleme geschaffen, wie er gelöst hat. Auf ihn zu hoffen bedeutet trotz allem, einfach nur mehr vom Selben zu wollen. Auch das ist eine Form von Armut.

Armut, Erlangen, Exerzierplatz
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Auch mal pelzig werden

Peter | 18. Mrz 2011

Als bildungsbeflissener Mensch ist man schon irritiert, wenn man plötzlich als “fortbildungsresistent” bezeichnet wird. So geschehen diese Woche. Nun kam der Vorwurf oder das Urteil nicht etwa von einem guten Freund oder einem Mitarbeiter, nicht von einem Gemeindeglied, sondern einem fernen Bekannten, der sich irgendwann an einer Äußerung von mir gestoßen hatte und darauf hin ein paar ungebetene und reichlich unbeholfene Beratungsversuche unternahm.

Ich habe erst eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was da ablief, und dann klare Grenzen gezogen. Denn für manche Dinge braucht man eine persönliche Einladung, und wer ohne die mit seinen “Ratschlägen” mit der Tür ins Haus fällt, darf sich nicht wundern, wenn die Tür beim nächsten Mal fest verschlossen ist. Zur Kritikfähigkeit gehört also auch dazu, dass man unterscheiden kann, welche Kritik man sich zu Herzen nimmt und welche nicht. Jedem kann man es einfach nicht recht machen, ich finde, man darf dann auch mal pelzig werden.

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