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Gemeinde 2.0: Die Reise zu den Pinguinen

Peter | 21. Jan 2011

Es hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen, dass im März eine wirklich interessante Konferenz in Stuttgart stattfindet: Gemeinde 2.0. Den ausführlichen Flyer kann man hier lesen. Neben einigen Bekannten aus der deutschen Szene sind die anglikanischen Bischöfe Graham Cray und Steven Croft mit dabei, die über fresh expressions of church reden (dass die zwei Pinguine auf dem Titelbild eine Anspielung auf Bischöfe sind, ist natürlich Quatsch…).

Ich selbst bin mit einem kleinen Workshop auch Teil der bunten Palette, hier der Text dazu:

FairZweifeln
Der Pluralismus von Religionen und Lebenskonzepten nimmt stetig zu und führt zu wachsenden Spannungen. Zweifel von innen und radikale Anfragen von außen stellen unseren Glauben auf die Probe. Manche alte Formeln klingen auch für uns hohl, Dogmatismus mit seinen Denkverboten verursacht Streit. Wie finden Jesus-Nachfolger als exotische Minderheit ein überzeugendes Profil?

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Online-Anmeldungen sind hier möglich. Bis 25.1. ist es noch günstiger!

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Von den Papuas lernen

Peter | 03. Jan 2011

Nächste Woche treffen sich die deutschen Delegierten des Lausanne III Kongresses in Berlin. Jeder war gebeten worden, einen Aspekt des Kongresses schriftlich zu beleuchten. Ich habe ja schon einiges dazu geschrieben, unten steht mein Beitrag zur Diskussion nächste Woche. Ich blättere gerade die anderen Statements durch, mit etwas gemischten Gefühlen. Es ist ein großer Kongress gewesen und die Biografien sind sehr verschieden, da hört natürlich jeder andere Dinge und das macht es einerseits spannend. Andererseits hätte man für Vorsätze wie “das Gebet wieder ernster nehmen” nicht unbedingt nach Kapstadt fliegen müssen, da hätte auch das Exerzitienhaus um die Ecke gereicht. Keine leichte Aufgabe für die Tagungsleitung, das zu sammeln, zu bündeln und auch noch irgendwie griffig zuzuspitzen.

Unter den vielen eindrücklichen Erlebnissen des Kongresses haben sich mit ein paar Wochen Abstand ein paar Irritationen gelegt. Mit wachsendem Abstand beschäftigt mich im Blick auf unsere deutsche Situation die Frage der Ganzheitlichkeit des Missionsverständnisses. Bei ihrem abendlichen Auftritt haben René Padilla und Samuel Escobar den Dreiklang Discipleship, Justice und Ecology genannt. Vertieft wurde der letzte Begriff aus dieser Reihe in einem hochkarätig besetzten Multiplex unter der Leitung von Ken Gnanakan mit dem Titel „The Environmental Crisis“.

Inhaltlich wurde uns nichts Neues geboten, das Neue war die Klarheit, in der hier Evangelikale Position beziehen. Sir John Houghton, früher Vizepräsident des Weltklimarates, stellte die Forschungsergebnisse kurz vor und wies alle Verschwörungstheorien (die unter Evangelikalen in Nordamerika, aber auch hierzulande durchaus populär sind) deutlich zurück. Die Folgekosten des Kimawandels treffen vor allem die armen Länder der Erde, während die Hauptverursacher in den reichen Ländern zu suchen sind – auch in Westeuropa.

Für Houghton sind die Fakten klar, aber wenn es um die Frage geht, wie aus dem Wissen nun die nötigen Konsequenzen für einen nachhaltigen Lebensstil gezogen werden, dann sieht er vor allem die Christen am Zug. Ergänzt wurde Houghton von Denise Thompson, die als Professorin in Trinidad & Tobago ihren Studenten Klimabewusstsein beibringt, und von David Kidma, dem Vorsitzenden der Evangelischen Allianz in Papua Neuguinea. Kidma beschreibt ebenfalls einige beispielhafte Projekte, vor allem ein Handbuch, das jüngst veröffentlicht wurde, und das biblische Theologie und das ganzheitliche Denken und Lebensgefühl der Papuas integriert.

Für unsere Situation in Deutschland finde ich den Impuls hilfreich und bedenkenswert. So wie wir merken, dass Evangelisation und Diakonie nicht – auch nicht im Sinne einer stillschweigenden „Arbeitsteilung“ – in einem bloßen Nebeneinander existieren dürfen, so gehören auch Fragen der Gerechtigkeit und des Umweltschutzes (wir sprechen ja zu Recht inzwischen von „Klimagerechtigkeit“) integral zum Auftrag der Christen dazu.

Die Micha-Initiative ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Noch etwas weiter gedacht wirft das aber auch die Frage auf, ob die derzeitige Selbstbezeichnung der Lausanner Bewegung in Deutschland als „Koalition für Evangelisation“ so glücklich gewesen ist, und ob nicht bewusst der Schulterschluss mit kirchlichen (und nichtkirchlichen) Organisationen und Netzwerken gesucht werden kann, die sich praktisch und konkret für Nachhaltigkeit einsetzen.

Und es stellt sich natürlich die Frage, welche geistige und theologische Arbeit dafür in unseren eigenen Reihen leisten wäre. Denn fromme Klimaskeptiker, mit allem, was an kruden Verschwörungstheorien dazugehört, gibt es leider zuhauf.

Kapstadt 2010, Lausanne III
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Die (Post)Modernität umarmen

Peter | 24. Nov 2010

Benedikt XVI. ist immer für Überraschungen aller Art gut. In einem Artikel des Feuilleton der FAZ über das neue Interviewbuch von Peter Seewald und dem Pontifex findet sich dieses Zitat zur Moderne, vielleicht demnächst ja auch zur kritisch beargwöhnten Postmoderne, falls der Papst das hier nicht auch schon mit gemeint hat. Es ist seine Version des Stichworts “Kontextualisierung” und eine Mahnung an die Traditionalisten in den eigenen Reihen:

Das Christliche darf nicht zu einer archaischen Schicht werden, die ich irgendwie festhalte und gewissermaßen neben der Modernität lebe. Es ist etwas seltsam Lebendiges, etwas Modernes, das meine gesamte Modernität durchformt und gestaltet – und sie insofern regelrecht umarmt.

Moderne, Benedikt XVI
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Der Gott der Migranten

Peter | 18. Nov 2010

Ich werde heute abend meiner Gemeinde vom Kongress in Kapstadt berichten. Bei der Vorbereitung habe ich dieses Video von Raineer Chu wieder angesehen. Ich hatte es schon einmal kurz erwähnt, aber der Mann war eine der Entdeckungen des Kongresses für mich, daher hier sein Beitrag noch einmal für alle, die sich für die Zukunft des Christentums und die Zukunft der Städte interessieren.

“Gott ist der Gott der Migranten”, sagt im Blick auf die westlichen Metropolen, und er fordert die Hörer dazu auf, die Bibel “von unten” zu lesen und die Welt “von unten” zu sehen. Und er beklagt die Tragik der Pyramiden-Bauer, die große Organisation, Budgets und Gebäude hinstellen (die hier und da sicher nötig und nützlich sind), aber problematische Erfolgsdefinitionen schufen.

Bevor ich jetzt alles hier mühsam reintippe, einfach auf das Video klicken und gut zuhören:

Kapstadt 2010, Städte
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Kapstadt-Rückblick (2): Armes, altes Europa?

Peter | 30. Okt 2010

Ich sitze im Flieger nach Johannesburg und komme noch einmal zurück auf das Verhältnis von Afrikanern und Europäern. Nach allem, was der Kongress in Kapstadt zur Lage in Europa gebracht hat, wurden manche Europäer von den andern Delegierten schon bedauert und (das war die größere Anfechtung) als Auslaufmodelle abgeschrieben. Ein Grund waren die einseitigen Plenumsbeiträge, etwa wenn Os Guinness etwas pauschal vom “traurigen Schicksal der liberalen Theologie in Deutschland” sprach – als würden andere Gattungen des Christentums hier oder irgendwo in Europa wie verrückt boomen…

Zweitens sind die Europäer viel zurückhaltender als alle anderen, wenn es um optimistische Prognosen oder gutaussehende Statistiken geht. Die tollen Zahlen haben die anderen. Aber eben auch Probleme wie verbreitete Korruption, Machtmissbrauch und autoritäre Führer, ungelöste ethnische Konflikte oder hin und wieder Kungeleien mit zwielichtigen Regimes.

Europäer haben aus der Geschichte gelernt und meiden peinlichst jede Form von Kolonialismus – die meisten jedenfalls. Dass sie hier so selbstkritisch und – im Fall von Michael Herbst oder Elke Werner – ausgesprochen bescheiden auftraten, wird in anderen Kulturen, denen leise Töne tendenziell eher fremd sind, vielleicht auch missverstanden. Manche jungen Kirchen machen bekannte Fehler jetzt auch deshalb nach, weil sie es sich gar nicht vorstellen können, dass ihnen vielleicht eines nicht allzu fernen Tages ähnliche Gefahren drohen wie den Kirchen der alten Welt.

Wir haben uns in den letzten Tagen ab und zu gefragt, mit was für einem Bild von Deutschland und Europa unsere afrikanischen und asiatischen Mitchristen nun abgereist sind und wie sich das zukünftig auswirkt. Es gibt seit einer Weile den Begriff reverse missions, der beschreibt, dass Missionare diese jungen Kirchen in der Regel auf den Spuren ihrer Auswanderer nun in westliche Länder kommen und dort nicht nur ethnische Gemeinden gründen, sondern auch einzelne Deutsche zum Glauben führen. Damit verbinden sich viele Fragen, nicht zuletzt die nach der Identität solchen Gemeinden in der zweiten und dritten Generation, wenn der Kontakt zur Heimatkultur nachlässt und vielleicht nur ein Elternteil Migrant ist.

Vielleicht aber wird in Zukunft noch eine andere Bewegung einsetzen. Die meisten Menschen finden heute dort zum Glauben, wo sie aus einer vormodernen Gesellschaft in eine moderne übergehen. Heinzpeter Hempelmann spricht von einer “modernen Formatierung” unserer Kirchen, doch das scheint nicht nur für Deutschland zu gelten. Am Übergang von der Moderne zur Postmoderne dagegen sieht es für die Kirchen nicht rosig aus. Im Zuge der Globalisierung bilden sich in den urbanen Zentren auch in Afrika und Asien vielfältigere Denk- und Lebensgewohnheiten aus. Netzwerke wie Amahoro tauschen sich schon über deren Fragestellungen aus, und Studiengänge wie Global Missional Leadership am George Fox Seminary greifen die neue Vielfalt auf. Ich bin gespannt, wie deren Fazit zu Lausanne III ausfällt, sie waren dort ja auch vertreten.

reverse missions, Afrika, Europa, Kolonialismus
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Kapstadt-Rückblick: Theologie

Peter | 29. Okt 2010

Mit einigen Tagen Abstand beschäftigen mich die Diskrepanzen des Kongresses. Ich bin einer großen Vielfalt von TeilnehmerInnen, Themen und Projekten begegnet. Das war ungemein bereichernd und beeindruckend. Es spielte sich aber im Wesentlichen in den Pausengesprächen und den kleineren Einheiten (Multiplexe und Dialog-Sessions) an den Nachmittagen ab.

Im Plenum wurde versucht, die Einheit zu betonen und dabei explizit zu machen, dass es eine theologisch begründete Einheit ist. Das hat zu einer gewissen theologischen Stagnation geführt. Die hat auch ihr Gutes, etwa in der geschlossenen Abwehr des “Wohlstandsevangeliums” in jeder Form. Aber man fragte gar nicht erst, ob an anderer Stelle nicht doch theologische Innovation nötig wäre. Vielleicht beruht diese Entscheidung auf einer realistischen Einschätzung: vielleicht ist der Zusammenhalt so brüchig, vielleicht ist auch niemand da, der mit einem mutigen, neuen Entwurf den Kongress inspiriert.

Vielleicht war es aber auch Ängstlichkeit. Paradigmenwechsel, egal in welcher Zunft, verlaufen nie geräuschlos. Und man bekam die taktischen und politischen Manöver im Vorfeld und hinter den Kulissen ja verschiedentlich mit. Es gäbe ja eine Menge spannender Fragen und etliche interessanter Neuansätze. Sie sind naturgemäß umstritten. Aber vielleicht hätten ein paar experimentierfreudige Querdenker dem Kongress auch theologisch gut getan. Es hat fast den Anschein, als hätte sich seit Manila 1989 nicht viel bewegt. Wer konservativ denkt, wird in jeder Neuerung einen Abfall sehen und nur in deren restaurativer Rücknahme etwas Gutes erkennen, aber wer kontextuell denkt, weiß auch, dass in einer veränderten Welt die Verfälschung genau dadurch entstehen kann, dass man zu lange an manchen konventionellen Formen festhält.

Die gute Nachricht im Blick auf Lausanne ist: Die Praktiker sind längst dabei, ausgetretene Pfade zu verlassen, und zum Teil machen sie ganz hervorragende Arbeit. Die nachdenkliche Frage an Lausanne ist, warum man sich das theologisch nicht leisten zu können glaubt, und ob sich dieses Versäumnis nicht irgendwann einmal rächt. Das langatmig-orthodoxe und im Vergleich zum Kongressverlauf auch etwas fade offizielle Schlussdokument spiegelt leider nur nur diese Seite des Kongresses wider. Sein Name kam nur in der Polemik der Kollegen aus dem Süden vor, aber ich hätte mir einen Rowan Williams gewünscht – der hätte drei seiner Landsleute ersetzen können. Oder Miroslav Volf über Versöhnung und ethnische Konflikte. Oder jemanden, der mit dem Begriff “postmodern” noch etwas anderes zu verbinden weiß als nur das Gespenst des hemmungslosen Relativismus.

Die offizielle Kongresstheologie war ausgesprochen modernistisch, sie erging sich überwiegend in Propositionen. Dagegen lese ich eben in Alan Roxburghs Introducing The Missional Church von einem Begriff, den ich in Kapstadt hin und wieder vermisst habe:

Das Reich Gottes wird in Metaphern … und Bildern erklärt. Es ist unmöglich, alle Bilder in einer rationalen Definition für ein Lexikon unterzubringen. Man kann diese Beschreibungen nicht kodifizieren und in eine nette Schublade stecken. Jesu Worte zeigen, sie öffnen und deuten viel mehr an, als sie definieren.

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Wenn die Saat des Hasses aufgeht…

Peter | 13. Okt 2010

Heute erschien eine alarmierende Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur wachsenden Islam- und Fremdenfeindlichkeit der Deutschen. Zehn Prozent, darunter auch Gewerkschaftler und Kirchgänger, haben rechtsextreme Einstellungen und träumen vom “Führer mit harter Hand”. Tendenz: rasant steigend! Ist das nur linke Propaganda? Ich fürchte, nein.

Zeitgleich lese ich gerade diesen Bericht über die Rolle der Christen im Völkermord von Ruanda. Er beschreibt für die Lausanne Global Conversation nächste Woche in Kapstadt, wie es in den neunziger Jahren zu der Katastrophe kommen konnte, die rund eine Million Opfer forderte – und das im Musterland aller Afrika-Missionare! Die Gründe sind

  • ein verkürztes Evangelium, das die sozialen Verhältnisse ignorierte und damit zementierte
  • ein theoretischer Glaube, der das Alltagsleben nicht berührte
  • ein Kungeln der Kirchenfürsten mit den Machthabern (kolonial und postkolonial) statt prophetisch-kritischer Distanz, die Fehler aufdeckt und benennt.

Vielleicht sollten wir auch gleich die Lösungsvorschläge einprägen, die uns Antoine Rutayisire aus Kigali aus 16 Jahren Erfahrung nennt – sie drehen sich um die Wiederentdeckung des Evangeliums von der Versöhnung: Er bezeichnet jeder Form von Entfremdung (nicht nur unter Christen) als sündhaft und daher nicht hinnehmbar. Heilung wird möglich in der Identifikation mit Christus, dem leidenden Gottesknecht aus Jesaja 53. Damit werden – richtig verstanden – auch alte, konfliktträchtige Identitäten aufgehoben. Versöhnung wird zum Auftrag mit universaler Reichweite.

Rechtsradikale, Versöhnung, Ruanda
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Mission und Qualität – geht das?

Peter | 15. Sep 2010

Vorgestern war ich zu einem Treffen eingeladen, wo wir versucht haben, diese beiden Begriffe zusammenzubringen. Vielleicht war die Runde ein bisschen zu groß, die das Zentrum Mission in der Region da zusammengebracht hatte. Während die offizielle Ergebnissicherung noch aussteht, habe ich beschlossen, hier mal mein persönliches Fazit in ein paar unausgegorenen Thesen festzuhalten:

1. Wesen und Ziel von Mission

Zum Missionsbegriff ist viel geschrieben worden. Ich bevorzuge ein weites, ganzheitliches Verständnis. Mission ist mehr als nur die Predigt des Evangeliums, sondern auch der Dienst am Nächsten und das Eintreten für soziale und ökologische Gerechtigkeit.

Aber selbst in der weitesten Fassung muss man gleichzeitig festhalten: Mission ist nur das, wo sich Kirche und Christen nicht mit sich selbst beschäftigen. Das ist im großkirchlichen Kontext schwer zu definieren, wo Kirchenmitgliedschaft und Getauftsein sich mit sehr unterschiedlicher Nähe und Distanz zum Glauben verbinden.

Mission hat ihr Ziel erst dann wirklich erreicht, wenn Menschen aktiv an dieser Bewegung teilnehmen, die Gottes liebendes und rettendes Handeln an der Welt beschreibt (richtig verstanden führen Taufe und/oder die Erfahrung von “Bekehrung” zu diesem Ziel). Wollte man über Erfolgskriterien oder Ergebnisqualität nachdenken, so müsste man ansetzen bei Fragen wie:

  • hilft sie Menschen, zum Glauben zu finden und diesen auch selbst wieder weiterzugeben?
  • nehmen die nach außen gerichteten Aktivitäten in einer Gemeinde zu?
  • finden wir Partner in anderen Gruppen (und Glaubensgemeinschaften), mit denen wir soziale und ökologische Anliegen gemeinsam verfolgen?
  • wird unsere Stimme in der Gesellschaft wahrgenommen?

2. Charakter von Mission

Hier geht es, das habe ich gestern gelernt, um die Prozessqualität. Ich hatte vorgeschlagen, sich am biblischen Ethos der Gastfreundschaft zu orientieren. Ganz knapp formuliert hat “gute Mission” für mich fünf Aspekte; ich versuche, weitgehend positiv zu formulieren:

  1. Die Bereitschaft, selbst zum Fremden zu werden – sich durch die Identifikation mit Christus in eine Distanz zur eigenen (auch und gerade kirchlichen) Kultur führen zu lassen, starre Identitäten erschüttern zu lassen und deren Grenzen zu überschreiten um des Nächsten willen.
  2. Auf den Nächsten, der mir als Fremder begegnet, zuzugehen und ihn mit seinen Bedürfnissen wie mit seinem Reichtum sehen zu lernen
  3. Einen Freiraum (Zeit, Kraft, Aufmerksamkeit) zu schaffen, der frei ist von Erwartungs- und Anpassungsdruck (bzw. von allen Versuchen, andere zu beeindrucken, zu manipulieren oder zu übertrumpfen)
  4. Eine “freundliche Leere” (H. Nouwen) zu pflegen, indem ich mich selbst zurücknehme und ein echter, ergebnisoffener Dialog und gegenseitiges Lernen möglich wird
  5. das freimütige, fröhliche und unapologetische Bekenntnis des eigenen Glaubens an den dreieinigen Gott bzw. der eigenen Glaubensgeschichte mit Gott im Rahmen der großen Geschichte Gottes mit der Welt.

Hier wird “Qualitätssicherung” vor allem darin bestehen, auf die Rückmeldungen des jeweiligen Gegenübers zu hören. Darüber hinaus kann man sich selbst fragen (und das am besten von Jahr zu Jahr und dann die Antworten vergleichen):

  • Wo bewegen wir uns als einzelne und gemeinsam über das gewohnte und vertraute Terrain hinaus?
  • Wo gelingt es uns, Distanz zu überwinden und Vorbehalte bei uns selbst und anderen abzubauen?
  • Wie klar ist unsere Vorstellung von unserem Beitrag zum Wohl des Gemeinwesens?
  • Wo lassen wir die Beschäftigung mit eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Erfolg bleiben um des anderen willen und pflegen Kontakte?
  • Welche Spannungen nehmen wir dafür in Kauf?
  • Wie kultivieren wir Achtsamkeit und Gelassenheit?
  • Wie ist es um unsere Sprachfähigkeit im Blick auf den Glauben bestellt und welche Formen (Belehrung, Appell, Apologie, Bekenntnis/Zeugnis) bevorzugen wir dabei?

Oft sind hier nur relative Bewertungen möglich: Mehr/weniger (bzw. besser/schlechter) als vor einem Jahr, vor drei Jahren, vor zehn. Die jedoch können enorm sinnvoll und hilfreich sein. Man könnte schließlich auch noch die Frage der Strukturqualität aufwerfen: Aus- und Weiterbildung des Personals, Ausstattung mit Mitteln, angewandte Methoden.

Ich gestehe, dass ich das immer noch mit einem mulmigen Gefühl niederschreibe. Die Ökonomisierung so vieler Bereiche des gesellschaftlichen Lebens droht auch in den Kirchen großen Schaden anzurichten, wenn man nicht sehr umsichtig mit den Begriffen und Methoden des Managements verfährt. Ich rede zum Beispiel viel lieber von “Identität” als “Marke” zu sagen. In dieser Hinsicht musste ich mir beim Gespräch öfters auf die Zunge beißen. Die meisten Leute, die ich kenne, sind heilfroh, wenn in ihrer Gemeinde nicht auch noch die ganze Zeit von Effizienzsteigerungen und ähnlichen Dingen die Rede ist.

Kleiner Nachtrag: Mission ist eine Art Liebesaffäre. Kein Wunder, wenn man Hemmungen verspürt, in Herzensangelegenheiten Qualitätskriterien anzulegen.

Mission, Qualität
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Zutaten gesunder Gemeinschaft (2): Kompetenzen

Peter | 05. Aug 2010

Um ausgewogene Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen sich ein gesundes Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann, sind ganz unterschiedliche Kompetenzen gefragt. Myers zählt einige auf, ich fasse das kurz zusammen:

  • Im öffentlichen Raum ist die Fähigkeit, auf Fremde zuzugehen und sie einzubeziehen, gefragt. Es geht um gemeinsame Erlebnisse, die Menschen locker verbinden. Das Ganze bleibt einmalig oder episodisch, und den Eventcharakter muss man akzeptieren können wie auch die Spielregeln, nach denen solche Veranstaltungen ablaufen. Humor ist eine wichtige Tugend, der ermöglicht eine angemessene Distanz und signalisiert, dass man keine Bedrohung darstellt. Blickkontakte sind im öffentlichen Raum kurz, Berührungen bleiben in der Regel aus.
  • Im sozialen Raum geht es darum, kleine und möglichst authentische “Schnappschüsse” von sich selbst mitzuteilen und die Schnappschüsse oder “Blitzlichter” anderer realistisch einschätzen zu können. Spontane und kurze Interaktion ist gefragt, der klassische Small Talk, und Taktgefühl wird großgeschrieben, ein Gespür für das richtige Maß von Nähe und Distanz. Der Blickkontakt darf etwas länger ausfallen, Berührungen sind bestenfalls kurz und ohne größere Bedeutung. Sich an spielerischen Aktivitäten in der Gruppe zu beteiligen, ist wichtig. Sowohl defensive als auch offensive Verhaltensweisen sind gefragt. Es geht darum, dem anderen ein guter Nachbar bzw. Nächster zu sein.
  • Im persönlichen Raum sollte man Vertraulichkeit wahren können. Hier bekommt man auch Privates erzählt und sollte sich für den anderen auch persönlich interessieren und um die Beziehung kümmern. Oft sind es Gespräche unter vier Augen mit intensiverem Blickkontakt, der jedoch nicht ins Intime wechselt.
  • Im intimen Raum geht es noch mehr darum, wer ich eigentlich bin und nicht mehr so sehr darum, was ich tue. Rollen treten in den Hintergrund, aber ein gutes Gefühl für die eigene Identität mit unseren Eigenarten, Stärken, Schwächen und Grenzen ist wichtig. Blick- und Körperkontakt fallen entsprechend inniger aus als in anderen Beziehungen.

Gruppen in Gemeinden, sagt Myers, sind für die meisten Leute deswegen interessant, weil sie dort Nachbarn und Bekannte suchen. Geht das Gespräch oder der Austausch ins Persönliche, dann wünschen sich manche schon wieder die Knabbersachen und den Plauderton der Ankomm-Phase wieder zurück. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einer beliebig zusammengewürfelten Gruppe von acht bis zwölf Leuten jeder die nötigen Kompetenzen mitbringt, die persönliche Beziehungen erfordern, ist nicht sehr hoch. Wenn sich eine Gruppe jedoch in einem größeren Kontext gefunden hat, klappt es eher. Bei sehr intimen Selbstmitteilungen fühlen sich allerdings viele ganz plötzlich sehr unwohl. Statt also Intimität zu betonen, sollte man den Schwerpunkt auf soziale und persönliche Kontakt setzen und darauf vertrauen, dass sich intime Freundschaften dann von selbst entwickeln. Vieles hängt von zwanglosen, im positiven Sinne “unverbindlichen” Möglichkeiten zum “Andocken” ab. Zu schematisch und mit einem zu hohen Anspruch an Verbindlichkeit heranzugehen ist eher hinderlich.

Beziehungen, Gemeinschaft, Zugehörigkeit
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Zutaten gesunder Gemeinschaft (1): Die Mischung macht’s

Peter | 04. Aug 2010

Joseph Myers nennt in The Search To Belong vier Felder, in denen sich gesundes Gemeinschaftsleben entwickelt. Ich habe sie hier kurz angerissen, die Definitionen haben mit Raum und Distanz unterschiedlichen Ausmaßes zu tun. Es gibt nicht die eine Gestalt von Beziehungen, die immer richtig ist.

Es stimmt auch nicht, dass die unterschiedlichen Formen nur Durchgangsstadien auf dem Weg ins Allerheiligste der Intimität sind. Selbst unsere Beziehung zu Gott kennt diese unterschiedlichen Dimensionen. Wir fühlen uns ihm nicht immer gleich nah und vertraut.

Wichtig ist nun, dass unsere Beziehungen in den vier Feldern im richtigen Verhältnis stehen. Myers nennt das die “Gruppenchemie” und meint damit nicht primär, das, was wir oft im Sinne von Sympathie verstehen. Wir brauchen sehr viele öffentliche Kontakte, viele soziale (einen größeren Bekanntenkreis), einige persönliche (echte Freundschaften) und wenige intime Beziehungen. Aber selbst mit Freunden und Partnern bewegen wir uns immer wieder im öffentlichen Raum und passen unser Verhalten an die (unausgesprochenen) Spielregeln größerer Gruppen an. Von innen nach außen gedacht verdoppelt sich der Personenkreis also mindestens.

Oft pflegen Gemeinden jedoch nur eine oder zwei bestimmte Tonlagen. Neulich erzählte eine engagierte Katholikin, dass sie seit ihrem Umzug in einer neuen Pfarrgemeinde Anschluss gesucht hat und wie irritiert sie war, als sie Stimmen aus der Kerngemeinde hörte, die etwas abschätzig von “Laufkundschaft” sprachen. Die Anwesenheit “Fremder” (und jeder Neue ist natürlich erst einmal fremd) wurde als Störung oder Beeinträchtigung einer Gemeinschaft empfunden, die darauf beruhte, dass jeder jeden kannte – die klassische Definition des Social Space.

Myers nennt auch verschiedene Beispiele, in denen Wortwahl und Sprache für eine subtile Ausgrenzung sorgten, weil der Zugang zur Gemeinde, den jemand gerade gewählt hat, dort als minderwertig abqualifiziert wird. In der Regel betrifft das “Besucher”, “Gäste” und damit alle, die den Weg noch nicht in eine Kleingruppe oder verbindliche Form von Mitarbeit und Mitgliedschaft gefunden haben. Ohne die Bedeutung dieser Dinge zu relativieren – wir müssen trotzdem lernen, dass auch die sporadischen und distanzierten Formen echte Zugehörigkeit ausdrücken können, nicht nur passives Konsumententum (das gibt es leider auch, und ich bin noch etwas ratlos, wie man mit dieser Spannung fertig wird).

Es hat mich auch an ein anderes Erlebnis erinnert: Leute kamen neu zur Gemeinde dazu und suchten nach dem “inneren Kreis”. Oft kannten sie das von früher und unterstellten, dass es da einen informellen Klüngel gibt, der privilegierte Informationen austauscht und die wichtigen Entscheidungen regelt. Folglich musste man möglichst viele enge Kontakte zu den Leuten in den vermeintlichen oder tatsächlichen Schlüsselpositionen knüpfen. Für mich persönlich bedeutete das, dass immer wieder jemand mit der unausgesprochenen Erwartung auf mich zukam, dass wir Freunde werden. Aber erstens ist meine Kapazität begrenzt und zweitens hat die Erwartung mich so unter Druck gebracht, dass ich mich instinktiv zurückzog, weil ich spürte, dass die Enttäuschung programmiert war. Freundschaften brauchen einen weiteren Raum, um sich zu entwickeln: den zwanglosen Bekanntenkreis. Leute, deren Namen ich kenne, aber die ich nicht zu meinem Geburtstag einlade.

Beziehungen, Gemeinschaft, Zugehörigkeit
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Missionalinkarnatorischorganisch…

Peter | 24. Jul 2010

… das gibt es, ohne den ganzen Jargon, offenbar alles auch in der katholischen Kirche, und zwar unter dem Stichwort “Kleine Christliche Gemeinschaften”. Hier ein paar Statements von der dazugehörigen Website:

In einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft verwirklicht sich eine Kirche,

  • in der die wahre Gleichheit und gemeinsame Würde aller Gläubigen konkrete Gestalt gewinnen kann,
  • in der alle Teilnehmenden als Geistträger ernst genommen werden,
  • in der jede und jeder in der Gruppe Leiterin und Leiter sein kann,
  • in der persönliche und soziale Situationen des täglichen Lebens im Licht des Evangeliums gedeutet werden,
  • in der ein herrschaftsfreier Führungsstil angewendet wird.

Eine Kleine Christliche Gemeinschaft (KCG) hat vier Merkmale:

  • Eine konkrete KCG besteht aus Personen, die einen gemeinsamen Lebensraum haben.
  • Eine KCG nimmt die Bedürfnisse und Nöte der Menschen in ihrem Umfeld wahr und entdeckt darin den Anruf Jesu. sie weiß sich gesandt
  • Eine KCG lebt aus der Eucharistie der Pfarrgemeinde und ist so mit der gesamten Kirche verbunden.
  • Eine KCG wächst immer neu aus dem Wort Gottes, das sich ihr besonders im Bibel-Teilen erschließt.

Wenn eine Kleine Christliche Gemeinschaft so lebt, wird das Wort aus dem Johannesevangelium erfahrbar:
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Joh. 1,14

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Gemeinschaftsmythen (5) – Entfernungen

Peter | 21. Jul 2010

Myers’ Mythos Nummer 5 betrifft die räumliche Nähe. Wenn wir nur alle nahe genug beisammen wohnen würden (am besten in einer großen Kommune…?), wäre alles besser. Und natürlich erleichtert räumliche Nähe vieles und wir sollten uns von Begriffen wie “Nachbarschaft” nicht vorschnell verabschieden.

Andererseits machen wir in unserer unmittelbaren Umgebung eben auch die Erfahrung von großer Fremdheit und Distanz. Konflikte, die auf engem Raum ausgetragen werden müssen, können sehr anstrengend sein.

Und was Gemeinde angeht, so wundere ich mich immer wieder, wie manche relative weite Wege ganz treu und regelmäßig zurücklegen, während für andere nur ein paar hundert Meter Weg unüberwindlich scheinen, weil sie über den Tellerrand ihrer individuellen Existenz kaum noch hinausschauen.

Beziehungen, Zugehörigkeit, Nähe
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Gemeinschaftsmythen (4) – Persönlichkeit

Peter | 20. Jul 2010

Beim oberflächlichen Hinsehen kann das Missverständnis entstehen, sagt Joseph Myers, man müsse einfach ein extrovertierter Mensch sein. Stille und Schüchterne dagegen finden nur schwer Anschluss. Also müssen sie lernen, mehr aus sich heraus zu gehen.

Aber der Schein trügt. Manch ein lebhafter, kontaktfreudiger Mitmensch fühlt sich einsam und hat das Gefühl, nur oberflächlich mit anderen verbunden zu sein. Und mancher Stille hat gute, tiefe Beziehungen – und nicht einmal wenige. Sie fallen nur in größeren Gruppen nicht so auf.

Vor einer Weile bin ich schon einmal auf Richard Sennett zu sprechen gekommen. Hier nochmal ein Zitat zum Dilemma des Gefühls in zwischenmenschlichen Beziehungen. Vielleicht steckt das auch in dem, was Myers hier mit Persönlichkeit beschreibt und dem Empfinden, irgendwie nicht zu passen:

Wenn ich bloß mehr empfinden könnte, oder wenn ich bloß wirklich empfinden könnte, dann könnte ich eine Beziehung zum anderen aufnehmen oder eine »wirkliche« Beziehung zu ihm unterhalten. Aber im Augenblick der Begegnung habe ich jedesmal das Gefühl, nicht genug zu empfinden. Der manifeste Gehalt dieser Verkehrung ist eine Selbstanschuldigung, aber dahinter verbirgt sich das Gefühl, von der Welt im Stich gelassen zu sein.

Sennett kritisiert, dass das Private und Intime das Öffentliche und Gesellschaftliche verdrängt und wir Ereignisse und Beziehungen nur dann als relevant empfinden, wenn sie in uns irgendeine emotionale Resonanz hervorrufen. Wo die ausbleibt, bleiben wir desinteressiert.

Beziehungen, Zugehörigkeit
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Gemeinschaftsmythen (3) – Zweck und Ziele

Peter | 19. Jul 2010

Der dritte Kurzschluss, dem wir im Hinblick auf Gemeinschaft erliegen können, ist nach Zeit und Verbindlichkeit für Joseph Myers in The Search to Belong mit dem Begriff “purpose” überschrieben. Da klingt natürlich ein ganzer frommer Industriezweig durch.

Wenn seit den Management-Büchern von Tom Peters in den 80ern statt von Komitees von Visionen, Mission Statements, Aufträgen und Teams die Rede war, brachte das an vielen Stellen deutliche Verbesserungen. Aber selbst eine lohnende gemeinsame Aufgabe garantiert noch keine tiefere Verbindung zwischen Menschen und schafft nicht unbedingt erfüllende Gemeinschaft, manchmal entstehen eben auch nur Zweckbeziehungen.

Beziehungen, Gemeinschaft, Zugehörigkeit
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Gemeinschaftsmythen (2): Verbindlichkeit

Peter | 18. Jul 2010

Ein zweiter Mythos besteht nach Joseph Myers darin, zu meinen, tiefere Beziehungen seien allein die Folge höherer Verbindlichkeit. Er hält das für eine romantische Idee. Man kann selbst in einer Ehe (sicher das Maximum an Verbindlichkeit) das Gefühl haben, dass der andere meilenweit weg oder auf einmal ganz fremd zu sein scheint. Ganz zu schweigen von anderen Beziehungen, die viele Pflichten, aber wenig Nähe bedeuten.

Wir verwenden Begriffe wie “authentisch”, “tief” oder “eng” um zu beschreiben, dass eine Beziehung für uns große Bedeutung hat. Ein enges Verhältnis lässt sich aber vielfach nicht ohne größere Schwierigkeiten und Überforderungen erreichen. Vielleicht ist das auch nicht nötig: Myers beschreibt, wie sich seine Frau jedes Jahr mit anderen trifft, um sich über ihr Hobby, das Teppichknüpfen, auszutauschen. Es gibt keine Kontakte in der Zwischenzeit, sie entscheidet sich meist erst kurzfristig, zu den Treffen zu reisen. Und doch kommt sie erfüllt zurück.

Beziehungen, Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Authentizität, Verbindlichkeit
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