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Schicke Schichten

Peter | 25. Dez 2011

Die meisten haben ihre Geschenke inzwischen wohl ausgepackt, aber für das nächste Weihnachten gibt es Geschenkpapier, das man sich – zumal in der richtigen Stapelung – gern noch einen Augenblick anschaut, und das unter Sternchen, Zweiglein, Engelchen und Flöckchen mal etwas Abwechslung in den weihnachtlichen Papierkrieg bringt:


Gift Couture from Gift Couture on Vimeo.

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Sport wird grüner

Peter | 17. Nov 2011

Neuich habe ich den Pastor der FeG Herzogenaurach stolz mit einer Adidas-Tasche auftreten sehen und mich gefragt, ob wohl keines seiner Gemeindeglieder bei Puma arbeitet. Vom kleinen Bruder der Streifenmarke sind dieser Tage nämlich gute Nachrichten zu vernehmen: Man hat eine offizielle Ökobilanz erstellt und wird auf deren Grundlage weitere Maßnahmen ergreifen.

In der Sportartikelindustrie scheint nun doch einiges in Bewegung zu sein. Neulich schon interviewte die Zeit Hannah Jones von Nike, die einige Fortschritte erläutert, die der Weltmarktführer in Sachen Nachhaltigkeit gemacht hat. Ohne internationale Proteste wäre das sicher nicht geschehen.

Derweil stand vor allem Adidas dieses Jahr wieder in der Kritik, was Lohn und Arbeitsbedingungen der Zulieferer angeht. Das ist neben der Ökobilanz das andere heiße Eisen.

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Albern – warum eigentlich nicht?

Peter | 18. Okt 2011

Ausgerechnet Joachim Gauck hat “Occupy Wall Street” als “unsäglich albern” bezeichnet. Vermutlich ist ihm dabei gar nicht bewusst gewesen, dass er den Leuten damit ein Kompliment macht, denn viele haben sich den Rat “stay foolish” aus Steve Jobs’ legendärer Stanford Adress zu eigen gemacht – hungrig sind sie schon längst, dafür hat der Turbokapiltalismus des letzten Jahrzehnts und die Banken-/Schuldenkrise gesorgt.

Sie sind albern genug, zu fragen, ob es nicht auch ganz anders gehen könnte. Nur denken sie dabei nicht über elektronische Helfer nach, die sie selbstverständlich nutzen, sondern über unser Wirtschaftssystem, das zu ändern unsere Politiker nicht den Mut hatten, als sie es konnten. Allen voran Barack Obama, der mit seinen stets halbherzigen Aktionen massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat.

Johnathan Askin nennt im Huffington Post die Demonstranten treffend die Generation “What if”. Sie sagen nicht mehr “Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin”, sondern sie wenden dieselbe Logik auf andere Dinge an. Sie sind im digitalen Zeitalter groß geworden und haben gelernt, sich alle die Zukunft in allen möglichen Farben und Formen auszumalen und durchzuspielen. Und nun wenden sie diese Phantasie (klingt nach Margot Käßmann, oder?) auf die reale Welt an.

Natürlich kann man nun mit Gauck, einem Vertreter des letzten großen Umbruchs, “ja, aber…” sagen. Aber vielleicht folgt der vor uns liegende Umbruch ja anderen Mustern als der zurückliegende. Vielleicht stehen uns manche Erinnerungen und Erfahrungswerte dabei eher im Weg? Im biblischen Bild gesagt: Als David die schwere Rüstung wieder auszog und mit seinem Steinschleuderchen gegen Goliath ins Feld zog, da empfanden Saul und seine Generäle das mit Sicherheit auch als “unsäglich albern”.

Nicht nur die (Ost-)Revolutionäre von gestern, auch die in stabilen Verhältnissen groß gewordenen Baby-Boomer im Westen erscheinen im Licht dieser Ereignisse als “Generation Unbedarft”. Sie haben immer noch zu viel zu verlieren, um unbefangen zu fragen: “Was wäre, wenn?”. Ihr revolutionäres Restpotenzial scheint vom Wohlstand aufgezehrt, schreibt Paul Campos, und nun sind sie unerträglich selbstgefällig geworden. Gänzlich unbedarft waren heute auch die Nürnberger Nachrichten, die rätselten, was den Bankenprotest mit einem “religiösen Fanatiker” wie Guy Fawkes zu tun haben sollte. Der Autor hat offenbar V wie Vendetta nicht gesehen, wo das Volk auf die Straße geht und seine Unterdrücker abschüttelt. Die Botschaft der Maskerade heißt nichts anderes als “Wir sind das Volk”, beziehungsweise eben: “we are the 99%”. Fürchtet Gauck insgeheim, dass die neue Revolution – wenn es denn eine werden sollte – die alte in den Schatten stellt?

Occupy Wall Street ist, sagt Askin, nur der öffentliche Beta-Test der Generation What If”. Brian McLaren hat in Naked Spirituality den Begriff der TAZ – temporary autonomous zone – verwendet, den er von Kester Brewin übernommen hat. Damit meint er zum Beispiel Festivals (Askin erwähnt “Burning Man”) und Events, wo die gängigen Verhaltensnormen außer Kraft gesetzt sind. Natürlich ist das eine zwiespältige Sache: Schon Rom kannte Brot und Spiele als Mittel, die herrschenden Verhältnisse zu stabilisieren. Aber vielleicht verdient neben der Funktion als Überdruckventil und Anästhetikum auch der Aspekt Beachtung, ob hier – vor allem eben bei den Demos – alternatives Handeln hypothetisch diskutiert und experimentell eingeübt werden kann.

Und vielleicht tun wir gut daran, Sonntage und Gottesdienste auch als solche Gelegenheiten zu verstehen und zu leben: Freiräume, in denen man nicht ins nächste Korsett gedrückt wird und funktionieren muss, sondern dem Alltagstrott den Rücken kehrt, um zu fragen, ob das alles eigentlich so sein muss – von der persönlichen Lebensgestaltung bis hin zur Weltwirtschaft. Wo wir das kommende Reich Gottes so feiern, dass der Vorgeschmack allein schon die Risse im Fundament scheinbar unüberwindlicher Gegebenheiten sichtbar werden lässt. Was ist denn die Bergpredigt, wenn nicht ein großes “was wäre eigentlich, wenn?”, das nicht nur weltfremd oder weltflüchtig ein utopisches Ideal zelebriert, sondern das Alternativen in Sicht- und damit tatsächlich auch in Reichweite rückt? Das jedes politische und soziale System diesem Zweifel aussetzt, ob menschenwürdiges Leben nicht auch anders und besser aussehen könnte als unter den vermeintlichen Sachzwängen.

Zum Glück gibt es auch unter Christen eine emergente Generation “What if”, die nicht nur hinter die herrschenden gesellschaftlichen, sondern auch kirchlichen Verhältnisse ein Fragezeichen setzt. Ohne immer gleich auch schon sagen zu können, wie die Zukunft definitiv aussehen muss.

Konsumgesellschaft, Occupy Wall Street, Joachim Gauck, Generation “What if”
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Eine Schale Reis: Ausgekühlt

Peter | 14. Okt 2011

Eine weitere Beobachtung aus dem Selbstversuch mit einer Schale Reis muss ich hier noch erzählen. Mit wenig Brennbarem im Bauch wird einem spürbar schneller kalt, und wenn wie heute die Temperaturen gefallen sind, dann friert man auch deutlich schneller.

Wieder – kein Problem in der Wohlstandszone: Da zieht man sich wärmer an oder dreht die Heizung hoch, wie ich gerade. Was aber, wenn die Hütte ungeheizt und zugig ist? Es leben ja nicht alle unterernährten Menschen in den Tropen. Und das bedeutet, man wird sehr wahrscheinlich leichter und häufiger krank, wenn man wenig zu essen hat (von Vitaminen ganz zu schweigen).

Keine guten Aussichten…

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Der Reis ist heiß…

Peter | 13. Okt 2011

Nach dem kleinen Intermezzo gestern bin ich wieder auf einer Schale Reis unterwegs. Heute gibt es daher keine neuen Erfahrungen zu berichten außer dass ich die deutlich längere Kochzeit des Bio-Vollkorn-Reis (sagt man “des Reises”?) unterschätzt hatte. Sieht man mal, wie viel Ahnung ich bisher von Reis hatte…

Zum Lesen kam mir in den Nachrichten heute ein Artikel aus der SZ gerade Recht, der sich mit den Folgen des weltweit ansteigendes Fleischkonsums für Umwelt und das Preisgefüge von Nahrungsmitteln überhaupt befasst. Dazu tragen sogar Hunde und Katzen bei, die im Schnitt 20 kg Fleisch im Jahr verputzen, während der Durchschnittsdeutsche (tolles Wort) 60 kg schluckt. Die Bezugsgröße Flächenbedarf zeigt (ähnlich wie der “Carbon-Footprint”) die Verhältnisse sehr eindrücklich:

Um den Fleischhunger eines Einzelnen zu befriedigen, ist eine Futteranbaufläche von 1000 Quadratmetern pro Jahr nötig, für den Jahresverbrauch an Kartoffeln reichen dagegen 15 Quadratmeter Acker aus. Umgerechnet auf Mahlzeiten bedeutet dies, dass ein Hamburger mit Pommes und Salat auf 3,6 Quadratmeter kommt, Spaghetti mit Tomatensauce dafür nur auf 0,5 Quadratmeter.

Das benötigte Tierfutter importiert Deutschland weitgehend. Mit unserem raumgreifenden Fleischkonsum fördern wir also andernorts (!) den Wassermangel, verschlechtern die Böden und verderben anderen, ärmeren Menschen die Preise für ihr Essen. Gestern im Alpha-Kurs haben wir vegetarisch ganz passabel gespeist.

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, wäre vielleicht ein Monat ohne Fleisch die ideale Nachfolgeaktion zu “eine Schale Reis”. Vielleicht inspiriert das Leute, auch dauerhaft auf Fleisch zu verzichten oder den Konsum spürbar zu drosseln.

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Tag 3: Der “ewige Reis”

Peter | 12. Okt 2011


Zwei Tage mit je einer Schale Reis liegen hinter mir. Körperlich geht es mir gut, ich schlafe weniger mit dem relativ leeren Magen, aber gestern habe ich mich 15 km aufs Rad gesetzt und das ging ohne Probleme. Manchmal meine ich zu merken, dass ein Pölsterchen hier und da schwindet, was für mich erst mal nett wäre, weil ich ja nicht wie über 2 Milliarden andere Menschen damit rechnen muss, dass dieses Essen nun mein täglich Brot auf Jahre hinaus sein wird. Dann wäre nämlich jeder Substanzverlust beunruhigend.


Der andere Faktor ist die Monotonie. Unglaublich, wie viele verschiedene Sachen meine Familie in diesen beiden Tagen schon gefuttert hat! Wenn hier auch nur drei Tage dasselbe Essen auf den Tisch käme, gäbe es sehr lange Gesichter. Ich habe zur Abwechslung gegenüber dem Vortag ein paar Spritzer Sojasauce verwendet und mich bei dem Gedanken ertappt, ob nicht Jamie Oliver nicht mal ein peppiges Kochbuch mit tollen Ideen zu kleinen, einfachen Reisgerichten schreiben könnte. Aber im Ernst: Viele würden vielleicht sagen “ich kann den ewigen Reis nicht mehr sehen”, aber es gibt schlicht keine Alternative…


Die Beiträge auf der Website zu “Eine Schale Reis” fielen anders aus, als ich das erwartet hatte. Ich hätte mir ein paar eher meditative Impulse gewünscht, die mein Erleben vertiefen und erschließen helfen. Stattdessen stehen da längere Aufsätze, die sicher ganz gut sind, aber meinem Hirn fehlt derzeit vielleicht doch auch der nötige Zucker, um die textlastigen Erläuterungen zu “verdauen”.



Spannend fand ich dagegen, dass gerade der Welthungerindex 2011 erschienen ist. Vor allem die Weltkarte, auf der man verfolgen kann, wo die Lage prekär ist, wo schlecht, und wo sie akzeptabel bis gut ist wie bei uns. Wer will, kann einfach mal reinklicken:





Open publication – Free publishing – More hunger
PS: Heute Abend muss ich für Gäste kochen, das gemeinsame Essen unterbricht dann das Experiment für einen Moment.
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Fast bloß eine Schale Reis

Peter | 11. Okt 2011

Ich fange wieder mit der körperlichen Seite an. Meinen Reis auf zwei Portionen zu verteilen klappte relativ gut. Beim Essen verglich ich meine Portion mit denen der anderen am Tisch und versuchte ich mir dann vorzustellen, dass über zwei Milliarden mit mir am Tisch saßen und auch Reis aßen.

Später am Abend genehmigte ich mir noch einen halben Apfel dazu und merkte mit einem Schlag, welch ein Luxus sogar ein mickriger halber Apfel für jemanden sein muss, der von einer Schale Reis am Tag lebt. Und – positiv formuliert – wie dankbar ich für einen halben Apfel sein konnte.

Überhaupt wird meine Erfahrung ja dadurch behindert und zugleich erleichtert, dass ich weiß, im Notfall (und den definiere ich selbst…) kann ich jederzeit so viel essen, wie ich mag. Erleichtert, weil das Ende immer schon in Sicht ist. Behindert, weil ich durch das absehbare Ende die Konfrontation mit dem Mangel nicht so ernst nehmen könnte.

Auf der Website zur Aktion stand gestern eine Bibelauslegung. Irgendwie fand ich keinen Zugang zu dem Text, was vermutlich mehr an mir lag als am Autor. In der Nacht lag ich dann eine Weile wach, aber vermutlich eher wegen eines aufwühlendes Gesprächs am Tag zuvor und weniger, weil der Magen knurrte. Auf n-tv lief eine Dokumentation über den ersten Weltkrieg. Die Bevölkerung in Deutschland litt im Winter 1916 an Hunger, man ernährte sich von Steckrüben und pro Kopf standen etwa 1.000 Kalorien zur Verfügung. Trotzdem ist das immer noch mehr als diese eine Schale Reis…

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Eine Schale Reis: Der Einstieg

Peter | 10. Okt 2011

Das Sonntagsmenü stand schon, also habe ich den Beginn des angekündigten Selbstversuchs auf heute verschoben. Die ganze letzte Woche hatte ich einen etwas flauen Magen und eher mäßigen Appetit, aber gestern nachmittag und Abend zog das Hungergefühl – sicher auch, weil ich wusste, was mich diese Woche erwartet – deutlich an.

Wenn man nur so eine überschaubare Essensration vor sich hat, dann schiebt man die erste Mahlzeit vielleicht besser etwas hinaus, dachte ich mir und verzichtete auf ein paar Löffel Reis zum “Frühstück”. Im Lauf des Vormittags fragte ein hungriger Leidensgenosse an, ob der Reis in trockenem oder gekochten Zustand 100g schwer sein sollte. Ich hatte die Anleitung so verstanden, dass er vor dem Kochen gewogen wird.

Mittags war mir dann langsam kalt mit leerem Magen. Ich setzte den Reis auf und kippte, weil kein Brühwürfelchen mehr da war, ein paar Krümel Bratenfond ins Wasser, um etwas Geschmack zu erreichen. Mit mäßigem Erfolg. Der Rest der Familie aß auch Reis, freilich mit Huhn und eindringlich duftender Currysoße. Ich verspeiste gut die Hälfte meiner Portion und packte den Rest weg fürs Abendessen.

Das Verdauungstief fällt nach der leichten Mahlzeit weniger massiv aus, einen (freilich fairen!) Kaffee gönnte ich mir trotzdem und entschied, dass Milch auch ok ist, auch wenn die natürlich etwas Fett und Protein enthält. Für meine Mitmenschen bin ich so vermutlich genießbarer als wenn ich bloß Wasser zu mir nehme. Der Körper muss sich ja erst mal umstellen. Mit Alkohol sieht es dagegen schlecht aus. Ein 0,2l Glas Apfelsaft enthält laut Packung ein Fünftel des täglichen Bedarfs an Zucker, aber ein kleines Schorle ist vielleicht auch noch drin irgendwann heute.

Mein Fastenkollege schreibt gerade, er habe schon drei Viertel der Tagesration verdrückt und immer noch Hunger. Mal sehen, was das noch wird heute…

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Wie schmeckt Armut?

Peter | 05. Okt 2011

Die Micha-Initiative ruft für die kommende Woche zu einer – für alle, die sich ihr anschließen – enorm eindrücklichen Aktion auf: Unter dem Motto Reicht Fast(en)? kann man sich verpflichten, täglich eine Schale Reis (100g, ca 350 kcal) zu essen. Blank, wenn’s geht, mit etwas Salz.

Mehr nicht, denn das ist die tägliche Essensration für ein Drittel der Weltbevölkerung – über 2 Milliarden Menschen! Die eine Milliarde, die tatsächlich im “technischen” Sinn hungert, hat noch weniger…

Letzte Woche haben wir in einem Teamtreffen über die Aktion gesprochen und die meisten fanden das schon ziemlich happig. Einer aus der Runde meinte, dann würde er lieber ganz fasten, dann stellt sich wenigstens kein Hunger ein. Andere schüttelten den Kopf und meinten, sie müssen ja arbeiten, da geht so etwas nicht.

Andererseits: Vielleicht muss man es ja gerade deshalb am eigenen Leib erfahren! Denn die Leute mit der einen Schale Reis am Tag arbeiten ja auch. Also: Wo sind diejenigen, die es drauf ankommen lassen? Egal, wie lange jede/r durchhält – einen Versuch sollte es uns allemal wert sein. Also jetzt bitte nicht gleich “Reis aus nehmen” – es sei denn, jemand hat Untergewicht oder gesundheitliche Probleme. Als Diät ist das Ganze übrigens auch nicht gedacht (zunehmen wird man freilich kaum).

Man lebt billig in so einer Woche. Das ist die andere Seite. Das gesparte Geld kann man dann spenden, um Armut und Hunger zu bekämpfen. Die Flyer für die Aktion kann man übrigens noch hier bestellen.

Konsumgesellschaft, Micha Initiative, Reicht Fast(en)?
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Verrücktes Vertrauen

Peter | 29. Sep 2011

In den letzten Tagen habe ich mich gefragt: Vielleicht sollten wir neben Psychopathen und Soziopathen nun auch von “Plutopathen” sprechen (analog zu Plutokratie, oder wäre “Monetopathen” besser)? Die Finanzkrise hat – Deutschland ist da die krasse Ausnahme – weltweit 13 Millionen Jobs vernichtet, Familien und ganze Landstriche in die Armut gestürzt. Der billionenschwere “Krieg gegen den Terror” fand derweil irrtümlicherweise weit weg in Afghanistan und im Irak statt.

Der wahre Schrecken kam deshalb unerwartet: Aus der US-Subprimekrise ist die Schuldenkrise in Südeuropa und Irland und die Krise des Euro geworden. Seit Wochen ringen Regierungen darum, das Vertrauen “der Märkte” zurückzugewinnen, nachdem man in der Krise die Reform der Märkte versäumt hat, was wiederum vor allem die USA zu verhindern wussten.

Nur: Wer verbirgt sich hinter dieser Chiffre “die Märkte”? Die Antwort ist wirklich erschreckend: Die Finanzmärkte werden im Wesentlichen von Menschen dominiert, denen die Universität St. Gallen ein vernichtendes Charakterzeugnis ausstellt. Der Forensiker Thomas Noll bilanziert eine Studie zum Verhalten von Aktienhändlern laut Spiegel Online folgendermaßen:

“Natürlich kann man die Händler nicht als geistesgestört bezeichnen, […] aber sie verhielten sich zum Beispiel noch egoistischer und risikobereiter als eine Gruppe von Psychopathen, die den gleichen Test absolvierten.” Besonders schockierend für Noll: Insgesamt erzielten die Banker gar nicht mehr Gewinn als die Vergleichsgruppen. Statt sachlich und nüchtern auf den höchsten Profit hinzuarbeiten, “ging es den Händlern vor allem darum, mehr zu bekommen als ihr Gegenspieler. Und sie brachten viel Energie auf, diesen zu schädigen.” Es sei in etwa so gewesen, als hätte der Nachbar das gleiche Auto, “und man geht mit dem Baseballschläger darauf los, um selbst besser dazustehen”.

Wunderbar illustriert wird diese These durch ein Interview der BBC mit einem gewissen Alessio Rastani, das für große Aufregung im Internet gesorgt hat. Die Süddeutsche beleuchtet seinen etwas schillernden Hintergrund und stellt dann fest, dass der selbsternannte Experte mit der großen Klappe Dinge ausspricht, die andere schon seit langem anprangern, ohne damit groß aufzufallen. Der springende Punkt ist jedoch der: Realität und Karikatur oder Effekthascherei lassen sich für viele eben schon gar nicht mehr so leicht auseinanderhalten – Rastani hat die Baseballschläger-Rhetorik perfekt drauf.





Man fragt sich nur, warum die anderen Paten sich den Plutopathen nicht anschließen – das wäre ganz legal, und mindestens so destruktiv wie organisiertes Verbrechen, aber man könnte auf Killertrupps verzichten und muss sich nicht irgendwo auf Sizilien vor den Carabinieri verstecken.
Und das gesparte Geld könnte man nutzen um – richtig – gegen den Euro zu wetten. Oder den Dollar – der kommt als nächstes dran.

Europa, Finanzkrise, Konsumgesellschaft, Vertrauen, Börsen
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Wutbürger 2.0?

Peter | 10. Aug 2011

Die Berichte von den Straßenschlachten in London haben mich an unseren Urlaub vor zwei Jahren erinnert, das inzwischen letzte von vielen Malen, die ich in London war. Seither habe ich mich zwar nach den Freunden dort zurückgesehnt, nicht aber nach der Stadt. Ich mag’s im Zweifelsfall lieber “arm, aber sexy” wie Berlin.

Ich fand die Tage dort anstrengend. Nicht wegen der Hektik, Enge und Lautstärke der Metropole, sondern wegen dem krassen Kontrast von Arm und Reich. Von Prunk und Verschwendung auf der einen Seite und Armut und Perspektivlosigkeit auf der anderen. Meine Grundstimmung, als ich meinen Sohn durch die Straßen von Kensington begleitete, wo er die Luxuskarossen bestaunte, war – das wurde mir erst heute so richtig klar – Wut und Zorn. Sie blieben knapp unter der Oberfläche des Bewusstseins, aber ich empfand den Spaziergang als anstrengend und unerfreulich.

Auf bbc.com habe ich heute einen britischen Polizeioffizier sagen hören, die Ausschreitungen hätten keinen Grund, es sei ihnen kein Unrecht vorausgegangen. Wie blind muss man eigentlich sein, um zu übersehen, dass diese stetig wachsende Kluft – wunderbar beschrieben in diesem Artikel der SZ – schon die ganze Zeit Unrecht war? Nun ist aus der Kluft ein veritabler Abgrund geworden.

Leider haben wir Deutschen den Engländern viel zu gewissenhaft nachgeeifert und hier dieselbe wachsende Kluft geschaffen. Was uns jetzt noch fehlt, ist die Clique der Superreichen in ihrem prunkvollen Kokons aus Stahl, Designerkram und Personenschützern, die allen anderen schamlos vor Augen führen, dass sie zu den Verlierern gehören. Ich erinnere mich noch an eine Werbung in der Tube, die stolz verkündete, in London sei jeder zwanzigste ein Millionär. Wie viele von den anderen 95% an und unter der Armutsgrenze leben, davon stand da nichts.

Wenn man sich schon vor zwei Jahren als Tourist mit dem Zorn, der da in der Luft lag, innerhalb einiger Tage “infizieren” konnte, wie muss es sein, wenn man dort lebt und nicht weg kann? Die Gewaltausbrüche sind gewiss nicht zu rechtfertigen, aber eben auch keine Überraschung. Und wenn hier kein Politikwechsel kommt, erleben wir in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht ganz ähnliche Dinge.

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Weisheit der Woche: Multitasking

Peter | 03. Jul 2011

Das Gehirn lernt ständig. Wenn es alles auf einmal machen soll, dann lernt es, unkonzentriert zu sein.

Manfred Spitzer in der SZ

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BiSZig

Peter | 25. Apr 2011

Die Süddeutsche ätzt treffend über das areligiöse österliche Freizeitverhalten hierzulande:

Die meisten aber sitzen in absurd bunten Wursthäuten auf Fahrrädern oder haben sich in Tchibo-Wanderklamotten geschmissen. Geht man übrigens zu Ostern in die Kirche, begegnet man dort keinen Wursthaut-Sportlern oder Cargohosen-Freizeitlern. Kirche hat in vielerlei Hinsicht etwas für sich.

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Weisheit der Woche: Entscheidungsfreiheit

Peter | 17. Apr 2011

Verbraucherentscheidungen können in die richtige Richtung führen. Doch die meisten Kaufentscheidungen treffen Menschen aufgrund von sozialem Druck. Dass sie freie Entscheidungen für eine nachhaltige Welt treffen, halte ich deshalb für eine Illusion.

Der Wachstumskritiker Tim Jackson bei Spiegel Online zur Frage, ob man sich in eine bessere Welt shoppen kann

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“pornographische Anbetung”

Peter | 08. Feb 2011

Ein grandios wütender Kommentar von Alexander Gorkow heute in der SZ zur Verleihung der goldenen Kamera, dem Heiratsantrag von Monica Lierhaus und der Frage, was unser Fernsehen eigentlich im Innersten antreibt:

Hinter den Kulissen von deutschen TV-Unterhaltungsformaten finden rituelle Gebete statt. Es geht in diesen Gebeten selten um die Hoffnung auf den großen Erkenntnisgewinn während einer bevorstehenden Sendung. Es geht selten auch um jene Subversion, die Engländer und Amerikaner beherrschen (…) Es geht in unserem Gebührenfernsehen – dem mit jährlich rund acht Milliarden Euro teuersten der Welt – in Ermangelung an Stil, Humor und Vertrauen in die Zuschauer wenig um Sprache. Es geht stattdessen um eine Art Gott, und es ist dies der Gott des emotionalen Augenblicks.

Es ist eine inzwischen quasi pornographische Anbetung des einen, großen und bitte absolut geilen Moments, der ins Bild muss – und heute können wir sagen: koste es, was es wolle, zum Beispiel die Würde einer Frau wie Monica Lierhaus. Es wird wegen der Fixierung der Sender auf diesen Moment kein Mensch mehr sagen können, wer zum Beispiel bei welchem “Bambi” oder “Fernsehpreis” mit einer Trophäe nach Hause ging. Es wird sich hingegen jeder an den Auftritt des todkranken Rudi Carrell erinnern, oder daran, wie Marcel Reich-Ranicki plötzlich herumbrüllte, weil ihm das Niveau einer Preisverleihung mit einem Mal zu niedrig vorgekommen war.

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